Der WM-Experte Die Entstellung der Nationalspieler hat nicht gestimmt

TV-Kommentator Marcel Reif analysiert  das Aus der  deutschen Elf.
TV-Kommentator Marcel Reif analysiert das Aus der deutschen Elf. © Foto: SWP GRAFIK
Moskau / Marcel Reif 29.06.2018

Das Aus der deutschen Mannschaft hat mich entsetzt. Nach der Partie gegen Mexiko war es keine originelle Erkenntnis, dass die Dinge nicht laufen. Da ging ja schon alles schief, was schief gehen konnte. Die Taktik, die Aufstellung und der Gegner spielte nicht so mit, wie du dir das vorstellst. Das ging richtig den Bach runter. Dann sagst du: Gut, Betriebsunfall, kann jedem passieren. Dann kommt das zweite Spiel und du brauchst ein Wunder, damit du es gewinnst. Und dann spielst du gegen Südkorea, siehst die Aufstellung und denkst: Hm, das hab ich nicht begriffen.

Es wirkte, als ob der Bundestrainer ein kleines Testspiel macht, um zu sehen, ob Özil und Khedira nicht doch in Form sind. Das ging in so einer entscheidenden Partie total daneben. Und Julian Brandt, der neben Reus als Einziger frisch und munter aufspielt, ohne sich einen großen Kopf zu machen, lässt du nicht von Anfang an spielen. Die erste Hälfte gegen Südkorea war blutleer, emotionslos und übervorsichtig. Welches Zeichen willst du damit setzen? Am Ende war es in sich konsequent – und entsetzlich.

Der Kader war stärker als vor vier Jahren, da waren keine Touristen dabei. Am meisten hat mich die Art des Auftritts enttäuscht. Wie viel Prozent gefehlt haben, um das Turnier erfolgreich zu bestreiten. Der größte Fehler war das Ganze als „Mission Titelverteidigung“ zu apostrophieren, „the best never rest“ und das Marketing-Zeugs. Statt einfach zu sagen: Lasst uns hinfahren und einfach ein gutes Turnier spielen. Lasst uns alle Gegner ernst nehmen und es ordentlich runterspielen. Wir sind zwei Klassen besser als Mexiko, zwei Klassen besser als Schweden und mindestens zwei Klassen besser als Südkorea.

Wir müssen es ihnen nur zeigen. Das ist uns nie gelungen, die Einstellung hat nie gestimmt. Es hat ihnen offenbar keiner vermittelt. Viele hatten ihre Probleme, die Özil-Gündogan-Geschichte hat auch keinem geholfen. Als es drauf ankam, war keiner da, der sagte: Komm, ich nehme es in die Hand.

Joachim Löw wird immer einen Kredit haben, weil er Weltmeister ist. Er ist intelligent genug, und er hat es sehr gut gemacht nach dem Desaster, als er sagte: Lasst mich erstmal in Ruhe darüber nachdenken. Klar ist: So wie zuletzt kann er auf keinen Fall weitermachen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel