Fußball VfB-Fehlstart wie im Jahr des Abstiegs

Stuttgart / Gerold Knehr 02.09.2018
Die totale Defensiv-Taktik des VfB Stuttgart geht schief. Beim 0:3 gegen den FC Bayern hatte das Team von Tayfun Korkut keine einzige Torchance.

Null Ecken. Kein einziger Schuss  auf das Gehäuse des FC Bayern, dessen Torhüter Manuel Neuer am Samstag beim mühelosen Erfolg in der Mercedes-Benz-Arena hätte zu Hause bleiben können.  Null Tore nach den ersten drei Pflichtspielen der neuen Saison, die mit dem bitteren Erstrunden-Aus im DFB-Pokal beim Drittligisten Hansa Rostock (0:2) begann. Dem 0:1 zum Bundesliga-Auftakt beim FSV Mainz 05 folgte nun im ersten Heimspiel ein 0:3 (0:1) gegen die Münchner. Der VfB Stuttgart hat einen veritablen Fehlstart hingelegt – ähnlich wie in der Saison 2015/16. An deren Ende stand der Bundesliga-Abstieg ...

Natürlich ist es noch viel zu früh, um zu unken. Und natürlich kann der VfB gegen den deutschen Rekordmeister verlieren. Auch mit 0:3. Doch die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, gibt zu denken. Das Team von Trainer Tayfun Korkut stand extrem defensiv und harrte hasenfüßig der Dinge, die da auf die Mannschaft zurollten.  Eine gute halbe Stunde lang ging diese Taktik trotz des großen Drucks der Gäste gut. Bis Neuzugang Leon Goretzka, der erstmals in einem Pflichtspiel in der Bayern-Startformation stand, das 1:0 (37.) erzielte.

Der Plan lautete ähnlich wie beim überraschenden 4:1 in München am Ende der vergangenen Saison, als die Bayern nach dem aus im Champions-League-Halbfinale in einem Loch waren: Über Konter zum Erfolg kommen. Doch dieses Vorhaben ging nicht auf. Weil kein Mumm drin war im VfB-Spiel, kein Selbstvertrauen zu spüren war.  Nur ein einziges Mal, als der Argentinier Ascacibar in der 14. Minute über die linke Seite einen vielversprechenden Vorstoß wagte, wurde es gefährlich für die Münchner. Doch Thiago klärte.

Mannschaft hat zu wenig geboten

Wer dachte, dass Korkut seine Taktik spätestens in der zweiten Halbzeit ändern würde, der hatte sich getäuscht. „Wenn man zurückliegt  und das Bestreben  hat, zuhause zumindest unentschieden zu spielen, muss man etwas anderes bieten, muss man mutiger spielen. Das war definitiv zu wenig. Alle sind gefordert, eine Schaufel draufzulegen“, sagte VfB-Sportvorstand Michael Reschke.

Worte, die dem VfB-Trainer in den Ohren klingeln müssten. „Wir haben es nicht geschafft, bis an die Mittellinie zu kommen. Wir standen 30 Meter dahinter, waren passiv, da war es schwer zu kontern“, räumte Korkut ein. Stattdessen legten die Bayern nach. Robert Lewandowski (62.) und Thomas Müller (76.) erhöhten auf 3:0. Mit dem Endresultat waren die chancenlosen Stuttgarter noch gut bedient.

Donis: Auswechslung „unfair“

Die Reaktionen nach dem Fehlstart fallen (noch) verhalten aus. Als Korkut in der 57. Minute Anastasios Donis auswechselte, gab es im ausverkauften Stadion Pfiffe der VfB-Anhänger. Der laufstarke Grieche war noch der aggressivste Stuttgarter und schaffte es zumindest in der ersten Halbzeit gemeinsam mit Pablo Maffeo phasenweise,  Franck Ribéry die Lust auf Fußball ein wenig zu nehmen. Donis selbst verstand seine Auswechslung nicht: „Der Trainer hat entschieden, mich rauszunehmen. Das akzeptiere ich, aber ich denke, es war unfair.“

Überhaupt kein Land sah Stürmer Mario Gomez. Kein Wunder, denn in der Region, in der er sich vorwiegend zu bewegen hat,  war ja nie der Ball. „Wir haben nach dem 0:1 den Glauben an den Sieg oder ein Unentschieden verloren. Wir müssen jetzt die Lage knallhart analysieren“, fordert der zurückgetretene Nationalstürmer. „Es ist wichtig, dass das Selbstvertrauen der vergangenen Rückrunde nicht komplett in den Keller geht. Wir müssen in der Länderspielpause mit uns selbstkritisch umgehen, aber sachlich bleiben“, fordert Kapitän Christian Gentner.

Das Kontrastprogramm zu den Stuttgartern boten die mit breiter Brust auftretenden Münchner.  „Bei unserer Konkurrenzsituation muss jeder liefern. Man ist heiß zu zeigen, welche Qualitäten man hat“, sagte Thomas Müller. Das galt insbesondere für Leon Goretzka, der mit seinem überzeugenden Auftritt seine Anwartschaft auf einen Platz im umkämpften Münchner Mittelfeld anmeldete.

  Von solchen Verhältnissen können die Stuttgarter nur träumen. Immerhin durften sie sich nach dem Abpfiff des Rückhalts der VfB-Anhänger versichern. Sie stimmten nach dem ernüchternden Spiel „Wir-sind-immer-für-euch-da“-Gesänge an.

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