Themen in diesem Artikel

VfB Stuttgart
Stuttgart / WOLFGANG SCHEERER  Uhr
Der VfB war in der Bundesliga wieder ziemlich am Ende. Jetzt gilt: Alles auf Anfang. Neuer Trainer, neuer Schwung, neuer Optimismus. Gelingt mit dem Schwaben Alexander Zorniger die Wende zum Besseren?

Nach dem Start am Sonntagabend gegen den 1. FC Köln wird der VfB Stuttgart gleich knallhart mit der jüngeren Vergangenheit konfrontiert: Erst geht es zum HSV mit dem Stuttgarter Ex-Trainer Bruno Labbadia. Dann kommt Eintracht Frankfurt, wo sich Armin Veh erneut versuchen darf, nachdem er beim VfB erneut gescheitert war. Seit Veh im November 2008, etwas über ein Jahr nach dem Gewinn des Meistertitels, gehen musste (beim zweiten Mal warf er selber hin), haben sich acht Trainer an den Stuttgarter Verhältnissen abgearbeitet: Sparzwänge trotz hoher Erwartungen, mangelnde Stabilität in der Klubführung. Der sportliche Teufelskreis soll jetzt unter Präsident Bernd Wahler mit der Fußball-Kompetenz von Sportvorstand Robin Dutt und Alexander Zorniger, dem neunten Chefcoach in sieben Jahren, durchbrochen werden.

Der Beinahe-Abstieg sorgt auch für Demut. Bei aller Zufriedenheit mit der Vorbereitung, dem Weiterkommen im Pokal und wachsender Zuversicht wollen die Verantwortlichen keine zu große Euphorie aufkommen lassen: "Da müssen wir vorsichtig sein, ich bin in Stuttgart aufgewachsen und habe Aufbruchsstimmungen erlebt, die dann sechs Monate später wieder am Boden zerstört waren", sagt der 50-jährige Dutt. "Wir sollten schauen, dass wir anständig Fußball spielen."

Anständiger Fußball. Das ist der Plan, die Philosophie, die der Trainer umsetzen und die die Fans begeistern soll. Der gebürtige Mutlanger Zorniger ist der erste Schwabe auf der Trainerbank seit dem Kurz-Gastspiel Jens Kellers von Oktober bis Dezember 2010. Zornigers Energie und sein Selbstvertrauen jedenfalls scheinen ansteckend. "Er ist sehr authentisch. Er sagt klar, was er will", beschreibt ihn Dutt. "Er hat eine Nähe zu den Spielern und eine klare Ansprache. Der Trainer bringt sich unglaublich ein, so haben wir uns das vorgestellt." Auch die Profis sind optimistisch: "Die Chemie zwischen Trainer und Team stimmt", sagt Verteidiger Florian Klein. Gelingt so die Wende zum Guten?

Dass der VfB Zorniger deshalb so früh als Nachfolger von Huub Stevens im Visier hatte, sorgte für einen kuriosen Fehlstart vor der Saison. Seine bevorstehende Verpflichtung mit einem Drei-Jahres-Vertrag sickerte mitten in der heißen Phase des Abstiegskampfes durch und sorgte für zusätzliche Unruhe. Aufsichtsratsmitglied Hansi Müller plauderte zu viel und bestätigte alles. Da gab es für den Ex-Stürmerstar nur noch die Option Rücktritt.

Was, wenn sich der VfB am letzten Spieltag dann nicht noch mit 2:1 beim - damit abgestiegenen - SC Paderborn gerettet hätte? Abgehakt? Ja. Vergessen? Sicher nicht. Nur ein anderer Traditionsklub vermittelte einen noch chaotischeren Eindruck: der Hamburger SV, der sich erst in der Relegation rettete. Erstklassig war der VfB, was die bemerkenswerte Unterstützung der Fans anging, erstklassig ist er geblieben und kann jetzt damit loslegen, den angekratzten Ruf aufzupolieren. Nach dem kommunikativen Fiasko soll Alexander Zorniger zunächst den in Stuttgart üblich gewordenen verkorksten Saison-Einstieg verhindern und so die Basis für einen "gesicherten Mittelfeldplatz" schaffen. Nicht wieder in Abstiegsgefahr zu geraten, das ist die Maßgabe. Trotz seiner mangelnden Bundesliga-Erfahrung (er war 2009 lediglich kurz Assistent bei Markus Babbel) traut man Zorniger zu, die Aufgabe zu bewältigen.

"Konflikte sparen Zeit", sagt er über sein Selbstverständnis als Trainer. Kompromisslos erfolgreich zu sein war beim VfB bisher nicht einfach. Beginnt jetzt eine neue Phase?