Ganz sicher ist er sich nicht. "Aber ich glaube, dass das weltweit einzigartig ist", sagt Jörg Kinzig. Der Direktor des Instituts für Kriminologie an der Eberhard-Karl-Universität Tübingen spricht von der wissenschaftlichen Untersuchung, die seine Doktorandin Thaya Vester gemacht hat: Die 30-Jährige befragte vom Oktober 2011 bis Februar 2012 schriftlich und mündlich 2602 Fußball-Schiedsrichter in Württemberg zur Gewalt im Amateurfußball. Und stellte im Großen Senat der Tübinger Universität ihre ersten Ergebnisse in einem Buch vor.

Der Württembergische Fußballverband (WFV) unterstützte Vester bei ihrer Arbeit. Die Erkenntnisse: Fast alle Schiedsrichter im württembergischen Amateurfußball gaben an, sich sicher auf den Plätzen zu fühlen. Nur etwa ein Prozent der Befragten fühlte sich selten oder nie sicher auf dem Platz.

Die, die sich eher unsicher fühlten, seien meist ältere und höherklassige Schiedsrichter, erläutert Vester. "Die Älteren haben halt oft schon schlechte Erfahrungen gemacht", sagt sie, "wenn ein Auto 50.000 Kilometer auf dem Tacho hat, ist das Risiko einer Panne auch größer als bei einem Neuwagen."

Zur Saison 2010/11 hatte der WFV zur Gewaltprävention auch Ordnungsänderungen eingeführt: den Handschlag vor dem Spiel, die Pflicht des Heimvereins, Ordner zu stellen, eine Technische Zone für Trainer. Über 40 Prozent der Schiedsrichter hätten durch diese Maßnahmen laut der Erhebung eine spürbare Verbesserung wahrgenommen. "Mein vorläufiges Fazit ist", sagt Vester, "der WFV ist auf einem guten Weg - dennoch ist noch jede Menge zu tun."

Dem pflichtete auch der als Podiumsgast eingeladene Bundesliga-Schiedsrichter Knut Kircher bei: "Es muss doch möglich sein, bei aller Emotion, ohne Gewalt gegen den Schiedsrichter ein Spiel rumzubringen. Und der WFV ist da aus meiner Sicht auf einem guten Weg, den er bestreitet."