Die beiden Matchwinner des SC Paderborn traten am Sonntagabend gut 300 Kilometer voneinander entfernt in Aktion und kennen sich nicht einmal.

Der eingewechselte Stürmer Sven Michel schoss in der Nachspielzeit das Tor zum 1:0 (0:0)-Sieg bei Werder Bremen. Der Videoschiedsrichter Tobias Reichel saß währenddessen in dem berühmt-berüchtigten Kölner Keller und überprüfte diese alles entscheidende Szene. Fast alle im Stadion inklusive beider Trainer und des Torschützen selbst hätten ihrem ersten Eindruck zufolge auf Abseits entschieden. Erst Reichel gab nach mehr als zwei Minuten das Signal: Alles korrekt. „Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass das ein Tor ist“, sagte Paderborns Sportchef Martin Przondziono.

Für den Aufsteiger bedeutet das: Er ist zum ersten Mal seit dem 1:2 bei Hertha BSC am 21. September nicht mehr Tabellenletzter. Und er kann seinen Vier-Punkte-Rückstand auf den Relegationsplatz am nächsten Spieltag gegen Union Berlin weiter verkürzen. Nach diesem wichtigen Sieg sprachen die Paderborner über ...

... die Tabelle: „Es ist cool, dass wir nicht mehr das Schlusslicht sind“, sagte Przondziono. „Jetzt müssen wir nächste Woche nachlegen, dann sind wir wieder im Geschäft.“ Die Hoffnung, erklärte der frühere Werder-Spieler, habe man beim Aufsteiger nie verloren. „Das erzähle ich doch jede Woche. Aber jetzt setzt der Lerneffekt ein, dass man in der Bundesliga auch mal anders und cleverer spielen muss.“

... den Videobeweis: Am Sonntagabend profitierte Paderborn vom Eingriff aus Köln. Doch dass beide Mannschaften nach Michels Tor mehr als zwei Minuten auf dem Platz standen und nicht wussten: Steht es jetzt 0:1 oder 0:0 - an so etwas kann sich auch SC-Trainer Steffen Baumgart nur schwer gewöhnen. „Wenn man die Entstehung des Tores sieht, wenn man fast vier Minuten auf dem Platz steht, bis eine Entscheidung fällt, dann ist es irgendwann vorbei mit der Freude“, sagte er. Sportchef Przondziono ist grundsätzlich ein Befürworter der technischen Unterstützung. Aber auch er sagte: „Der Videobeweis hat auch sein Gutes. Die Handhabung ist aber schwer.“

... das Spiel: Ein Reporter aus Paderborn fragte Baumgart nach dem Spiel etwas verdutzt, ob er sich denn gar nicht richtig freue. Und der Aufstiegstrainer antwortete: „Es gibt keinen Grund für Euphorie. Wenn ich auf die Tabelle schaue und dort acht Punkte sehe, dann sind das immer noch nicht viele.“ Baumgarts Argument war: „Wir haben viele Spiele schon besser gemacht. Wir haben heute nicht das gespielt, was wir können.“ Aber auch der 47-Jährige stellte klar: „Das zählt heute nicht. Was zählt, ist der Sieg. Wir freuen uns über die drei Punkte.“

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