2. Liga Wer sagt das Wort mit „A“?

Darmstadt / Von Edgar Deibert 10.02.2019
Der 1. FC Heidenheim hat auch beim 2:1-Sieg in Darmstadt seine Rekordjagd zur Spitze fortgesetzt und ist nun punktgleich mit dem Tabellendritten.

Aufgrund der schwäbischen Bescheidenheit werden die Verantwortlichen des 1. FC Heidenheim öffentlich das Wort Aufstieg natürlich nicht so leichtfertig in den Mund nehmen. Schließlich machte der FCH in der vergangenen Saison erst kurz vor Schluss den Klassenerhalt perfekt. Dafür spricht die Tabelle eine deutliche Sprache: Nach 21 Spieltagen liegen die Heidenheimer auf Rang vier und sind zudem punktgleich mit dem 1. FC Union Berlin, der als Tabellendritter den Aufstiegs-Relegationsplatz belegt.

Zu verdanken hat der FCH diese sehr gute Ausgangslage einem Lauf von zuletzt sieben Ligaspielen ohne Niederlage (fünf Siege und zwei Unentschieden). Damit stellten die Heidenheimer ihren Vereinsrekord aus der Spielzeit 16/17 ein, in der es ebenfalls sieben ungeschlagene Partien gab (vier Siege, drei Remis). Nimmt man nun den DFB-Pokal hinzu, ist der FCH sogar seit acht Spielen ohne Niederlage.

Beim 2:1 in Darmstadt zeigte sich erneut, dass der Heidenheimer Kader eine außergewöhnliche Tiefe hat. So musste Trainer Frank Schmidt aufgrund der Ausfälle von Arne Feick (muskuläre Probleme im Oberschenkel) und Patrick Mainka (krank) im Vergleich zum Pokalsieg gegen Bayer Leverkusen in der sensiblen Vierer-Abwehrkette gleich zwei Änderungen vornehmen. Auch deswegen kam Tobias Reithmeir zu seinem ersten Profieinsatz.

Deutlich stabiler in der Defensive

Der 19-Jährige machte seine Sache in der Innenverteidigung gut, profitierte dabei aber auch von einer sehr starken Vorstellung seines Nebenmanns Timo Beermann. Überhaupt zeigt sich, dass der FCH in der Defensive deutlich stabiler ist als noch in der Vorsaison. Kassierten die Heidenheimer in dieser nach 21 Spieltagen 37 Gegentore, sind es zum selben Zeitpunkt der laufenden Spielzeit 26. Zudem verzichtete Schmidt zunächst wieder auf Marc Schnatterer, dennoch bewies der FCH erneut, dass er sich auch in puncto Spielaufbau weiterentwickelt hat und nicht mehr so stark vom Ausnahmekönnen seines Kapitäns abhängig ist.

Als hätte es die Pokal-Überraschung gegen den Bundesligisten Leverkusen nie gegeben (zur Belohnung gibt's ein Duell mit den Bayern, siehe Seite 18) – so manch ein Team tut sich nach solchen Glanzlichtern schwer sich mental wieder dem „grauen“ Liga-Alltag zu widmen – traten die Heidenheimer auch in Darmstadt von Beginn an forsch auf und bestimmten in der ersten Halbzeit das Spielgeschehen.

Zudem profitierte der FCH von seiner Stärke bei Kontern, die mittlerweile lehrbuchmäßig ablaufen Nach einer eigenen Balleroberung bediente Robert Andrich Robert Glatzel, der den Ball zunächst auf Nikola Dovedan abtropfen ließ. Der Österreicher wiederum schickte den startenden Andrich steil, der in der Nähe der Grundlinie auf Glatzel spielte, der das 1:0 markierte (34. Minute). Allein in der ersten Halbzeit gab der FCH zehn Torschüsse ab (Darmstadt kam auf drei).

Nach dem Seitenwechsel wurden die Gastgeber aber stärker und trafen durch Serdar Dursun, der zu Beginn der Partie FCH-Keeper Kevin Müller unbeabsichtigt ein Veilchen verpasste, die Latte (47.).

Mitten in der Darmstädter Drangphase erzielte aber Heidenheim das zweite Tor. Nach einer starken Vorarbeit von Dovedan wurde Andrich von Victor Pálsson wohl knapp vor dem Strafraum gefoult. Der Schiedsrichter entschied aber auf Strafstoß, den Glatzel sicher verwandelte (59.). Es war der zehnte Saisontreffer des 25-Jährigen. Spannung kam erst kurz vor Schluss auf, nachdem Darmstadts Johannes Wurtz das 1:2 erzielte (84.). Das Tor hätte dabei nicht zählen dürfen, da Vorbereiter Dursun vorher Robert Strauß klar foulte.

Lob vom gegnerischen Trainer

Entsprechend hocherfreut zeigte sich Frank Schmidt nach dem Spiel. „Wir haben von Beginn an ein richtig gutes Auswärtsspiel gezeigt“, sagte der FCH-Coach, der anmerkte: „In der zweiten Halbzeit hätten wir die Konter einen Tick besser ausspielen können, aber man darf nicht vergessen, was für eine Woche wir hinter uns haben, das hat viel Kraft gekostet.“

Sein Gegenüber Dirk Schuster lobte ebenfalls den Auftritt des FCH: „Heidenheim war mit das Beste, was hier in dieser Saison bei uns aufgelaufen ist“, sagte der Darmstädter Trainer.

Allein, vom Wort mit „A“ darf man auf Heidenheimer Seite bislang nur träumen. Es aber nicht aussprechen. Noch nicht.

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