Heidenheim DFB-Pokal: Schnatterer würde es mit den Bayern aufnehmen

Heidenheim / Nadine Rau und Thomas Jentscher 01.11.2018
Der Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals ist geschafft, jetzt hätte Kapitän Marc Schnatterer nichts gegen das Traumlos schlechthin einzuwenden. Auf dem Platz läuft es derzeit rund – vielleicht klappt auch das.

Ein 3:0 gegen Magdeburg, ein Unentschieden gegen den Tabellenführer Köln, jetzt die zweite Runde des DFB-Pokals locker überstanden: Es läuft beim 1. FC Heidenheim. Nach elf Spieltagen steht die Mannschaft von Frank Schmidt mit 16 Punkten auf Tabellenplatz acht, vergangenes Jahr um diese Zeit war es genau umgekehrt: Statt 16 Punkten war es der 16. Platz – und gerade einmal acht Zähler waren auf dem Konto.

Kapitän Marc Schnatterer fühlt sich daher momentan viel wohler: „Es geht mir heute besser als letztes Jahr zur gleichen Zeit. Ich kann entspannter aufs Sofa sitzen und nachts besser schlafen als noch vor einem Jahr, als man sich Gedanken darüber gemacht hat, wann man endlich wieder ein Spiel gewinnt.“

In den vergangenen Wochen hat der FCH in der heimischen Voith-Arena drei Ligaspiele gewonnen, obendrein am Dienstagabend das DFB-Pokal-Spiel gegen den Zweitliga-Konkurrenten SV Sandhausen.

Wer den Heidenheimern in der nächsten Runde (gespielt wird am 5. und 6. Februar) begegnen wird, entscheidet sich am Sonntagabend ab 18 Uhr bei der Auslosung durch den Blindenfußballer Serdal Celebi vom 1. FC St. Pauli.

Ein bisschen träumen ist aber schon vorher erlaubt. Marc Schnatterer wünscht sich für die Partie unter der Woche, dass sie wieder in Heidenheim stattfindet. Und der Wunschgegner? „Jetzt darf Bayern ruhig mal kommen“, lautete seine Antwort am Dienstagabend. Gefühlt habe man bereits gegen alle anderen gespielt, jetzt wären die Bayern mal an der Reihe. Borussia Dortmund allerdings fände er auch cool und gegen ein Spiel auf Schalke hätte Heidenheims Mannschaftskapitän auch nichts einzuwenden.

In der Vergangenheit traf der FCH tatsächlich schon auf namhafte Gegner, darunter Hertha BSC, Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt – und immer wieder VfL Wolfsburg.

Torschütze Nikola Dovedan ist es egal, wer dem FCH zugelost wird. „Wir freuen uns auf jeden Gegner. Der DFB-Pokal ist ein geiler Wettbewerb, mal sehen, wie weit es geht“, so der Österreicher, der momentan in Topform ist. Als Stürmer läuft er viel, wird bislang aber nicht müde. „Wir sind alle topfit. Und auch auf der Bank haben wir noch Spieler, die brennen. Das sind gute Voraussetzungen“, blickt der 24-Jährige optimistisch auf die nächsten Wochen.

Ein stabiles Mannschaftsgefüge

Dass es in der vergangenen Saison nicht genauso funktioniert hat, begründet Dovedan mit dem schlechten Start. „Das war reine Kopfsache. War waren auch vergangene Saison eine gute Mannschaft, hatten aber kein Selbstvertrauen.“

Bei allem Optimismus warnt Schnatterer davor, sich von den jüngsten Ergebnissen blenden zu lassen. „Wir müssen immer an die Grenze gehen, um die Spiele für uns zu entscheiden. Und heute waren es keine hundert Prozent“, so der 32-Jährige zum Pokalspiel. Doch auch er sagt überzeugt: „Als Mannschaft sind wir gefestigt.“

Trainer Frank Schmidt sieht das genauso: „Das passiert uns kein zweites Mal, dass das Individuelle eine größer Rolle spielt als die Mannschaft.“

Gut in diese Mannschaft eingebunden sind mittlerweile auch die Neuzugänge. Niklas Dorsch etwa, der beim Pokalspiel geglänzt hat. „Es hängt viel mit ihm zusammen, dass wir in Drucksituationen nicht planlos nach vorne agieren, sondern spielerische Lösungen suchen“, so Schmidt. Ebenfalls eingeschlagen hat Patrick Mainka aus der Regionalliga. „Ich freue mich über jede Minute und darüber, dass der Trainer mir vertraut. Das macht einfach Spaß hier“, ist der 23-Jährige zufrieden.

So zufrieden wie die Akteure zeigt sich auch der Vorstandsvorsitzende Holger Sanwald: „16 Punkte nach elf Spieltagen sind eine gute Zwischenbilanz. Nach der schwierigen vergangenen Saison haben wir uns kritisch hinterfragt und Veränderungen im Kader vorgenommen. Unser Ziel ist und bleibt der komfortable Klassenerhalt. Der größte Fehler wäre es jedoch, egal in welchem Bereich, nur einen Millimeter nachzulassen“, erklärt er.

Das Erreichen der dritten Pokalrunde beschert dem FCH auch Einnahmen (664 000 Euro). „Neben dem dem sportlichen Renommee, wieder zu den besten 16 Mannschaften zu gehören, besitzt der DFB-Pokal für einen noch jungen Profiverein wie unseren immer auch seinen finanziellen Reiz“, sagt Sanwald, der fürs Achtelfinale keinen Wunschgegner hat.

Angesichts der aktuellen Leistungen sind in der Winterpause keine großen Veränderungen im Kader zu erwarten. Sanwald erklärt dazu: „Dass Spieler, die weniger zum Einsatz gekommen sind, noch Wechselwünsche äußern, ist nicht auszuschließen. Das ist bis dato aber nicht der Fall gewesen.“

Auf der anderen Seite weiß der Vorstandsvorsitzende, dass die Konkurrenz nicht schläft, sich zuletzt einige Akteure in den Fokus gespielt haben. Sanwald: „Da fast alle unserer Leistungsträger langfristige Verträge bei uns haben, macht mir das keine Sorgen.“

Rückblick: Die Heidenheimer Fußballer im DFB-Pokal

Ein Video von der Pressekonferenz nach dem Sieg

Nur 4300 Zuschauer im Stadion – ärgerlich für die Spieler auf dem Platz?

50 000 Zuschauer – vor einer solchen Kulisse haben die Heidenheimer erst vergangene Woche gegen Köln gespielt. In der Voith-Arena sind es zumindest im Schnitt um die 11 000.

Beim DFB-Pokal-Spiel gegen den SV Sandhausen hingegen fanden gerade einmal 4300 Fußballfans den Weg ins Stadion. Waren die Spieler deshalb enttäuscht?

Marc Schnatterer sah es recht gelassen: „Ich muss ehrlich sagen, enttäuscht bin ich nicht. Das Spiel Heidenheim – Sandhausen ist jetzt vielleicht nicht so krass wie andere Spiele, das muss man verstehen. Dazu kommt die Anstoßzeit – ich müsste auch schon seit einer halben Stunde im Bett sein. Da kann man es verstehen, dass die Kids mit ihrer Family lieber daheim sind. Es ist schade, aber auch nachvollziehbar.“

Auch Nikola Dovedan hatte Verständnis: „Man kann es den Fans nicht übel nehmen. Um 20.45 Uhr war erst Anpfiff und viele arbeiten morgen. Wenn es in die Verlängerung geht, wären sie bis zwölf da – und müssen am nächsten Morgen um sieben Uhr aufstehen. Wir sind dankbar für die, die gekommen sind, und vielleicht sind in der nächsten Runde mehr Zuschauer da.“

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