Die Antwort war kurz und passend: „Die Effektivität“, antwortete VfB-Sportdirektor Sven Mislintat auf die Frage, was den Stuttgartern denn im Vergleich zu Spitzenreiter Arminia Bielefeld fehle. Damit traf Mislintat den Punkt. Denn Bielefeld hatte sich beim 1:1 im Topspiel am Montagabend in der Mercedes-­Benz-Arena wieder einmal als Meister der konsequenten Chancenverwertung präsentiert.

Eine Stunde lang spielten die Gäste reserviert, wagten sich kaum mal aus der Deckung. Nach dem 0:1-Rückstand aber reagierten die Ostwestfalen wie ein Spitzenteam. Sie waren in der Lage, den Schalter umzulegen, initiativ zu werden, das Kommando zu übernehmen. In dieser Phase erzwang Bielefeld drei Chancen, von denen Cebio Souko eine zum Ausgleich nutzte. Das reichte für den wichtigen Auswärtszähler, mit dem die Ostwestfalen ihren Sechs-Punkte-Vorsprung auf Verfolger Stuttgart halten.

Bielefeld mit breiter Brust in Stuttgart

Die Konkurrenz rechnet offenbar nicht mehr mit einem Bielefelder Leistungseinbruch. Auch wenn Arminen-Coach Uwe Neuhaus nach Abpfiff betonte, es sei längst noch keine Entscheidung im Aufstiegsrennen gefallen. VfB-Sportdirektor Mislintat musste die Bielefelder Stärke anerkennen. Er befand: „Die sind hier wirklich wie ein Spitzenteam aufgetreten – mit einem brutalen Selbstbewusstsein und einer erneut hohen Effektivität.“

Für den VfB geht es angesichts des üppigen Punkterückstands in den verbleibenden neun Spielen wohl eher darum, Platz zwei und damit den direkten Aufstiegsplatz zu verteidigen. Ein Zähler beträgt der Vorsprung vor dem HSV auf Rang drei (Relegationsplatz). Für den VfB stehen nun zwei Auswärtsspiele an – am kommenden Sonntag bei Wehen-Wiesbaden, dann am 21. März bei Holstein Kiel. Ob die besagten Auswärtsspiele wegen der Ausbreitung des Coronavirus vor Publikum stattfinden, war bis zum Dienstagabend unklar.

VfB will nun den HSV auf Abstand halten

Der VfB will dort jeweils dreifach punkten. Der Klub kann aus eigener Kraft Platz zwei erreichen. „Wenn die Bielefelder ihre Hausaufgaben erledigen, werden sie Meister. Wenn wir unsere Ausgaben erledigen, werden wir Zweiter und steigen direkt auf“, sagte Mislintat, dem durchaus der Frust darüber anzumerken war, dass sein VfB die 1:0-Führung gegen die Arminia nicht ins Ziel gebracht hatte.

Das Remis ging in Ordnung. Da waren sich die Trainer Uwe Neuhaus und Pellegrino Matarazzo einig. Stuttgarts Mittelfeldspieler Gonzalo Castro, der eine Riesenchance vergab, will sich nun vor allem auf den HSV konzentrieren. Er sagte: „So wie Bielefeld die ganze Saison auftritt, wird es schwer, die einzuholen. Wir müssen versuchen, in der Tabelle weiter weg von Hamburg zu kommen.“