Nürnberg Der VfB Stuttgart hält seine Fehlerquote gegen den 1. FC Nürnberg niedrig

Frühe Stuttgarter Führung: VfB-Stürmer Vedad Ibisevic (links) spritzt dazwischen, als Marcos Antonios Rückpass zu kurz gerät. Foto: Eibner
Frühe Stuttgarter Führung: VfB-Stürmer Vedad Ibisevic (links) spritzt dazwischen, als Marcos Antonios Rückpass zu kurz gerät. Foto: Eibner
MICHAEL PANZRAM 01.10.2012
Nach dem Hoffenheim-Debakel zweifelten viele Kritiker an der psychischen Stabilität des VfB Stuttgart. Beim 2:0 in Nürnberg hielten die Spieler dem Druck stand, dafür patzte der Gegner entscheidend.

Die bisherige Bundesligasaison des VfB Stuttgart hat genug Anlass gegeben, an der psychischen Stabilität des Teams zu zweifeln: Im ersten Spiel gegen Wolfsburg vergab Vedad Ibisevic kurz vor Schluss per Elfmeter den Sieg und leitete so den Saisonfehlstart ein, in München setzte es trotz Führung eine krachende Niederlage, gegen Düsseldorf war das Selbstvertrauen schon so angeknackst, dass am Ende nur ein 0:0 stand, gegen Hoffenheim reichte ein frühes Gegentor, um die Mannschaft auseinanderfallen zu lassen.

Oft schon also waren die Stuttgarter in dieser Spielzeit Opfer ihrer eigenen Nerven geworden - mit Ausnahme der Aufholjagd in Bremen. Beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg profitierten sie dafür von Patzern des Gegners. Schon nach 24 Sekunden geriet ein Rückpass des "Club"-Innenverteidigers Marcos Antonio zu kurz, Mittelstürmer Ibisevic war zur Stelle und schob zur frühen VfB-Führung ein. Bundesliga-Debütant Antonio leistete sich wenig später noch einen zweiten Aussetzer - und wurde kurz darauf von Trainer Dieter Hecking ausgewechselt. Die Fußball-Bundesliga als reine Nervensache.

Dass dieser Druck vor allem auch an Trainern nicht spurlos vorüber geht, war in Bruno Labbadias Gesicht nach dem ersten Saisonsieg abzulesen. Ohne den Anflug eines Lächelns analysierte der VfB-Coach den glanzlosen Auswärtserfolg, der ihm zunächst einmal wieder etwas Ruhe in der täglichen Arbeit verschaffen dürfte. "Je länger etwas dauert, desto mehr wird es zu einem Problem", sagte Labbadia, an dem die zunehmende Kritik offenbar genagt hat. Nach seinem Statement auf der Pressekonferenz verschwand er zügig im Mannschaftsbus. VfB-Sportdirektor Fredi Bobic - normalerweise ein großer Freund der Abteilung verbale Attacke - ließ sich gleich gar nicht blicken und verzichtete auf einen Kommentar.

Dabei hätten sie problemlos darauf hinweisen können, dass nicht jede Kritik der vergangenen Wochen berechtigt gewesen sei. Denn Labbadia vertraute erstmals in dieser Saison von Beginn an auf einen Nachwuchsspieler. Raphael Holzhauser ersetzte den formschwachen Tamas Hajnal im Mittelfeld, nachdem er schon gegen Hoffenheim eine Hälfte gespielt hatte. Anstatt den 19-Jährigen zu loben, beließ es Labbadia bei einem nüchternen "o.k.", als er auf dessen Leistung angesprochen wurde.

Dabei war Holzhauser ein belebendes Element im Stuttgarter Spielaufbau. Zwar schoss er nach Antonios zweitem Aussetzer freistehend nur ans Außennetz - und übersah den besser postierten Martin Harnik in der Mitte, doch ließ er sich davon nicht entmutigen. "Ich hätte nachlegen können", analysierte Holzhauser nach dem Spiel selbstkritisch. Ansonsten behauptete er viele Bälle, harmonierte gut mit Christian Gentner und traute sich in der zweiten Hälfte sogar einen zweiten Torschuss zu, den Nürnbergs Keeper Raphael Schäfer mit etwas Mühe parierte.

Bei Holzhauser war kein Anflug von Nervosität zu erkennen. Damit war er aber nicht allein in einer Stuttgarter Mannschaft, die es schaffte, in der Abwehr gegen selten druckvolle Nürnberger sicher zu stehen, und die eigene Fehlerquote niedrig zu halten. Wenn die Gastgeber doch einmal durchkamen, war der beständige VfB-Schlussmann Sven Ulreich zur Stelle.

Erst ein weiterer Nürnberger Patzer beseitigte letzte Zweifel am Stuttgarter Sieg: Arthur Boka durfte mit dem Ball das halbe Spielfeld ohne große Gegenwehr überqueren, sein Abspiel leitete Ibisevic an Harnik weiter. Auch der zeigte keine Nerven, vollendete zu seinem dritten Saisontor - und gab danach zu: "Das frühe Tor hat uns keine Sicherheit gegeben, wir waren sehr ängstlich mit dem Ball." Wenig später formulierte er noch einen Satz, der viel über den momentanen Stuttgarter Gemütszustand aussagt: "Wir haben Abstiegskampf gezeigt."

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