Heidenheim Schmidt: „Wir haben die Schnauze voll von der Vorbereitung“

© Foto: Eibner
Heidenheim / Thomas Grüninger 04.08.2018
Mit einem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld startet der 1. FC Heidenheim am Sonntag (15.30 Uhr) in seine fünfte Zweitliga-Saison.

Selbstverständlichkeiten, so betonte Frank Schmidt in den vergangenen Tagen immer wieder, gebe es nicht. Gerade die vergangene Saison – fraglos die bisher schwierigste in der 2. Liga – hat gezeigt, dass die jahrelange Aufwärtsentwicklung der Heidenheimer Fußballer keine Automatismen beinhaltet.

Das Zweitliga-Existenzrecht muss vielmehr jährlich hart erarbeitet werden. Nach sechseinhalb Wochen Vorbereitung geht der Trainer mit seinem Team „achtsam, aber selbstbewusst“ ins erste Spiel am morgigen Sonntag gegen Arminia Bielefeld (15.30 Uhr, Voith-Arena).

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten vor dem Neustart:

Was war der Schwerpunkt der Vorbereitung?

Angesichts des Rekordwertes von 56 Gegentoren in der vergangenen Saison stand das taktische Abwehrverhalten im Fokus. Man habe versucht, Automatismen im Abwehrverhalten zu entwickeln und diesbezüglich viel mit Positionsgruppen gearbeitet, sagt Schmidt.

Wie stabil ist die Abwehr?

Die vergangenen vier Vorbereitungsspiele gegen internationale Kontrahenten endeten allesamt zu Null. Schmidt: „Mit den letzten Tests kann ich absolut zufrieden sein. Aber wir müssen das jetzt auch in der Liga auf den Rasen bringen.“

Wie ist die Stimmung?

Die sechseinhalb Wochen Saisonvorbereitung haben laut Schmidt „unheimlich Spaß gemacht und waren für Spieler und Trainer auch sehr kurzweilig.“ Jetzt aber brenne man auf den Neustart: „Um es deutlich zu sagen: Wir haben die Schnauze voll von der Vorbereitung, wollen endlich in den Wettkampf und uns mit unseren Gegnern messen.“

Wie ist der Gegner zu erwarten?

„Wir haben Arminia Bielefeld in den letzten Testspielen beobachtet und vieles erkannt, was die Mannschaft schon im Vorjahr auszeichnete“, sagte Schmidt. Bielefeld stellte 2017/18 die laufstärkste Mannschaft der Liga, das Team agiere sehr kompakt und könne gut umschalten. Als stark bezeichnete Schmidt vor allem die linke Seite, zudem dürfe man die Stürmer Fabian Klos und Andreas Voglsammer „nicht aus den Augen lassen“. Schmidt: „Klar ist aber auch: Wir spielen auf drei Punkte.“

Wie fällt die bisherige Bilanz aus?

In sechs Aufeinandertreffen gab es je einen Sieg für den FCH und die Arminia sowie vier Unentschieden (9:9 Tore). Das letzte Duell in der Voith-Arena ärgert den Heidenheimer Trainer noch heute. „Wir machten ein richtig gutes Spiel, hatten den Gegner komplett im Griff, führten 2:0 und haben trotzdem nicht gewonnen“, erinnert sich Schmidt. Ausgerechnet Ex-FCHler Andreas Voglsammer traf in der Nachspielzeit noch zum 2:2 für die Ostwestfalen.

Wie wirkt sich die Hitze aus?

Für Schmidt stellen die augenblicklichen hohen Temperaturen „kein großes Thema“ dar: „Wir nehmen es wie es ist. Seit Tagen trainieren wir bei diesen Temperaturen, und am Sonntag gelten für beide Mannschaften die gleichen Bedingungen.“ Man wolle sich jedenfalls nicht schon im voraus ein Alibi zurechtlegen. „Wir müssen mit der Hitze klarkommen wie alle anderen Menschen auch.“

Sind Trinkpausen geplant?

Das entscheide am Ende der Schiedsrichter, sagt Schmidt: „Das ist kein Wunschkonzert, bei dem man sagen kann, wann man gerne eine Auszeit hätte.“

Wie stark ist die Liga?

Mit den prominenten Bundesliga-Absteigern Hamburger SV und 1. FC Köln habe die Spielklasse nochmals deutlich an Attraktivität gewonnen. Neben diesen beiden „Schwergewichten“ rechnet Frank Schmidt mit weiteren zwei bis drei Teams, die sich den Aufstieg zutrauen. Der Rest, darunter eben auch der FCH, agiere „nahezu auf Augenhöhe“ und verfolge das Ziel, „erst gar nicht unten reinzurutschen“. Schmidt: „Das beinhaltet, dass es vielleicht noch enger wird als im vergangenen Jahr.“

Wie sind die Wechsel zu bewerten?

Sieben Abgänge verzeichnete der FCH zum Saisonende, die zusammen auf stattliche 426 Zweitliga-Einsätze kommen. Von den vier externen Neuzugängen schnupperte bisher nur Patrick Mainka (ein Spiel) ins Bundesliga-Unterhaus hinein, Niklas Dorsch kam immerhin zu einem Erstliga-Einsatz mit Bayern München.

Fehlt im Kader die Erfahrung?

Schmidt sieht's so: „Wir sind immer schon diesen Weg gegangen. Wenn man es umdreht, kann man es auch so formulieren: Wir haben neue hungrige Spieler, die absolut brennen und den nächsten Schritt ihrer Karriere gehen wollen. Natürlich fehlt der Faktor Erfahrung, aber wir haben ja auch ein Gerüst in der Mannschaft, das genügend Zweitliga-Praxis gesammelt hat.“

Wer fällt zum Start aus?

Arne Feick (muskuläre Probleme) und Maxi Thiel (Sprunggelenk) waren zuletzt angeschlagen – Einsatz fraglich. Definitiv ausfallen wird Timo Beermann (Adduktorenprobleme an der Leiste). Schmidt: „Nachdem wir in der Vorrunde immer wieder Ausfälle hatten, wendete sich die Situation jetzt zum Guten. Es sind nahezu alle an Bord.“

Wie fit ist Patrick Schmidt?

Der Regionalliga-Torjäger aus Saarbrücken (20 Treffer) brachte als Altlast aus der vergangenen Saison eine hartnäckige Knieverletzung mit nach Heidenheim, bestritt die Vorbereitung weitgehend mit individuellem Aufbautraining. Seit zehn Tagen nimmt er voll am Übungsbetrieb teil. Theoretisch könnte er eingesetzt werden, ist „eventuell eine Option“, sagt Trainer Frank Schmidt.

Rutscht ein Neuer ins Startaufgebot?

„Grundsätzlich ist alles möglich“, sagt Schmidt. Kevin Sessa, Gökalp Kilic, Tobias Reithmair und Jonas Brändle hinterließen in Testspielen und im Training teilweise starke Eindrücke. „Nach sechs Wochen hat man aber auch gemerkt, dass der eine oder andere eine Vorbereitung dieser Form zum ersten Mal absolvierte“, sagte Schmidt. Grundsätzlich aber gelte: „Leistung wird belohnt.“

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