Fußball-Bundesliga „Ein brutal wichtiger Dreier“ für den VfB

Bann gebrochen: Verteidiger Benjamin Pavard umarmt Siegtorschütze Anastasios Donis (li.) und Mario Gomez.
Bann gebrochen: Verteidiger Benjamin Pavard umarmt Siegtorschütze Anastasios Donis (li.) und Mario Gomez. © Foto: Eibner
Stuttgart / Wolfgang Scheerer 03.12.2018

Es war kein schönes, kein einfaches Spiel in Stuttgart, aber am Ende einfach das schönste Fußball-Wochenende seit langem. Obwohl es auf der Tribüne größere Lücken gab und die Atmosphäre im Stadion durch die bundesweit organisierten Fan-Proteste (gegen Montagsspiele und mehr) mitunter beklemmend war. Erst kurz vor dem Seitenwechsel setzten diesmal die gewohnt lautstarken Anfeuerungsrufe ein.

Da lag der VfB nach dem mit Abstand besten Spielzug bereits in Führung. Verteidiger Marc-Oliver Kempf eroberte am eigenen Strafraum den Ball, schaltete schnell, und Andreas Beck auf dem rechten Flügel schob schließlich flach in die Mitte, wo Anastasios Donis im ersten Spiel seit zwei Monaten aus 15 Metern einschoss. Nicht unhaltbar für Andreas Luthe, dieser entscheidende Treffer in der 39. Minute.

Direkte Konkurrenz verliert

Auf der anderen Seite war in der immer wieder hektischen Begegnung auf Torhüter Ron-Robert Zieler Verlass. Als alles überstanden war, riss Markus Weinzierl die Arme hoch und verschwand bald lächelnd im Kabinengang. Er wusste da bereits, dass nach Düsseldorf auch Hannover eine Niederlage kassierte hatte. Der VfB feierte beim 1:0 (1:0) den ersten Heimsieg und das erste Heimtor unter dem neuen Trainer – ausgerechnet gegen dessen Ex-Klub. Bis dahin Tabellenletzter, hat Weinzierls Team nun zunächst die Abstiegsplätze verlassen.

„Das war ein brutal wichtiger Dreier. Die Erleichterung ist riesengroß“, sagte Markus Weinzierl offen. „Augsburg zu schlagen, das ist für die Schlussphase vor der Winterpause unheimlich wertvoll.“ Den vor dem Tor weiterhin glücklosen Mario Gomez, in der 74. Spielminute für den Ex-Augsburger Erik Thommy ausgewechselt, hielt es nicht mehr auf der Bank. In Co-Trainermanier stürmte er zur Seitenlinie und trieb die Mannschaft mit an. „Wir wussten alle, wer den größeren Willen hat, gewinnt dieses Derby. Auch wenn es ganz sicher kein Spektakel war, kein Feuerwerk – auch im Spiel nach vorne nicht“, merkte der 33-Jährige selbstkritisch an.

Für den VfB war es der erste Heimerfolg gegen Augsburg nach über sechs Jahren, für Donis die perfekte Rückkehr nach der Pause wegen eines Muskelbündelrisses im Oberschenkel. Beim letzten Heimsieg, dem 2:1 gegen Bremen noch unter Trainer Korkut, hatte der Grieche sein erstes Saisontor erzielt, ebenfalls das 1:0. „Ich bin ein Stürmertyp, der Spiele gewinnen kann“, sagte Donis ohne angeben zu wollen. Denn der 22-Jährige weiß auch: „Weil die Ergebnisse nicht gut waren, als ich verletzt war, haben sie nun an mich gedacht. Wäre alles gut gewesen, hätten sie nicht an mich gedacht.“ Belohnt wurde auch Weinzierls Mut, mit zwei Spitzen und dem gelernten Verteidiger Beck auf dem Flügel zu spielen.

Auf einem Nichtabstiegsplatz zu stehen, fühlt sich ungewohnt gut an. Doch ist an diesem 13. Bundesligaspieltag noch nicht alles in trockenen Tüchern. Erst heute Abend steht die abschließende Partie auf dem Programm: 1. FC Nürnberg gegen Bayer Leverkusen. Dem Club reicht ein Unentschieden, um den VfB auf den Relegationsrang zu verdrängen. Beide wären dann mit elf Zählern punktgleich, aber die Stuttgarter Tordifferenz ist knapp schlechter. Auf Donis, Gomez und Co. wartet jedenfalls noch viel Arbeit.

Erik Thommy versteht die Auswechslung nicht

An der Leistung Erik Thommys lag es nicht. Er hätte fast das 2:0 erzielt. „Es war eine rein taktische Maßnahme, um Zeit zu gewinnen. Er hat sehr gut gespielt“, sagte VfB-Trainer Weinzierl zur Auswechselung des Ex-Augsburgers nach 18 Minuten (90.+2). Thommy reagierte zunächst mit großem Unverständnis, bis Weinzierl ihm seine Aktion zu erklären versuchte.

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