Doha/München FC Bayern: Reiseplan sorgt für Kritik

Auf dem Weg ins umstrittene Katar-Trainingslager: Pep Guardiola.
Auf dem Weg ins umstrittene Katar-Trainingslager: Pep Guardiola. © Foto: dpa
Doha/München / SID/DPA 07.01.2016
Der FC Bayern ist zum sechsten Mal im Katar-Trainingslager. Die Reise ist auch bei den Fans umstritten. Die Klub versucht, das Thema kleinzuhalten.

Philipp Lahm gilt als Diplomat und steht daher im Ruf, eine Art Außenminister des FC Bayern zu sein. Es war also keine Überraschung, dass der Teamkapitän am Mittwoch kurz vor dem Abflug die heikle Aufgabe übernahm, die Reise nach Doha/Katar zu rechtfertigen. "Die Mannschaft und alle im Verein beschäftigen sich mit dem Thema, was in Katar los ist", behauptete er. Und nein, die Mannschaft werde "nicht die Augen zumachen". Was immer das heißen mag.

Doha, Katar. Zum sechsten Mal nacheinander bereitet sich der FC Bayern in der weitläufigen Aspire Academy vor, "wir haben", sagte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge, dort "gute Erfahrungen" gemacht. Die Reise im vergangenen Jahr allerdings geriet zum PR-Desaster, weil die Münchner auf dem Rückweg noch ein Spiel in Saudi-Arabien absolvierten. Just zu einem Zeitpunkt, als dort ein bekannter Blogger ausgepeitscht werden sollte. Es hagelte Kritik, von allen Seiten.

Rummenigge räumte später ein, Fehler begangen zu haben, der FC Bayern, sagte er, hätte deutlicher ansprechen sollen, dass er "jede Bestrafung" verurteile, "die nicht im Einklang mit den Menschenrechten steht". Nur wenige Wochen nach der Reise nach Katar und Saudi-Arabien schuf er zudem die Abteilung Public Affairs: Ein ehemaliger Journalist der Süddeutschen Zeitung soll den Vorstand und seinen Vorsitzenden nun unter anderem dann unterstützen, wenn es um gesellschaftliche Themen geht.

Und Katar bleibt ein Thema. Unter anderem bei den Anhängern. Der "Club Nr. 12", eine Dachorganisation aktiver Fans des FC Bayern, teilte auf Anfrage mit: "Wir betrachten die Reise nach Katar aufgrund der dortigen Menschenrechtsverletzungen sehr kritisch." Özcan Mutlu, sportpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, findet "unglaublich, dass der FC Bayern nichts dazulernt".

Zum Start ins Trainingslager verkleinern die Münchner derweil den Kader um drei Profis. Sinan Kurt, 19, wird zu Hertha BSC wechseln, Jan Kirchhoff geht wohl nach England. Im Falle von Gianluca Gaudino ist eine Ausleihe zum Schweizer Erstligisten FC St. Gallen im Gespräch, wie sein Vater Maurizio bestätigte.

Guardiola selbst hatte zuvor erstmals den Wechsel nach England angekündigt: "Ich will in der Premier League trainieren", sagte der 44-Jährige. Dass es ihn dort zu Manchester City zieht, wo seine Vertrauten aus Barcelona-Zeiten arbeiten, davon gehen alle aus. Bestätigen wollte der Spanier das nicht.

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