SSV Ulm 1846 Fußball Ohne Holger Betz geht es nicht

Holger Betz bleibt auch mit bald 40, was er seit fast 17 Jahren ist: Die Nummer eins im Tor des SSV Ulm 1846 Fußball. Seine Nervenstärke ist in der Rückrunde weiterhin gefragt.
Holger Betz bleibt auch mit bald 40, was er seit fast 17 Jahren ist: Die Nummer eins im Tor des SSV Ulm 1846 Fußball. Seine Nervenstärke ist in der Rückrunde weiterhin gefragt. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Gerold Knehr 10.02.2018
Holger Betz bleibt auch in der Rückrunde die Nummer eins im Tor des Regionalligisten SSV Ulm 1846 Fußball – mit fast 40 Jahren.

„Er läuft. Und läuft. Und läuft.“ So warb einst der Volkswagenkonzern für seinen legendären Käfer. Der hatte zwar, das wissen die Fahrer des deutschen Kultautos, durchaus seine Macken. Wie etwa der gerissene Heizungszug, der entweder für Hitze im Fahrzeuginneren oder aber im Winter für klirrende Kälte sorgte, weil sich die Heizung nicht mehr an- oder abschalten ließ. Aber das Herz des VW-Käfers, der Vierzylinder-Boxermotor, war nicht unterzukriegen. 100.000 Kilometer, 200.000, 300.000 und mehr schnurrte er herunter, ohne auch nur einmal liegenzubleiben.

Was der Käfer für die deutsche Automobilgeschichte ist, ist Holger Betz für den SSV Ulm 1846 Fußball: das Herz der Spatzen.  Er steht. Und steht. Und steht im Tor. Seit 1993, als er vom SV Tiefenbach zu den Spatzen wechselte. 300, 400 Pflichtspiele bestritt er in der ersten Mannschaft seit seinem ersten Profieinsatz 2001, demnächst folgt das 500. In drei Monaten wird der Mann mit der Nummer eins 40 Jahre – und lässt sich nicht aus dem Kasten verdrängen. Auch nicht in den restlichen Rückrundenspielen der laufenden Regionalliga-Saison, die am Sonntag (14 Uhr) im Sinsheimer Dietmar-Hopp-Stadion mit der Begegnung bei 1899 Hoffenheim II fortgesetzt wird.

Ehrgeizig, menschlich, fair

Durch seine ungewöhnliche Vereinstreue schrieb Betz in der Winterpause überregional Schlagzeilen. Die Bild-Zeitung, der Kicker und das Magazin 11 Freunde priesen ihn als Gegenstück zu Fußball-Söldnern wie Pierre-Emmerick Aubameyang oder Ousmane Dembélé, die für mehr Geld Borussia Dortmund verließen und  sich neue Fleischtöpfe aussuchten.

Doch auch an einem Fußball- „Denkmal“ nagt der Zahn der Zeit. In der vergangenen Saison behauptete ein Spieler des 1. FC Saarbrücken, der Betz mit einem flach geschossenen Freistoß überwunden hatte, er habe das Tor genau so geplant, weil er gewusst habe, dass Betz nicht mehr so schnell nach unten kommen würde. Auch in der laufenden Runde unterliefen ihm Fehler. Weshalb Trainer Tobias Flitsch in der Winterpause etwas tat, was es in den letzten eineinhalb Jahrzehnten beim SSV 46 (fast) nie gab: Er rief zum Kampf um die Nummer eins auf.

Drei Kandidaten traten an. 1,97-Meter-Mann Kevin Birk (26), vor eineinhalb Jahren zu den Spatzen gekommen, um Nachfolger des „ewigen Holger“ zu werden. Der in Ulm ausgebildete aserbaidschanische U-21-Nationalspieler Mustafa Özhitay (22), der im Training laut Flitsch „sensationell hält“. Und Betz. Birk sah beim 1:3 im Testspiel gegen Drittligist Großaspach zweimal nicht gut aus, Özhitay kassierte in den Spielen gegen den FV Ravensburg und FC Augsburg II (beide 3:2) jeweils einen haltbaren Gegentreffer. „Ich hätte mir bei Özhitay und Birk den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gewünscht. Den habe ich aber nicht gesehen. Bei Holger Betz wissen wir, was wir haben. Wir kämpfen gegen den Abstieg. Auf die Mannschaft kommt in den nächsten Wochen viel Druck zu. Holger Betz ist so erfahren, dass er ihm standhalten wird“, begründet Flitsch seine Wahl. Als Nummer zwei wird morgen Özhitay in den Kraichgau fahren. Birk, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, muss zu Hause bleiben.

Älter als der Trainer

„Ich kenne niemanden, der in diesem Alter noch so ehrgeizig, dabei aber auch so menschlich und fair ist“, sagt Flitsch über seinen Torhüter, der eineinhalb Jahre älter ist als er. Was die neue Saison betrifft, ist Betz noch am Überlegen, in welcher Funktion er beim SSV 46 Fußball weitermachen will. Möglicherweise bleibt er ein weiteres Jahr im Kasten. Janusz Gora könnte ihm als Beispiel dienen. Der Pole spielte noch mit 41 für die Spatzen. Und lief, und lief  – als Feldspieler!

So wollen sie spielen Live-Ticker

1899 Hoffenheim II – SSV Ulm 46
(Sonntag, 14 Uhr, Sinsheim)

SSV Ulm 1846 Fußball: Betz – Bradara, Reichert, Schindele, Schmidts – Bagceci, Campagna, Sauter (Celiktas), Morina – Rathgeber, Braig.

Live-Ticker
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