WM-Qualifikation Feuer, Eis und Fußball-Helden

Riesenjubel auch beim Augsburger Bundesligastürmer Alfred Finnbogason (rechts): Die Isländer fahren zur WM 2018 nach Russland.
Riesenjubel auch beim Augsburger Bundesligastürmer Alfred Finnbogason (rechts): Die Isländer fahren zur WM 2018 nach Russland. © Foto: afp
sid 11.10.2017

Wie Donner rollte das „Huh!“ durch die zugigen Straßen Reykjaviks, als die isländischen Fußballhelden gestern am frühen Morgen aus einer Szenebar auf die Straße tanzten. An der mächtigen Hallgrimskirche wehte die blaue Landesflagge vor der Statue des Welten-Entdeckers Leif Eriksson.

Selbst der Staatspräsident kann es nicht fassen – doch es ist wahr: Island fährt erstmals zur WM! „Enorme Freude und Stolz erfüllen mich, dass ich Zeuge dieser wunderbaren Feier werden durfte“, sagte Gudni Johannesson, der das entscheidende 2:0 (1:0) gegen den Kosovo im berstenden Nationalstadion Laugardalsvöllur bejubelte. Nach Frankreich 2016 hört auch Russland den Siegesruf „Huh!“, nie hat sich ein Land mit weniger Einwohnern (330 000) für die WM qualifiziert.„Unglaublich“, sagte Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson. Der 50-Jährige war nach dem Spiel derart tief bewegt, dass er einen Teil der Pressefragen von seinen Assistenten beantworten ließ. „Maradona, Pelé“, stammelte Hallgrimsson,  – „und Aron Einar Gunnarsson!“ Der Kapitän von Cardiff City, berühmt durch seinen markanten Bart und seine spitzen Eckzähne, führte auch die Party mit den wilden Männern im Stadion an. Bengalische Feuer rauchten auf der Tribüne, wie es sonst nur die schwefeligen Felder bei den heißen Quellen tun. Reykjavik, das bedeutet übersetzt: Rauchbucht.

Auf einer Bühne am Ingolfur-Platz sprangen die Spieler später mit dem Rapper Emmsje Gauti herum, sie warfen die Arme in die Luft und schnitten Grimassen. Doch nicht allein die Hauptstadt, ganz Island kocht nach dem erneuten Siegeszug. „Das Wikingerschiff nimmt Kurs auf Russland“, schrieb sogar die Washington Post. Das Bier floss in Strömen, auch wenn ein Glas bis zu zehn Euro kosten kann.

In Island beginnt der Fußball dem Handball Konkurrenz zu machen. Wer durch das Land von Lava und Eis reist, sieht in jedem Fischerdorf einen fein gepflegten Rasen und daneben einen hölzern umzäunten Mini-Bolzplatz, meist an der Seite eines bestens ausgestatteten Schwimmbads. Dazu kommt: „Wir sind Workaholics“, wie Heimir Hallgrimsson betont.

Der Sport ist Regierungsprogramm – auch, um die in der Wirtschaftskrise teils in Alkoholmissbrauch abgedriftete Jugend zu beschäftigen. So jedenfalls verkam die EM-Teilnahme der Nummer 22 der Fifa-Weltrangliste nicht zur Eintagsfliege. Hallgrimsson, der den Fans stets vor dem Anpfiff die Taktik in der Sportsbar Ölver erläutert, ist darauf besonders stolz. Die Weite des Landes, die raue See, sie lassen die Isländer zusammenstehen. Ein Journalist berechnete, dass 0,1 Prozent der isländischen Männer zwischen 22 und 34 im Sommer nach Russland fahren werden – als Spieler, wohlgemerkt. Tausende werden sie begleiten.

Superstar Bale bleibt nur die Zuschauerrolle

Zum zweiten Mal nach 2010 haben sich die  Serben für eine WM qualifiziert. Der Tabellenerste der Gruppe D, trainiert vom ehemaligen Lüttich-Coach Slavoljub Muslin, 64, gewann 1:0 (0:0) gegen Georgien und löste damit das Ticket. Aleksandar Prijovic erlöste seine Elf in der 74. Minute. Platz zwei erreichte Irland durch ein 1:0 (0:0) im „Endspiel“ in Wales. James McClean (57.) traf für die Iren. Den Gastgebern, die ohne den verletzten Superstar Gareth Bale antreten mussten, blieb nur Rang drei.