Aalen/Ingolstadt 2. Liga: Aalen sportlich abgestiegen

Schwacher Trost: Trainer Stefan Ruthenbeck (rechts) steigt mit dem VfR Aalen um Dennis Chessa in die 3. Liga ab.
Schwacher Trost: Trainer Stefan Ruthenbeck (rechts) steigt mit dem VfR Aalen um Dennis Chessa in die 3. Liga ab. © Foto: dpa
WINFRIED VOGLER 18.05.2015
FC Ingolstadt erster Aufsteiger, VfR Aalen erster Absteiger. Vor dem letzten Spieltag sind in der 2. Fußball-Bundesliga aber längst noch nicht alle Entscheidungen in Sachen Aufstieg und Ligaverbleib gefallen.

Den dritten Matchball hat der FC Ingolstadt endlich genutzt. Eine Woche vor dem Saisonende sicherten sich die Bayern mit dem 2:1-Erfolg über RB Leipzig die entscheidenden Punkte für den Sprung ins Oberhaus - auf den Tag genau fünf Jahre nach dem Zweitliga-Aufstieg. Nach dem Schlusspfiff brachen alle Dämme, feierten die Schanzer mit ihren Fans ausgelassen ihren ersten Aufstieg in die Fußball-Bundesliga, in der sie als 54. Klub in die Geschichte eingehen. "Das ist der Lohn für die Mannschaft, die den Aufstieg mit Leidenschaft, Laufbereitschaft und exzellenter Einstellung geschafft hat", sagte ein pitschnasser, biergeduschter Trainer Ralph Hasenhüttl. "Unglaublich! Es ist pure Explosion der Gefühle! Die erste Liga - das ist einfach nur geil", krächzte Ingolstadts Kapitän Marvin Matip in die Mikrofone.

Niedergeschlagenheit dagegen auf der Ostalb: Tabellenschlusslicht VfR Aalen ist nach dem 2:4 (1:2) im Nachbarschaftsduell gegen den 1. FC Heidenheim sportlich abgestiegen. Die Mannschaft von Trainer Stefan Ruthenbeck kann nur noch auf die Rettung am Grünen Tisch durch den Einspruch gegen den Punkteabzug wegen Lizenzverstößen hoffen. "Das muss vor unserer letzten Partie in Nürnberg entschieden werden", forderte Ruthenbeck. "Wenn die Punkte nicht zurückkommen, ist das der Abstieg", bekräftigte der sichtlich niedergeschlagene VfR-Coach. Vier Punkte beträgt der Abstand zum Tabellen-17. Aue und fünf zum FSV Frankfurt, der auf den Relegationsplatz abstürzte. "Das war ein Spiegelbild der gesamten Saison", haderte Ruthenbeck mit den vielen vergebenen Torgelegenheiten.

In dem für sie bedeutungslosen Spiel leisteten sich die Gäste aus Heidenheim gegen leidenschaftliche Platzherren zunächst einige individuelle Fehler. Die Aalener Führung durch Oliver Barth (12.) drehte Heidenheim noch vor der Pause per Doppelschlag von Marc Schnatterer (39.) und Florian Niederlechner (44.). Vor 14 500 Zuschauern in der ausverkauften Scholz-Arena erzielte Orhan Ademi drei Minuten nach dem Seitenwechsel mit dem Knie den zwischenzeitlichen Ausgleich. Ein verwandelter Foulelfmeter durch Robert Leipertz (76.) und Niederlechners Saisontor Nummer 15 (86.) besiegelte schließlich die Pleite für Aalen. "In der kommenden Woche müssen wir uns einmal schütteln und dann Normalität reinbringen", verlangt Ruthenbeck jetzt von seinen Spielern.

"Es war von Anfang an klar, dass wir nichts herschenken wollten", sagte FCH-Trainer Frank Schmidt, der hinterher zugeben musste, dass seine Elf "mit Glück in die Halbzeit gegangen ist". Dass der Gäste-Coach auch lange nach dem Schlusspfiff von der Partie noch ganz hin- und hergerissen war, verdeutlichte seine Aussage: "Ich weiß immer noch nicht, ob die bessere oder die schlechtere Mannschaft gewonnen hat."

Vertagt wurden die weiteren Entscheidungen im Abstiegskampf. Neben Aue und Frankfurt zittert der TSV 1860 München auch nach dem 2:1 (0:1) gegen den 1. FC Nürnberg weiter. Der FC St. Pauli feierte ein furioses 5:1 (2:1) gegen den VfL Bochum auf dem Weg zum Klassenverbleib und der SV Sandhausen blickt trotz des 0:2 (0:1) gegen Fortuna Düsseldorf der Rettung entgegen.

An der Spitze darf der Tabellenzweite SV Darmstadt 98 weiter vom Durchmarsch träumen. Das 0:1 (0:0) bei Greuther Fürth bedeutete aber einen Dämpfer für die Hessen und einen Riesenschritt für die Franken zum Liga-Verbleib. Der Karlsruher SC (2:0 gegen Braunschweig) und der 1. FC Kaiserslautern (0:0 gegen Aue) wittern einen Punkt hinter Darmstadt weiter ihre Aufstiegschancen.