Nationalmannschaft Die Nationalmannschaft hebt ab zur WM

Ankunft in Moskau: Joachim Löw begrüßte den Beauftragten des russischen Empfangskomitees, ihm folgten Co-Trainer Thomas Schneider, Torwarttrainer Andreas Köpke, Mannschaftskapitän Manuel Neuer und die weiteren Mitglieder des deutschen Trosses.
Ankunft in Moskau: Joachim Löw begrüßte den Beauftragten des russischen Empfangskomitees, ihm folgten Co-Trainer Thomas Schneider, Torwarttrainer Andreas Köpke, Mannschaftskapitän Manuel Neuer und die weiteren Mitglieder des deutschen Trosses. © Foto: Alexander Hassenstein/Getty
Moskau / Armin Grasmuck 13.06.2018

Wie ein Schmuckstück stand das Flugzeug, das die besten Fußballer der Republik zur Weltmeisterschaft nach Russland befördern sollte, auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens geparkt. Die Maschine war blitzeblank geputzt, „Fanhansa“ und „Mannschaftsflieger“ stand in großen Lettern aufgedruckt. Absperrgitter, Sicherheitskräfte und das gut gelaunte Bodenpersonal wiesen den Weg zu den Treppen, die zu den Eingangstüren führten. Und dann das: Kurz bevor Joachim Löw und seine Spieler mit dem Bus angerollt kamen, fing es kräftig an zu regnen. Leon Goretzka, der als Erster das Flugzeug betrat, erschien leicht abgeduscht wie alle anderen aus dem deutschen Tross. Sie waren kaum abgetrocknet, da wurden sie kurz nach dem Start des Sonderflugs LH 2018 in den dichten und turbulenten Wolken auch noch kräftig durchgeschüttelt. Erst als der WM-Flieger den deutschen Luftraum gen Osten verlassen hatte, wurde es ruhiger.

Konkreter Auftrag

Geschmeidiger verlief die Ankunft in Moskau. Um 16.55 Uhr Ortszeit, 15 Minuten früher als geplant, landete die deutsche Mannschaft auf dem Flughafen Wnukowo. Auch hier hingen die Wolken tief, aber es blieb trocken. Mit dem Bus ging es direkt weiter in das „Watutinki Hotel Spa Complex“. So heißt das Basislager der Deutschen am südwestlichen Rand der Hauptstadt auf der Mission Titelverteidigung.

Den großen Triumph zu wiederholen, also zum fünften Mal nach 1954, 1972, 1990 und 2014 den Titel des Weltmeisters zu erringen, so lautet die schlichte wie höchst ambitionierte Vorgabe des Bundestrainers. Vor dem ersten Training, das heute um 11 Uhr auf dem nur fünf Minuten vom Hotel entfernten Gelände des Spitzenklubs ZSKA Moskau angesetzt ist, formulierte er konkret, was er von den Spielern erwartet.

„Wenn wir in Russland die Dinge auch im Detail so umsetzen, wie wir uns das vorstellen, sind wir sicher ein Kandidat für den WM-Titel“, sagte Löw dem Fachmagazin Kicker. Er plant, seine Akteure möglichst flexibel einzustellen und agieren zu lassen. „2014 waren wir eine Mannschaft, die defensiv sehr gut stand und gearbeitet hat. Das muss auch jetzt gelten. Auf der anderen Seite haben wir so viel Kraft im Spiel nach vorne. Wenn wir im letzten Drittel konsequent sind, wird es für jeden Gegner schwer, gegen uns zu verteidigen.“

Bierhoffs Einblicke

Spätestens am Sonntag um 17 Uhr, wenn im Moskauer Luschniki-
Stadion die erste WM-Partie der Deutschen gegen Mexiko auf dem Plan steht, soll nach Ansicht der Verantwortlichen auch die kontrovers geführte Debatte um Ilkay Gündogan und Mesut Özil ausgestanden sein. „Ich mache mir weniger Sorgen generell um die Mannschaft, sondern eher um die beiden Spieler“, sagte Oliver Bierhoff: „Es beschäftigt Mesut und Ilkay schon sehr.“

Die anhaltende Debatte um die beiden Nationalspieler, die sich Mitte Mai in London mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan trafen und auf Fotos mit ihm posierten, hat sich nach den gnadenlosem Pfeifkonzert gegen Gündogan am Freitag in Leverkusen im Testspiel gegen Saudi-Arabien (2:1) verschärft. Während Gündogan aufrichtig, aber nur wenig überzeugend versucht, seinen Standpunkt darzulegen, schweigt Özil eisern. Von ihm scheint selbst Bierhoff keine Hilfe mehr erwarten zu können. „Ich gehe davon aus, dass er das durchzieht“, sagte der Manager der Bild-Zeitung. Bierhoff ließ durchblicken, dass er sich von Özil eine ähnliche Reaktion wie von Gündogan erhofft habe, der nach den Erdogan-Fotos öffentlich um Verständnis geworben und sich zu den deutschen Werten bekannt hatte.

Gut möglich, dass der Fokus auf die WM und der spezielle Geist von Watutinki das Klima rund um die Mannschaft verbessern. Am Abend, kurz nachdem die Spieler ihre Koffer ausgepackt hatten, riss zumindest der Himmel auf. Die Abendsonne lachte.

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Kilometer südwestlich des Moskauer Stadtzentrums, in Watutinki, ist das Mannschaftshotel der Deutschen
gelegen. Die Fahrt zum Luschniki-
Stadion dauert etwa 45 Minuten.

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