Playoff als Lösung? Konkurrenz verzweifelt an den Weißbier-Bayern

München / Von Arne Richter, Kristina Puck und Klaus Bergmann, dpa 02.09.2018

Leon Goretzka schlüpfte bestens gelaunt in seine erste Krachlederne, Niko Kovac machte im bayerischen Trachten-Outfit ebenfalls eine gute Figur. Lässig prosteten sich die Bayern-Stars mit ihren Weißbiergläsern zu.

Die Botschaft des Münchener Werbetermins zeigte dem Rest der Bundesliga schonungslos die gewohnte Fußball-Realität. Diesen Bayern zieht auch in dieser Saison national keiner die Lederhosen aus. Während der Serienmeister nach zwei Spieltagen mit sechs Punkten und 6:1 Toren auch unter dem neuen Trainer Kovac souverän voranmarschiert, haben alle potenziellen Bayern-Jäger von Dortmund bis Leverkusen schon Zähler eingebüßt.

„Ich habe von Anfang an gesagt, es ist völlig klar, dass Bayern München deutscher Meister wird. Und zwar nicht dieses Jahr, sondern dieses Jahr, nächstes Jahr und übernächstes Jahr“, sagte Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke nach dem 0:3 seines VfB.

Bei Sky brachte der frühere Technische Direktor der Münchner dann ein auch in der vergangenen Saison schon diskutiertes Meister-Playoff als Mittel gegen Langeweile ins Spiel. „Es ist doch nur noch die Frage, ob es am 28., 29. oder 30. Spieltag passiert. Mit einem Playoff kommt wieder ein Spannungsgehalt in die Bundesliga rein“, sagte Reschke.

Die Liga hisst ganz früh die weiße Fahne. Und die Bayern gingen am Sonntag entspannt zur traditionellen Einkleidung für das Oktoberfest. „Wir haben einen guten Start hingelegt. Es ist alles sehr positiv. Es funktioniert alles sehr gut bisher“, sagte Kapitän Manuel Neuer. Fast schon als Drohung schob der Torwart hinterher, man sei natürlich „noch nicht bei 100 Prozent“. Sogar die Münchner hatten vor dem Liga-Start auf mehr Gegenwehr gehofft. „Fußball ist Emotion. Und ich bin über jeden Club glücklich, der uns unter Druck setzt“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf der Sommerreise in die USA. „Wir sind interessiert an einer emotionalen Bundesligaspitze.“

Die Worte von Verteidiger Mats Hummels nach dem glatten Sieg in Stuttgart waren für die Konkurrenz ernüchternd. „Ich hoffe, dass wir das aufrecht behalten über die ganze Saison. Es zeigt sich schon im Training und den Testspielen, dass wir sehr engagiert sind. Es muss nicht immer alles klappen. Aber das Engagement muss immer stimmen. Und das ist immer der Fall.“

Besonders in Leverkusen läuft zum Auftakt fast alles schief. Statt dem Titelverteidiger wie von manchen Experten vermutet, Druck machen zu können, wird bei Null-Punkte-Bayer schon über Konsequenzen für Trainer Heiko Herrlich spekuliert. „Wenn alle zurück sind, sollten wir uns mal zusammen hinsetzen. Denn das hat nichts mit Qualität zu tun, sondern mit der Einstellung und dem Kopf“, wetterte Nationalspieler Jonathan Tah.

Borussia Dortmund hat vier Punkte, Hoffenheim drei und Schalke und Leipzig wurden gleich am ersten Spieltag entzaubert und sind nach zwei Partien noch ohne Sieg. Vize-Meister Schalke startete nach dem 0:2 gegen Hertha BSC am Sonntag sogar mit zwei Niederlagen. Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl brachte das Problem der Jäger auf den Punkt. „Die Bundesliga ist extrem eng, die Dichte ist noch größer geworden“, sagte Eberl nach dem 1:1 seiner Borussia in Augsburg. Unterhalb der Bayern ist die Liga so ausgeglichen, dass sich die Konkurrenten die Zähler permanent gegenseitig wegnehmen.

Die Indizien für mehr Spannung nach der Länderspielpause sind schwach. Die Bayern haben ausreichend Substanz, um auch die Zusatzbelastung Champions League locker zu meistern. Kovac hat schon demonstriert, dass Rotation für ihn ein probates Mittel ist, unabhängig von sensiblen Star-Allüren in seinem Luxus-Kader. Im Gegenteil: Eher werden die anderen deutschen Europacup-Starter in einem heißen Fußball-Herbst beweisen müsse, dass die Ressourcen reichen.

Münchner Schlendrian ist auch nicht zu erwarten, zumal außer Weltmeister Corentin Tolisso und mit Abstrichen James Rodríguez alle Münchner WM-Teilnehmer enttäuscht aus Russland zurückkehrten und sich wieder beweisen wollen. „Heute war das gut von uns. Man darf sich aber nicht zu sicher sein, dass wir durchmarschieren. Es kommen auch schwierige Momente, die gibt es jede Saison. Die muss man dann überstehen. Da muss man seine Topleistung bringen“, sagte Hummels.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel