Heidenheim / Nadine Rau In der Partie gegen den 1. FC Köln haben sich die Heidenheimer die Zähne an abgeklärten Rheinländern ausgebissen und mit 0:2 verloren.

Bereits nach der ersten Hälfte war alles klar: Im Duell des 1. FC Heidenheim gegen den 1. FC Köln blieben die Hausherren nicht nur tor-, sondern auch glücklos und mussten sich zum Abschluss der englischen Woche mit 0:2 geschlagen geben. Für die Rheinländer indes war es der sechste Sieg in Folge und nur ein weiterer Schritt in Richtung Wiederaufstieg in die Bundesliga. Schlecht präsentiert haben sich die Heidenheimer zwar ein weiteres Mal nicht, doch vor dem Tor war die Geißbock-Elf um Trainer Markus Anfang schlicht effektiver.

Im Vergleich zur Startelf gegen den FC Bayern München am Mittwoch spielte statt Norman Theuerkauf Arne Feick linksaußen – Theuerkauf fehlte gelb-rot gesperrt. Auf Kölner Seite schenkte Trainer Anfang neben Jhon Córdoba zunächst Stürmer Anthony Modeste statt zuletzt Simon Terodde das Vertrauen.

Es hätte ein Torspektakel geben können, angesichts der Toptorjäger in der Gästemannschaft und dem Tor-Elan, den auch die Heidenheimer noch unter der Woche an den Tag gelegt hatten. Letztlich blieb es trotz vieler Torschüsse auf beiden Seiten – für Heidenheim waren es 14, für Köln sogar 17 – ein nüchternes 0:2, weil die Rheinländer nicht mehr machten, als sie mussten, und dem 1. FC Heidenheim neben dem berühmten Quäntchen Glück auch die Entschlossenheit und Präzision im Abschluss gefehlt hat.

Vielversprechende Anfangsminuten

Dabei sahen die ersten Minuten der Partie für die Gastgeber vielversprechend aus. Heidenheim attackierte früh, nach nur drei Minuten war Kapitän Marc Schnatterer nach einem Zuspiel von Nikola Dovedan zur Stelle und zog ab, aber Torwart Timo Horn, der in der Anfangsphase nicht selten von den Heidenheimern geprüft wurde, parierte. Nach der Ecke von Schnatterer klärte Stürmer Anthony Modeste per Kopf, überhaupt blieben die Standards (7:3 Eckbälle für den FCH) meist ungefährlich. Wenig später versuchte es auch der starke Marnon Busch mit einem Schuss von rechts aus der Distanz, das Leder ging aber drüber.

Auf der Gegenseite entschärfte Patrick Mainka glänzend einen drohenden Angriff von Jhon Córdoba, doch kurz drauf und beim ersten nennenswerten Angriff der Gäste reagierte kein Heidenheimer mehr: Nach zehn Minuten fiel das 1:0 für den Tabellenführer. Rafael Czichos hatte erst mit einem Pass auf Córdoba die Seite auf rechts gewechselt, Córdoba spielte zurück auf Christian Clemens, der Dominick Drexler bediente. Letzterer musste nur noch einköpfen. Verdient war der Rückstand für die Heidenheimer keinesfalls, das Tor fiel aus heiterem Himmel. So ärgerlich es auch war, Heidenheim berappelte sich schnell wieder, verzeichnete wenig später mit einem Schuss von Robert Andrich aus rund 20 Metern die nächste Chance. Ein weiteres Mal sah Andrich Feick in der Mitte und brachte die Kugel perfekt zu ihm, Feick schoss nur leider über den Ball.

Abseitstor von Glatzel

Dann eben anders: Busch spielte das Leder nach gut 20 Minuten aus der eigenen Hälfte heraus schön auf Glatzel in die Spitze, der hätte seinen 13. Ligatreffer und damit den Ausgleich markieren können – wäre nicht die Fahne oben gewesen. Sehr ärgerlich: Glatzel stand gar nicht im Abseits.

Und wieder ließen sich die Hausherren nicht beirren, rannten weiter gegen die Rheinländer an, wo sie nur konnten. Gleichzeitig schalteten sich die Gäste auch mehr und mehr ins Spiel ein, wodurch es auf beiden Seiten zu gefährlichen Szenen kam. Schnatterer versuchte es mit einem Pass in die Spitze auf Dovedan, doch der Gegner war schneller dran. Im direkten Gegenzug hätte Córdoba wohl im Eins-gegen-eins-Duell mit Kevin Müller den zweiten Treffer erzielen können, wäre er nicht auf dem Rasen weggerutscht. Kurzes Aufatmen also bei den FCH-Fans, doch lange hielt die Freude nicht an. Denn Córdoba traf kurz vor der Halbzeit eben doch noch (sein mittlerweile 14. Treffer).

Köln effizient

Machtlos waren sie da, die Heidenheimer, die Kölner haben sich das zweite Tor ohne große Schnörkel direkt und präzise herausgespielt. Wieder war es Drexler, der eine Flanke von links perfekt auf seinen Mitspieler brachte, der aus wenigen Metern nur noch den Kopf hinhalten musste. Dem Spielverlauf entsprach der 2:0-Halbzeitstand keineswegs, doch die Heidenheimer Elf hat es bis dahin verpasst, sich selbst für den hohen Aufwand zu belohnen.

Nicht anders ging es nach der Pause weiter. Die Heidenheimer gaben auch nach dem beinahe erzielten dritten Tor durch Modeste nicht auf und drängten auf den Ausgleich. Allerdings war die Anstrengung der vergangenen Tage langsam doch zu spüren. Kein Wunder, die Fahrt bis nach Magdeburg, die Fahrt nach München, zweimal Kampf bis in die letzten Knochen.

So versuchte es Frank Schmidt mit einem Doppelwechsel, brachte für Marc Schnatterer und Nikola Dovedan Maximilian Thiel und Maurice Multhaup. Beide tummelten sich auch sofort im Strafraum, brachten aber keine Torgefahr. Andrich versuchte es bei seinem Freistoß direkt, blieb aber erfolglos, auch Thiel wagte es aus der Distanz, schoss das Leder jedoch drüber. Der Tabellenführer indes reduzierte sein Spiel aufs Verwalten des Ergebnisses und machte sich nicht mehr Mühe, als nötig. So flachte die Partie mehr und mehr ab und lediglich Müller war noch einmal gefordert, als er in der 79. Minute den dritten Gegentreffer durch Jonas Hector mit seinem rechten Fuß noch verhindern konnte.

„Gegen Top-Mannschaft verloren“

Frank Schmidt machte seiner Truppe nach der Niederlage keinen Vorwurf. „Wir haben gegen eine Top-Mannschaft verloren, die einfach Selbstvertrauen hat und wo auf allen Seiten Qualität da ist“, zollte er dem Gegner Respekt. Trotzdem habe seine Mannschaft „richtig gestrampelt und alles gegeben“, sei, so glaubt er, „acht Kilometer mehr gelaufen als der Gegner“. Einziger Haken: „Richtig torgefährlich sind wir dann doch nicht geworden.“ Dazu kommt das Abseits, das keines war. „Wenn die spielentscheidenden Szenen gegen uns laufen, dann können wir einfach nicht in jedem Spiel das Ergebnis drehen“, so Schmidt, der seinen Blick bereits auf die nächste Aufgabe am Freitagabend gegen Erzgebirge Aue gerichtet hat.

Durch die Niederlage ist seine Elf auf Platz sieben der Tabelle abgerutscht, hat fünf Punkte Abstand zu Union Berlin auf dem Relegationsplatz. Was die Kölner angeht, bleibt abzuwarten, ob es das erste und einzige Gastspiel auf dem Schlossberg gewesen sein soll – nächste Saison zumindest wird die Truppe hier nicht aufschlagen.