Windhundrennen mögen ja durchaus interessant sein. Aber Schneckenrennen? Dass auch ein „entschleunigter“ Wettkampf spannende Facetten hat, zeigt sich im Bundesliga-Tabellenkeller. Dort, wo die Teams mitunter wochenlang auf einen Punkt warten müssen und nur Zähler für Zähler vorankommen. Nirgendwo wird mehr gebibbert als im Tabellenkeller, und nirgendwo sonst kommt ein (gelegentlicher) Sieg einem Befreiungsschlag gleich.

Acht Teams sind in den Abstiegskampf verstrickt, darunter Mannschaften wie Hertha BSC, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen, mit denen man in diesen Zonen nicht gerechnet hat. Die besten Karten von diesen  Mannschaften hat  jedoch – Aufsteiger Union Berlin. Die „Eisernen“, für viele vor der Saison als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt, machten in der Hinrunde ihrem Spitznamen alle Ehre. Sie ließen sich auch von der 0:4-Heimniederlage zum Auftakt gegen RB Leipzig nicht kirre machen, sondern interpretierten das Match als Anschauungsunterricht für die folgenden Spiele. „Das hat uns gut getan“, sagt Trainer Urs Fischer im Nachhinein zur Auftaktklatsche. So gesehen haben die Köpenicker zum Rückrunden-Beginn beim Spitzenreiter nichts zu verlieren. Die nötigen Zähler  zum Klassenerhalt werden sie anderswo sammeln. Auch wenn es bis dahin – schneckengemäß – dauern sollte.