Drei Monate lang hat Clemens Tönnies sein Amt als Aufsichtsratschef beim Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 ruhen lassen. Wer den 63 Jahre alten Fleisch-Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück kennt, weiß, wie schwer ihm das gefallen sein dürfte.

Nicht nur die turnusmäßigen Sitzungen des Kontrollgremiums waren nach einem Beschluss des Schalker Ehrenrats tabu für Tönnies. Um nicht für noch mehr Aufmerksamkeit zu sorgen, belegte sich Tönnies mit einem Besuchsverbot der Heimspiele. Die Partien schaute er sich am Fernseher an, auch wenn er „kein Stadionverbot hatte“, wie Schalkes Unternehmenssprecherin Anja Kleine-Wilde betonte.

Am 6. August hatte der Schalker Ehrenrat nach vielfach als rassistisch eingestuften Äußerungen von Tönnies über Afrikaner und einem anschließenden Gespräch mit dem Clubchef entschieden, dass dieser sein Schalke-Amt drei Monate lang nicht ausüben darf. In dieser Zeit nahm Tönnies' Stellvertreter Jens Buchta dessen Aufgaben wahr. Am 6. November um 24.00 Uhr läuft die Enthaltsamkeitsfrist ab. So könnte er vom folgenden Tag an wieder durchstarten.

Nach dpa-Informationen hat Tönnies die zurückliegenden drei Monate auch zur Selbstreflexion genutzt, einige Dinge hinterfragt, sich Gedanken über seine Rolle bei einem der emotionalsten deutschen Fußball-Vereine gemacht. Mit welchen Ergebnis, wird er sicher mitteilen, vermutlich im Interview mit dem hauseigenen Sender oder schriftlich via Vereinshomepage. In anderen Medien, so ist im Schalker Umfeld zu hören, will sich Tönnies vorerst nicht äußern.

In der vergangenen Woche hatte sein äußerst zurückhaltender Auftritt als Gast bei der Verleihung des NRW-Landesverdienstordens an Schalkes langjährigen Torhüter Manuel Neuer durch Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in der Düsseldorfer Staatskanzlei für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Duisburger Landtagsabgeordnete Sarah Philipp (SPD) fand den Tönnies-Auftritt „deplatziert“, wie sie tags darauf twitterte.

Erklärung des Schalker Ehrenrats

Entscheidung des Schalker Ehrenrats vom 6. August 2019