Der fahrlässige Umgang mit Torchancen hat dem VfB Stuttgart die nächste Niederlage eingebrockt. Das 0:1 (0:1) beim Aufsteiger VfL Osnabrück am Samstag war bereits die vierte aus den vergangenen fünf Spielen in der 2. Fußball-Bundesliga. „Wir haben im Moment, was das angeht, die Seuche am Fuß. Da müssen wir raus, da müssen wir uns von frei schießen. Das ist die Erklärung des Spiels: Dass wir unsere Torchancen nicht nutzen“, sagte Sportdirektor Sven Mislintat vor der Heimreise nach Stuttgart.

Durch das Remis des Hamburger SV gegen Kiel hat der Bundesliga-Absteiger als Dritter nun drei Punkte Rückstand auf Rang eins. Marcos Alvarez traf am Samstag vor 15.801 Zuschauern bereits in der 4. Minute zur Führung für Osnabrück, das zuvor sechs Partien lang nicht mehr gewonnen hatte und durch die drei Punkte von Rang 15 auf Platz neun der Tabelle klettern konnte. „Sehr, sehr ärgerlich“, sagte Torwart Gregor Kobel. „Man darf auch nicht immer nur den vergebenen Torchancen die Schuld geben. Das ist sicher ein Teil. Aber wir müssen noch mehr Gas geben, mit noch mehr Überzeugung kommen.“

VfB Stuttgart fängt sich frühes Gegentor ein

Das frühe Gegentor konnte auch Rückkehrer Holger Badstuber nicht verhindern. Nach seinen zwei Spielen Sperre war der Innenverteidiger wieder in die Viererkette gerückt, war aber wie alle anderen zu weit weg von den Osnabrücker Angreifern. Niklas Schmidt konnte so ohne jede Störung eine Flanke per Kopf ablegen, den Schuss von Alvarez fälschte Marc Oliver Kempf noch etwas ab - wie beim 1:2 gegen Wehen Wiesbaden lag der VfB gegen einen Aufsteiger schon sehr früh hinten.

Der große Favorit hatte danach zwar deutlich mehr Ballbesitz, spielte viel mehr Pässe und hatte eine ordentliche Passquote von um die 90 Prozent - entscheidende Zuspiele aber blieben viel zu oft beim Gegner aus Osnabrück hängen. Weder über Philipp Förster noch über den zur Pause ausgewechselten Philipp Klement konnte der VfB dauerhaft Druck aufbauen und seiner Rolle gerecht werden. Die wenigen Chancen durch Fernschüsse von Klement (18.) und Santiago Ascacíbar (29.) waren Zufallsprodukte. Die beste Gelegenheit zum Ausgleich vor der Halbzeit vergab Nicólas González, der frei vor VfL-Torwart Phillip Kühn auftauchte, mit seinem Versuch aufs kurze Eck aber scheiterte (42.).

VfB Stuttgart in der zweiten Halbzeit stärker

Trainer Tim Walter brachte zur Pause erst Silas Wamangituka für Klement und nach einer Stunde auch noch Hamadi Al Ghaddioui für den erneut nicht überzeugenden Atakan Karazor. Nach der Hereinnahme von Al Ghaddioui schaffte es Stuttgart dann zum ersten Mal, gegen den Liga-Neuling wie ein Aufstiegsfavorit zu wirken.

Die zweitstärkste Defensive der Liga musste gegen den VfB nun Schwerstarbeit verrichten - und hatte in Torwart Kühn einen starken Rückhalt, der auch den Kopfball von Badstuber (64.) oder den Versuch von González (70.) parierte. Doch all die Überlegenheit und am Ende vier Stürmer auf den Platz reichten den Schwaben nicht, um den Ausgleich zu erzielen. Das Derby gegen den Karlsruher SC nach der Länderspielpause hat nun noch mehr Brisanz.