Heidenheim Wie die Sicherheit in der Voith-Arena gewährleistet wird

Wie schnell etwa Kleidung durch bengalisches Feuer in Brand geraten kann, zeigte die Feuerwehr beim Präventionstag des FCH.
Wie schnell etwa Kleidung durch bengalisches Feuer in Brand geraten kann, zeigte die Feuerwehr beim Präventionstag des FCH. © Foto: Sandra Gallbronner
Heidenheim / Sandra Gallbronner 18.10.2018
Um die Sicherheit zu gewährleisten, sind bei Heimspielen des 1. FC Heidenheim viele Akteure beteiligt. Der Verein klärt Zuschauer mitunter über die Folgen von Feuerwerkskörpern auf.

Grüner Rauch zieht vom Gästeblock der Voith-Arena über das Spielfeld. Bengalisches Feuer leuchtet auf. „Wir bitten die Fans der Besuchertribüne das Zünden der Pyrotechnik zu unterlassen“, schallt es aus den Lautsprechern des Stadions. Gemeint sind die Fans des SpVgg Greuther Fürth, die beim Auswärtsspiel ihrer Mannschaft gegen den 1. FC Heidenheim Ende September Pyrotechnik ins Spiel brachten.

Auch wenn es schön aussehen mag, das Anzünden von Feuerwerken, Leuchtfackeln und Rauchtöpfen ist im Fußballstadion verboten – nicht nur in der Voith-Arena, sondern ausnahmslos in jedem deutschen Stadion. Und das aus gutem Grund, sagt Rolf Gauder, Brandmeister der Feuerwehr Mergelstetten: „Pyrotechnik kann schwere Verletzungen hervorrufen.“

Dass sich hinter dieser Aussage nicht nur heiße Luft verbirgt, zeigte die Feuerwehr im Rahmen des Präventionstags „Mit Sicherheit Fußball (er)leben“, der im Vorfeld des Spiels gegen Fürth vor der Voith-Arena stattfand. Eine kurze Berührung mit einem brennenden Bengalo reichte aus, um die Kleidung einer Attrappe in Brand zu setzen. Über 2000 Grad kann die Fackel heiß werden, sodass nicht einmal direkter Kontakt nötig wäre, um sich zu verbrennen.

Bengalos schwer zu löschen

Mit Löschschaum sowie einer Löschdecke, die sie um die Attrappe wickelten, erstickten die Einsatzkräfte die Flammen. „Wenn nur ein Kind gelernt hat, wie schnell ein Trikot brennen kann, haben wir unser Ziel erreicht“, sagt Fabian Strauß, FCH-Fanbeauftragter. Beim brennenden Bengalo halfen jedoch weder Wasser noch Feuerlöscher. Nur mit einem speziellen Löschmittel auf Gel-Basis kann ihm der Garaus gemacht werden.

Beim Präventionstag des FCH sollten die Besucher nicht nur auf Gefahren von Pyrotechnik aufmerksam gemacht werden. So sollte die Arbeit aller Netzwerkpartner, die bei Heimspielen präventiv tätig sind, in den Mittelpunkt gerückt werden. Polizei, Feuerwehr, DRK, Ordnungs- sowie Sicherheitsdienst, das Fanprojekt, die Stadt Heidenheim und der FCH selbst sorgen für die Sicherheit in und um die Voith-Arena. „Es ging darum, in Austausch zu kommen. So konnten sich Fans beispielsweise bei der Polizei informieren“, sagt FCH-Pressesprecher Markus Gamm.

Zusätzlich durften die Besucher einen Blick in die „heiklen Bereiche“, wie Gamm sie bezeichnet, werfen. Gemeint ist damit beispielsweise die Einsatzzentrale der Polizei. Mit insgesamt 13 hochauflösenden Kameras überwachen die Beamten bereits im Vorfeld des Spiels das Geschehen auf der Tribüne und um die Voith-Arena. Hat sich am Eingang eine lange Schlange entwickelt und wie ist die Parkplatzsituation? Denn die Polizei ist auch für die Verkehrsleitung zuständig.

Videoaufzeichnungen als Beweismittel

Die Videoaufzeichnungen werden nach dem Spiel vernichtet. Begeht ein Zuschauer jedoch eine Ordnungswidrigkeit, wird die Sequenz zwei Minuten vor sowie nach der Tat als Beweismittel aufgehoben. Fällt ein Zuschauer extrem negativ auf, transportiert die Polizei ihn ab. Werden die Beamten jedoch vor Ort gebraucht, winkt Störenfrieden ein Besuch in einer der beiden Arrestzellen. Die seien aber so gut wie nie belegt, so Strauß.

Auch die Kollegen der Feuerwehr sind bei Heimspielen des FCH mit einem Fahrzeug vor Ort. Bei einem Brand müsste zusätzlich ein Löschzug angefordert werden, was bisher aber nicht notwendig war. In Heidenheim müssen sich die Einsatzkräfte allerdings immer wieder um brennenden Mülleimer kümmern.

Verletzt wurde bisher niemand, versichert Brandmeister Gauder. Die Feuerwehr musste lediglich Bengalos löschen. Doch auch hierbei bleibe stets ein mulmiges Gefühl: „Man weiß nie, wie die Fans auf uns Einsatzkräfte reagieren.“ Überhaupt fehle ihm jegliches Verständnis für das Zünden von Pyrotechnik.

Warum Pyrotechnik?

Einer, der sich in die Lage dieser Fans hineinversetzen kann, ist Angelo Bianco, Sozialpädagoge im Fanprojekt Heidenheim: „Pyrotechnik hat für die Fans etwas Mystisches und rundet das Stimmungsbild ab.“ Zudem spiele auch die Faszination des Verbotenen eine Rolle. Bianco kann beide Seiten verstehen: „Natürlich ist Pyrotechnik gefährlich, aber solange es kontrolliert abläuft, hat es einen nachvollziehbar schönen Effekt.“

Zudem sind bei jedem Spiel des FCH, ob in der Voith-Arena oder auswärts, szenekundige Beamten (SKB) dabei. Die Polizisten sorgen für den Informationsaustausch zwischen Fans und Polizei, sind somit auch Ansprechpartner der Fans, müssen aber auch Straftäter erkennen. Denn letztlich soll jeder ungestört und ungefährdet das Spiel verfolgen können.

Das Vergehen der Fürther Fans in der Voith-Arena wird derzeit übrigens vom DFB untersucht.

So friedlich sind die Fans des 1. FC Heidenheim

In der Voith-Arena wurde in der vergangenen Saison fünf Mal Pyrotechnik gezündet – davon vier Mal im Gästeblock. Auch auswärts verhielten sich die FCH-Fans meist ruhig, so Angelo Bianco, Pädagoge im Fanprojekt Heidenheim. Manfred Mayer, szenekundiger Beamter vom Polizeipräsidium Ulm, stimmt zu.

Im Vergleich zu den anderen Zweitligavereinen hat der FCH bisher recht geringe Geldstrafen vom DFB verhängt bekommen. In der Saison 2017/18 musste der Verein 10 000 Euro Strafe für Vergehen seiner Fans zahlen. Spitzenreiter in der zweiten Liga war Fortuna Düsseldorf (86 500 Euro), in der ersten Liga der Hamburger SV (235 000 Euro).

Das Abzünden von Pyrotechnik im Stadion kann sowohl als Ordnungswidrigkeit als auch als Straftat gewertet werden. Infolgedessen werden die Vereine der Fans bestraft. Bis zu 600 Euro sind dann fällig. Die Vereine versuchen dies auf die Täter umzulenken, doch diese zu ermitteln, ist trotz Videoüberwachung sehr schwer.

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