Für die kommende Saison wird beim VfB Stuttgart bereits im großen Stil geplant. Hauptproblem: Noch weiß beim aktuell Drittletzten der Fußball-Bundesliga niemand, wohin der Weg geht: Klassenerhalt  – oder Abstieg wie 2016?

Diese Ungewissheit macht alles deutlich schwieriger. Da ist, wie berichtet, schon ein neuer Trainer als möglicher Nachfolger des glücklosen Markus Weinzierl im Gespräch. Doch würde der Österreicher Oliver Glasner vom Linzer AK tatsächlich auch für die zweite Liga zusagen?

Unabhängig vom Saisonausgang ist der Mannschaft um Präsident Wolfgang Dietrich und Sportvorstand Thomas Hitzlsperger jetzt ein Coup gelungen: Sven Mislintat, der frühere Chefscout von Borussia Dortmund und Arsenal London, hat gestern Nachmittag  einen Zweijahresvertrag unterschrieben.

Der 46-jährige Westfale aus Kamen ist verantwortlich für Spielertransfers. Er übernimmt also das Hauptaufgabengebiet des im Februar nach rund zweieinhalb Jahren entlassenen Michael Reschke, dem unter anderem mehrere Fehleinkäufe – wie der jetzt vom Training suspendierte spanische Verteidiger Pablo Maffeo – angelastet wurden.

Guter Kontakt zum Präsidenten

„Sven Mislintat hat sich in seiner langjährigen Laufbahn ein hohes Maß an Reputation erarbeitet“, sagte Hitzlsperger, „mit seinem Wissen, seinem Netzwerk und seiner Art, Fußball zu denken, passt er perfekt zu uns.“ Gerade die gute Verbindung zu Präsident Dietrich, der von den Stuttgarter Fans zuletzt harsch kritisiert und mit Bannern im Stadion wiederholt zum Rücktritt aufgefordert wurde, habe „dazu beigetragen, Sven vom VfB zu überzeugen“, so Hitzlsperger. Mislintat spricht einer „Riesenherausforderung und zugleich großen Ehre“.

Im Bereich Talentsichtung hat er einen herausragenden Ruf. Dass Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang, Ousmane Dembélé oder Jadon Sancho nach Dortmund geholt wurden, war vor allem sein Verdienst.  Beim BVB hatte Mislintat sich dann jedoch mit dem damaligen Trainer Thomas Tuchel überworfen. Ende 2017 verließ er den Verein, für den er elf Jahre lang gearbeitet hatte, und ging zum FC Arsenal. In London hielt es ihn nur 14 Monate. Nach Wechseln auf der Trainerbank und in der Geschäftsführung soll es Meinungsverschiedenheiten gegeben haben.

Mit Markus Weinzierl gebüffelt

VfB-Coach Weinzierl übrigens hatte 2011 zusammen mit Mislintat die Prüfung zum Fußballlehrer gemacht. Auch er ist voll des Lobes über Klasse und Erfahrungsschatz des Neuzugangs in der sportlichen Führung: „Sven hat beim BVB super Arbeit geleistet, war bei Arsenal, gilt als Scout vieler Top-Spieler und hat eine gute Auffassung von Fußball.“

Zunächst einmal geht es am Samstag (15.30 Uhr/Sky) im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen um Weinzierls eigene Auffassung von Fußball. Die offensive Einstellung gegen Verfolger Nürnberg (1:1) wurde letzten Samstag nicht belohnt.  Vielleicht auch deshalb, weil Steven Zuber mehr als Ballverteiler im Mittelfeld gefordert war. Dabei ist er mit fünf Toren bester VfB-Torschütze 2019. Gegen den Club trafen weder Mario Gomez noch Stürmerkollege Anastasios Donis, sondern Verteidiger Ozan Kabak. Der 19-jährige Türke hat seine Erkältung überstanden und steht im Kader.

Bevor es selbst auf den Platz geht, verfolgen die Stuttgarter zunächst das heutige Duell zwischen Nürnberg und Schalke 04. Eine Punktteilung wäre aus VfB-Sicht sicherlich das beste Ergebnis, vergoldet durch einen eigenen Erfolg gegen Leverkusen. Das Team von Peter Bosz scheint nach drei Niederlagen in Serie angeschlagen und nicht unschlagbar.

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„Diamanten-Auge“ mit Weitblick


Das Datum für die offizielle Vorstellung des Sportdirektors steht noch nicht fest. Je nach Saisonverlauf kann es Ende Mai werden. Möglicherweise muss der VfB ja am 23. und 27. Mai gegen den Zweitliga-Dritten in die Relegation.

Seine Expertise wird Sven Mislintat allerdings bereits jetzt einbringen: „Unser gemeinsamer Fokus liegt in den kommenden Wochen auf dem Kampf um den Klassenerhalt, natürlich geht der Blick aber auch schon auf die Planungen für die neue Saison“, sagte der 46-Jährige, der in seiner Dortmunder Zeit unter anderem als Entdecker des polnischen Stürmers Robert Lewandowski gilt. Kenner der Szene nennen Mislintat inzwischen „Diamanten-Auge“.