Heidenheim Skarke rettet dem FCH die Saison-Abschlussfeier

Heidenheim / Thomas Grüninger 13.05.2018
Das leistungsgerechte 1:1 der Heidenheimer gegen die SpVgg Greuther Fürth reicht am Ende beiden Mannschaften zum Klassenerhalt in der zweiten Bundesliga.

Als alles vorbei war, öffnete der Himmel seine Schleusen. Es war die unpassende Wetterkulisse eines denkwürdigen Saisonfinales, indem es zwar aufgrund des Unentschiedens keinen Sieger gab – aber am Ende trotzdem nur Sieger auf dem Rasen standen. Und so schien über den Fußballern des 1. FC Heidenheim und der SpVgg Greuther Fürth die Sonne, obwohl der Himmel weinte.

Spieler, Trainer und Offizielle – sie alle brauchten eine Weile, ehe sich die verkrampften Gesichter allmählich entspannten und die Freude darüber zum Ausdruck kam, dass man auch noch 2018/19 der 2. Liga angehören wird, die mit dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln noch attraktiver denn je daherkommen wird.

„So etwas hinterlässt Spuren“, sagte Damir Buric, der Trainer einer Mannschaft, die als Tabellenvorletzter nach Heidenheim reiste und den Kopf noch aus der Schlinge bekam. FCH-Coach Frank Schmidt sprach vom Ende eine einer „ganz verrückten Saison“, und listete dann auf, wie die 90 Minuten auf dem Rasen eine ganze Spielzeit widerspiegelten.

Passiver Spielbeginn, Chancen vergeben

Zu passiv war dem Trainer der Spielbeginn (analog zum Saisonstart), dann folgte eine gute Phase (analog zur zweiten Etappe der Vorrunde). Weil aber die Effektivität fehlte und Marcel Titsch-Rivero in der 38. Minute eine hundertprozentige Chance vergab, brachte man sich zunächst um den Lohn der Ernte. Auch diese Erkenntnis durchzog 2017/18 wie ein roter Faden.

Dann kam der Gegner bei seiner ersten Chance im zweiten Abschnitt zum Führungstreffer, weil Julian Green mehr oder weniger ungestört abziehen durfte – und man fühlte sich an manchen Defensivpatzer erinnert. Schließlich aber zeigte der FCH auch sein ganz anderes Gesicht, warf alles in die Waagschale, gab Gas, als geht's ums Überleben – und schafft durch Joker Tim Skarke in der 89. Minute noch den fraglos verdienten Ausgleichstreffer. Wie gesagt: Alles schon mal dagewesen.

Frank Schmidt würdigte am Ende den „absoluten Willen“, die „unglaubliche Mentalität“ seiner Mannschaft – und erwähnte, wie wichtig es gewesen sei, sich nicht mit einer Niederlage zu verabschieden. Mehr Tiefen als Höhen hätte diese Saison den Heidenheimern beschert. Doch ziehe er den Hut, „wie alle im Verein die Situation angenommen haben.“

Den 16. Platz galt es zu vermeiden

Am letzten Spieltag stand der FCH zu keiner Sekunde auf jenem 16. Platz, den es unbedingt zu vermeiden galt – auch nicht, als er lange Zeit einem 0:1 hinterherlaufen musste. Das lag vor allem am Braunschweiger 2:6-Desaster in Kiel, das dem deutschen Meister von 1967, der vor einem Jahr noch die Aufstiegs-Relegation gegen Wolfsburg bestritt, den bitteren Abstieg in die Drittklassigkeit bescherte. Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald dankte Mannschaften wie Kiel und Union Berlin (1:0-Sieger in Dresden), das sie sich nochmals voll ins Zeug legten, obwohl für sie die Saison schon gelaufen war.

Am Ende also wurde doch noch gefeiert in Heidenheim. „Die Mannschaft hat Charakter gezeigt“, sagte Frank Schmidt. Urlaub statt nervenaufreibende Abstiegsrelegation, hieß es nach erfolgreich absolviertem Tagwerk. Aber Schmidt wäre nicht Schmidt, wenn er sich vom Augenblick gefangen nehmen ließe: „Ich freue mich aufs fünfte Jahr 2. Liga“, „aber wir wollen das Erreichte nicht verwalten, wir wollen wieder einen Schritt nach vorne machen.“ Aus der neuen Erfahrung von 2017/18 müsse man lernen. Worte, die bei aller Freude, auch Holger Sanwald teilte. Die Saison ist zu Ende, nicht aber die Arbeit für die FCH-Macher.

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