Fußball WM-Aus der deutschen Mannschaft: Debakel für den Titelverteidiger

Moskau / Armin Grasmuck 27.06.2018
Drei schwache Spiele sind eines zu viel: Die deutsche Elf lässt auch gegen Südkorea das nötige Tempo, Aggressivität und Durchschlagskraft vermissen und scheidet so früh wie nie zuvor aus.

Selbst in dem Moment seiner schwersten Niederlage hat Joachim Löw noch Manieren gezeigt. Für die größte Blamage in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft übernahm der Bundestrainer vollumfänglich die Verantwortung. „Es ist für uns eine riesige Enttäuschung, wir müssen schauen, dass wir das jetzt annehmen“, sagte Löw nach der beschämenden 0:2-Pleite im Duell mit Südkorea, die das Aus der DFB-Auswahl bereits in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft in Russland bedeutete, und fügte an: „Ich bin geschockt!“ Dieses unerwartet frühzeitige Ende, der brutale Absturz des Titelverteidigers ist von historischem Ausmaß. Erstmals seit der Teilnahme bei einer Fußball-WM vor 84 Jahren ist eine deutsche Mannschaft bereits in der Vorrunde gescheitert. Der Trainer hat sich mit einer ganzen Reihe fragwürdiger Personal- und Strategiewechsel angreifbar gemacht.

Drei schwache Spiele waren eines zu viel. Nach dem desaströsen Auftritt beim 0:1 zum Auftakt gegen Mexiko und der nur wenig besseren Leistung beim 2:1 in letzter Sekunde gegen Schweden zeigte sich die deutsche Elf in dem Aufeinandertreffen mit den Südkoreanern ein weiteres Mal von ihrer schlechtesten Seite: langsam, uninspiriert und umständlich, äußerst pomadig und ohne die notwendige Aggressivität und Durchschlagskraft speziell im Mittelfeld und im Angriff.

Toni Kroos, der vermeintliche Spitzenakteur und Regisseur der Deutschen, den viele Anhänger, aber auch die sogenannten Experten vor wenigen Wochen noch als potenziellen Star der WM betrachtet hatten, steht als Sinnbild für das Desaster. Wie bereits gegen Mexiko und über weite Phasen gegen Schweden tauchte er im entscheidenden Spiel erneut ab. Schwerfällig trabte Kroos über den Platz, er leistete sich wieder haarsträubende Fehler. Seine Pässe und Schüsse verpufften saft- und kraftlos im Nichts.

Es passte dazu, das der ungenügende Spielmacher mit einem weiteren gravierenden Schnitzer in der zweiten Minute der Nachspielzeit das erste Tor der Asiaten durch Kim einleitete. Mittelstürmer Son, der in die völlig entblößte Abwehr der Deutschen stieß, erhöhte vier Minuten später auf 2:0. Ein Sieg, der gegen die über weite Strecken harmlosen Südkoreaner trotz der dürftigen Darbietung im Bereich des Möglichen schien, hätte Löws Mannschaft gereicht, um ins Achtelfinale einzuziehen.

Doch auch andere Stammspieler wie die Weltmeister Thomas Müller, Mesut Özil und Sami Khedira, aber auch der ungewohnt fehlerhafte und fahrige Joshua Kimmich präsentierten sich in Russland in fürchterlicher Form. Warum Löw die schlappen Mittelfeldspieler Özil und Khedira, die für den kapitalen Fehlstart gegen Mexiko standen und von ihm in der Partie gegen Schweden konsequenterweise auf die Ersatzbank verbannt worden waren, in der Partie gegen Südkorea wieder in der Startelf beorderte, konnte keiner nachvollziehen.

Löw setzte seine Rotation  fort, nahm fünf Wechsel vor. Diesmal musste Müller auf die Bank. Leon Goretzka kam für ihn, hatte aber ebenso große Probleme, seine Rolle auf rechts finden. Auch Niklas Süle, der in der Abwehr neben Rückkehrer Mats Hummels den gesperrten Jerome Boateng vertrat, kam zu seinem ersten WM-Spiel. Löws wollte mit diesen Maßnahme offenbar den Konkurrenzkampf schüren. Doch der Schuss ging nach hinten los.

„Das ist jetzt einer der schwersten Momente für die Mannschaft und auch für mich persönlich“, sagte Khedira nach dem Debakel: „Das komplette Team muss die Verantwortung übernehmen, die Führungsspieler als erste. Wir müssen jetzt die Schlüsse ziehen, aber definitiv nicht heute.“

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