Minsk Betonte Zurückhaltung

"Wir wissen, dass wir noch nichts erreicht haben", sagt Philipp Lahm vor dem Spiel gegen Borissow. Was ein Kapitän eben so sagen muss. Foto: Nordphoto
"Wir wissen, dass wir noch nichts erreicht haben", sagt Philipp Lahm vor dem Spiel gegen Borissow. Was ein Kapitän eben so sagen muss. Foto: Nordphoto
DPA 02.10.2012
Siege, Siege, Siege - neun Erfolge in neun Pflichtspielen lautet die Bilanz des FC Bayern, der auf europäischem Neuland den nächsten Dreier will. Und das auch ohne den zu Hause gebliebenen Robben.

Nach der sportlichen Machtdemonstration in der Bundesliga will der FC Bayern auf Europapokal-Neuland den nächsten Spitzenplatz erklimmen. Mit den mahnenden Worten von Sportvorstand Matthias Sammer im Hinterkopf bezogen die Profis des deutschen Fußball-Rekordmeisters gestern konzentriert und entschlossen ihr Quartier im Crown-Plaza-Hotel in Minsk. Von dort aus können sie das auf der anderen Straßenseite gelegene Dynamo-Stadion sehen.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge blickte "neugierig" auf die Premieren-Aufgabe in Weißrussland, Kapitän Philipp Lahm landete am gespenstisch leeren Flughafen mit "Vorfreude auf ein neues Land", der am Wochenende als Warner wirkende Sammer trat seine erste Münchner Champions-League-Reise mit lächelndem Gesicht an. Und bekam einen Tag vor dem Spiel gegen den FC BATE Borissow (heute, 20.45 Uhr) für seine Kritik nach dem Werder-Spiel Lob vom Vorstandschef.

"Matthias hat mir mit seiner Aussage am Wochenende eigentlich sehr gefallen, weil ich glaube, wir würden einen großen Fehler machen, wenn wir uns jetzt von außen einlullen lassen. Dieses permanente Lob, diese permanente Euphorie gefallen mir auch nicht", bekannte Rummenigge. Gefallen findet er aber an den Erfolgen - und die sollen mit einem Sieg im Dynamo-Stadion von Minsk gegen das Team von Ex-Bundesliga-Profi Alexander Hleb fortgesetzt werden. "Wir wären dann Tabellenführer, und das ist auch unser Ziel am Ende der Gruppenphase. Das wäre eine wunderbare Geschichte. Aber Borissow ist ein Gegner, den man nicht unterschätzen darf", sagte Rummenigge.

Betont zurückhaltend nehmen die Münchner ihren Bilderbuch-Saisonauftakt und das Hoch zur Wiesn-Zeit zur Kenntnis. "Wir wissen, dass wir noch nichts erreicht haben. Wir haben einen guten Start gehabt, aber wir wissen, dass wir besser spielen können als jetzt am Wochenende", betonte Kapitän Philipp Lahm. Der Außenverteidiger empfand die Warnung Sammers als "ganz normal". Der Sportvorstand hatte beim Sieg in Bremen einen zu laschen Auftritt angemahnt; die Aktion war nach seinen Worten mit Trainer Jupp Heynckes abgesprochen.

Mit einem Sieg in Minsk würden die Münchner zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte zum Start zehn Pflichtsiege nacheinander auf dem Konto haben, dazu fehlen vor dem Spiel bei dem neuen Gegner in der langen Vereinshistorie nur noch vier Treffer zum insgesamt 500. Bayern-Europapokaltor. "Man sollte erstmal die 90 Minuten spielen, bevor man an irgendwelche Rekorde denkt", riet Heynckes. "Wir sind gut gestartet und wollen auch hier gewinnen."

Arjen Robben blieb wegen seiner muskulären Probleme erwartungsgemäß in München und soll sich mit individuellem Training auf das Spiel gegen Hoffenheim vorbereiten. Wer aus dem selben Kader wie in Bremen aufläuft, wird die Rotation von Heynckes zeigen. "Ich tippe nicht. Die Aufstellung ist exklusive Angelegenheit unseres Trainers", erklärte Rummenigge. "Das Geheimnis der Rotation besteht natürlich darin, dass der Trainer jederzeit in der Lage ist zu reagieren und Dinge auf die positive Bahn schieben kann." Mit dem überraschenden 3:1 in Lille sicherte sich der achtmalige weißrussische Meister den Spitzenplatz in der Gruppe F vor den gegen Valencia mit 2:1 siegreichen Bayern.