Bremen "Motzki" von München

Euphorie ist ihm fremd: Sportvorstand Matthias Sammer hat am Auswärtssieg des FC Bayern in Bremen einiges auszusetzen. Foto: Markus Ulmer
Euphorie ist ihm fremd: Sportvorstand Matthias Sammer hat am Auswärtssieg des FC Bayern in Bremen einiges auszusetzen. Foto: Markus Ulmer
DPA 01.10.2012
Sechs Spiele, sechs Siege - aber Matthias Sammer motzt. Der neue Sportchef des FC Bayern kritisiert nach dem 2:0 in Bremen trotz des Siegeszuges und erfüllt damit genau die ihm zugedachte Aufgabe.

Franck Ribéry stieß auf dem Weg in die Kabine einen markerschütternden Schrei aus. Der Jubel in den Katakomben des Weserstadions klang indes mehr nach Erleichterung als nach Begeisterung. Der sechste Sieg in der sechsten Partie des FC Bayern München war das Ergebnis eines zähen Geduldsspiels, das vor allem Matthias Sammer in der Nachbetrachtung kräftig klagen ließ. "Im Prinzip war es lange Zeit ein richtiger Käse", schimpfte der Sportchef des bayrischen Fußball-Bundesligisten nach dem 2:0 (0:0) bei Werder Bremen. Er meckerte über "so viel Leerlauf" bei den Münchnern, "das muss man schon kritisch anmerken."

Die Bayern setzten ihren Siegeszug nach einer mühevollen ersten Hälfte dank der späten Treffer von Luiz Gustavo (81. Minute) und Mario Mandzukic (83.) zwar fort. Doch Sammer war das nicht genug. Er zeigte, warum er den Spitznamen "Motzki" trägt. "Wir waren nicht so richtig hellwach und nicht so gallig", klagte Sammer mit unaufgeregtem Tonfall: "Was wir bis zum 1:0 gemacht haben, war einfach zu wenig, das muss man ganz klar sagen." Schönreden wollte er trotz der maximalen Punktzahl und der klaren Tabellenführung nichts.

Sammer erfüllte damit seine Rolle als neuer Sportchef beim Dreifach-Vize der Vorsaison. Er versucht mit seinen markigen Worten, frühzeitig den Schlendrian auszutreiben; gerade vor dem vermeintlich leichten Champions-League-Spiel bei BATE Borissow. Die Weißrussen gewannen in ihrer Liga immerhin 5:1 gegen Njoman Hrodna.

Sammer zeigte bei seiner Motzerei mehr Kreativität als die meisten Spieler auf dem Feld und sorgte für mehr Unterhaltungswert als die gesamte Münchner Mannschaft. Angesichts des makellosen 18-Punkte-Kontos sagte er, "müssen wir ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht irgendwann freudetrunken in den Armen liegen." Und man könne "irgendwo in München auf einen Balkon rennen, aber da wird dir keiner was überreichen."

Die meisten Tore aller 18 Teams geschossen, die wenigsten Gegentreffer kassiert, doch Sammer mahnte: "Wir müssen aufwachen." Dafür sorgte er auch mit seiner Nörgelei, dass viele Bayern-Spieler "ihr Potenzial nicht abgerufen" haben. Und er machte sich dabei um die Pflege ungewöhnlicher Wörter verdient und befand: "Wir waren zu lätschern."