Stuttgart Doppelter Neustart: Großkreutz und der VfB

Kommt zusammen mit dem Ukrainer Artem Kravets zum VfB Stuttgart: Kevin Großkreutz, der Fußball-Weltmeister ohne Einsatzminute.
Kommt zusammen mit dem Ukrainer Artem Kravets zum VfB Stuttgart: Kevin Großkreutz, der Fußball-Weltmeister ohne Einsatzminute. © Foto: dpa
SID/EB 05.01.2016
Nach einem halben Jahr ohne Spielpraxis kehrt der von Heimweh geplagte Kevin Großkreutz aus der Türkei zurück in die Bundesliga. Er heuert beim VfB Stuttgart an. Vielleicht für beide eine gute Lösung.

Ein bisschen kurios ist es schon: Die erste Dienstreise mit seinem neuen Klub wird Kevin Großkreutz ausgerechnet dorthin führen, wo er nicht mehr sein wollte. Am Dienstag fliegt der VfB zu einem Trainingslager nach Belek in der Türkei, von dort, genau genommen von Galatasaray Istanbul, ist der Weltmeister erst vor einem Monat geflohen, geplagt von Heimweh.

Heimat ist für Großkreutz bekanntlich Dortmund, aber er wird, so ist es geplant, bis Sommer 2018 seinen Lebensmittelpunkt nach Stuttgart verlegen. Nur noch letzte Details waren zu klären. VfB-Sportvorstand Robin Dutt: "Nach der unglücklichen Zeit in Istanbul brennt Kevin darauf, endlich wieder Fußball zu spielen." Die Vereine sind sich einig. Es ging zuletzt noch um die Ablöse: rund 2,5 Millionen Euro.

Großkreutz und der VfB: Da haben sich zwei gesucht und gefunden. Großkreutz braucht einen Neuanfang, sein neuer Verein ebenso. Für 1,5 Millionen Euro war der 27 Jahre alte Allrounder vergangenen Sommer am letzten Tag der Wechselzeit zu Galatasaray gewechselt. Doch weil sich die Türken 48 Sekunden zu lang Zeit ließen, den Wechsel beim Weltverband Fifa zu melden, wurde Großkreutz gesperrt.

Nach der Winterpause hätte Großkreutz für Galatasaray spielen können, doch da hatte er längst beschlossen, dass das Ausland für ihn nichts ist. Jetzt also folgt in Stuttgart sein zweiter Versuch, seine Karriere wiederzubeleben. Im Sommer vergangenen Jahres war er bei Borussia Dortmund schon auf dem Abstellgleis gelandet, Verletzungen hatten ihn zurückgeworfen, und der neue Trainer Thomas Tuchel wollte ihn nicht mehr.

Stuttgart heißt nun die Ersatzheimat, beim VfB können sie ihn gut brauchen im Abstiegskampf, als defensiven wie offensiven, als links wie rechts einsetzbaren Dauerläufer. Vorausgesetzt freilich, Großkreutz findet zurück zu der alten Dynamik. Dem VfB ist er das Risiko jedenfalls wert, und er muss schließlich auch etwas tun: Derzeit trennen den VfB auf Tabellenrang 15 nur zwei Punkte von Schlusslicht 1899 Hoffenheim. Weil ein Großkreutz alleine wohl nicht reicht, sucht der VfB nach wie vor einen Innenverteidiger. Die Suche jedoch erweist sich als schwierig. Immerhin darf Jürgen Kramny, kurz vor der Winterpause vom Interims- zum Cheftrainer befördert, erst mal mit einem weiteren Stürmer planen. Der VfB leiht zunächst bis zum Saisonende den ukrainischen Nationalspieler Artem Kravets, 26, von Dynamo Kiew aus.

Es dauert übrigens nur gut einen Monat, ehe es für Kevin Großkreutz zu einem Wiedersehen mit seiner großen Liebe Borussia Dortmund kommt: Am 9. Februar (20.30 Uhr/live in der ARD) empfängt der VfB Stuttgart den BVB im Viertelfinale des DFB-Pokals.

Hoffenheim statt Stuttgart

Co-Trainer Noch keinen neuen Spieler, dafür aber einen zusätzlichen Assistenzen von Huub Stevens hat 1899 Hoffenheim für den Abstiegskampf verpflichtet. Armin Reutershahn, früher unter anderem bei Eintracht Frankfurt, dem Hamburger SV und zuletzt "Co" beim VfB Stuttgart, soll Chefcoach Stevens (ebenfalls mit VfB-Vergangenheit) beim Tabellenletzten unterstützen. "Ich kenne Armin seit Jahren. Das Wichtigste ist, dass er ehrlich und menschlich ist", sagte Stevens gestern beim Trainingsauftakt am Montag. In Stuttgart hatten beide bereits zusammengearbeitet.