Nationalmannschaft Bundestrainer Löw möchte die Affäre Erdogan sportlich lösen

Bundestrainer Joachim Löw.
Bundestrainer Joachim Löw. © Foto: Patrik Stollarz/afp
Moskau / Armin Grasmuck 14.06.2018
Löw geht davon aus, dass die zuletzt scharf kritisierten Spieler Özil und Gündogan in Bestform zum ersten WM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft antreten.

Das richtige Gespür für den Augenblick ist eine der hervorstechenden Eigenschaften des Fußballlehrers Joachim Löw. Er zeigt Härte, wenn es sein muss. Braucht ein Spieler etwas Zuspruch, findet Joachim Löw garantiert die passenden Worte. In seinem ersten Auftritt im Rahmen der Weltmeisterschaft zeigte er ein völlig neues Gesicht. Der Bundestrainer schien konzentriert und angespannt bis in die Fußspitzen. Sein Blick wirkte fest bis bedrohlich. Klar formulierte er seine Worte: „Alles ist auf Sonntag ausgerichtet“, sagte Löw in Watutinki, wo die deutsche Mannschaft ihr WM-Quartier aufgeschlagen hat. Es hörte sich an wie: Wehe, es kommt mir einer in Quere!

Nur noch drei Tage hat er Zeit, seine Spieler in den Wettkampfmodus zu befördern. Einzelschicksale oder leidige Themen wie die Affäre Erdogan, die den  Spielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan zuletzt stark zusetzte, empfindet der Bundestrainer in der Phase als störend. Er kämpft um das von ihm ausgegebene Ziel, den Titel zu verteidigen. „Beide Spieler waren sicher von der Situation beeindruckt und haben gelitten“, sagte Löw. „Ich muss sie so weit in Form bringen, dass sie in den Flow kommen und unserer Mannschaft helfen.“

Anflug der Glückseligkeit

Die russische Luft scheint belebend zu wirken. Im ersten Training agierten Gündogan und Özil wie frisch aufgeladen. Sie gaben sich betont locker. Gündogan rannte viel und setzte Manuel Neuer gleich den ersten Volltreffer in die Maschen. Und Özil, der normalerweise keine Ambitionen auf den Einsatz als Gute-Laune-Onkel hegt, lachte und feixte, damit wirklich jeder den für seine Verhältnisse höchst ungewöhnlichen Anflug der Glückseligkeit vernehmen konnte.

Ich erwarte, dass jeder sich für Deutschland einsetzt, mit allem, was er hat“, versuchte denn auch Reinhard Grindel, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, der neben Löw Platz genommen hatte, zu befehligen. An die Adresse des bislang zur Affäre schweigenden Özil schob er hinterher: „Und wenn er schon in Interviews keine Antwort geben will, dann auf dem Platz. Ich weiß, dass Mesut und Ilkay dazu bereit sind.“ Özil, der sich zuletzt mit Rückenproblemen plagte, ist für die Auftaktpartie am Sonntag im Luschniki-Stadion gegen Mexiko offenbar einsatzbereit.

Die ersten Eindrücke der deutschen Spieler und Verantwortlichen, die rund 40 Kilometer südwestlich der Moskauer Innenstadt untergebracht sind, sind positiv. Zwar versprüht das „Hotel Watutinki Spa Complex“, in dem die sie untergebracht sind, laut dem Bundestrainer „den Charme einer guten Sportschule. Aber wir dürfen keine Energie vergeuden und müssen die Dinge so annehmen, wie sie sind.“

Fast alle Spieler arbeiten nach den langen Wochen im Trainingslager nun gezielt an ihrer Spritzigkeit. Der Mix aus konzentriertem Einsatz und Spaß am Ball wirkt wie ein probates Mittel.

Effenberg fordert Rauswurf

Der frühere Nationalspieler Stefan Effenberg vermisst in der Debatte um Mesut Özil und Ilkay Gündogan eine klare Linie des Deutschen Fußball-
Bundes. „Wenn man auf gewisse Werte setzt, so wie das der DFB immer wieder vermittelt, dann kann die Entscheidung eigentlich nur so ausfallen, dass man die beiden Spieler rauswirft“, sagte der 49-Jährige dem Internetportal t-online.de. dpa

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