Heidenheim / Thomas Grüninger Nach dem 1:0-Sieg in Aue dürften die beiden Spiele gegen St. Pauli und in Paderborn zeigen, ob der FCH ein Aufstiegskandidat ist. Derzeit liegen die Heidenheimer nur drei Punkte hinter dem Drittplatzierten.

Daniel Meyer hatte nach dem Spiel keinen leichten Stand. Der Trainer des FC Erzgebirge Aue musste sich am Freitagabend nach dem 0:1 gegen den 1. FC Heidenheim (der vierten Niederlage seines Teams hintereinander) nicht nur die heikle Frage gefallen lassen, ob es für ihn noch eine Zukunft gibt. Ungewöhnlich für ein Trainer-Statement gestand er auch noch ein, den FCH vom System her „ein bisschen anders erwartet zu haben“.

Es war ein indirektes Kompliment an seinen Kollegen Frank Schmidt, dessen taktische Grundordnung in der Anfangsphase dafür sorgte, dass die „Veilchen“ in der Defensive ziemlich unorientiert wirkten. „Wir wissen, was wir tun. Ich war überzeugt, dass eine Mittelfeldraute, mit der wir schon öfter gespielt haben, gegen das Auer 3-4-1-2-System genau das Richtige ist“, sagte Schmidt.

Belohnung nach fünf Minuten

Die Belohnung für den Überraschungseffekt folgte schon nach fünf Minuten, als Robert Andrich seltsam ungehindert bis zum Strafraum durchmarschieren konnte und einfach zum 0:1 abzog. „Zuordnungsprobleme“, bemängelte der Auer Trainer und listete eine ganze Fehlerkette auf: „schlecht verteidigt, komplett falsche Entscheidung getroffen, fehlende Kommunikation, zwei laufen hinterher, verpassen den entscheidenden Moment, um einzugreifen“.

Zwar konnten sich die Erzgebirgler danach etwas besser auf die FCH-Raute einstellen, die aus Sebastian Griesbeck, Robert Andrich, Niklas Dorsch und Denis Thomalla gebildet wurde. Die erste Zweitliga-Heimniederlage der Auer gegen Heidenheim hatte am Ende dennoch Bestand.

Was ist noch drin?

Und sie hält den FCH im Aufstiegsrennen, in dem sich neben den „Schwergewichten“ Köln und HSV mindestens noch fünf Teams Hoffnungen machen dürfen, wenigstens Platz drei zu erreichen. Frank Schmidt gibt sich diesbezüglich weiter pragmatisch, hält an der Losung fest, wie immer jedes Spiel gewinnen zu wollen. Sollte das gelingen, hätte der FCH am Saisonende 61 Punkte. In der vergangenen Spielzeit hätte das für Platz zwei gereicht.

Ob solche Rechenspiele Sinn machen, sei dahingestellt. Den grundsätzlichen Anspruch, immer gewinnen zu wollen, will Schmidt jedenfalls nicht als Kampfansage verstanden wissen, wie das einige Medien interpretierten. Andere Klubs seien mit der klaren Zielsetzung, aufsteigen zu wollen, nicht so zurückhaltend. Wenn es dann aber nicht klappe, werde schnell mal der Trainer gewechselt (aktuelles Beispiel ist St. Pauli). Der FCH hingegen agiere aus einer anderen Position heraus. „Wir wollen noch so viele Punkte holen wie möglich, und dann werden wir ja sehen, wo wir am Ende stehen“, sagt Schmidt.

Auf St. Pauli folgt Paderborn

Die beiden nun folgenden Partien gegen zwei aufstiegsambitionierte Kontrahenten werden sicher von vorentscheidender Bedeutung sein. Am Ostersonntag empfängt der FCH den FC St. Pauli, eine Woche später geht’s zum SC Paderborn. Bei zwei Siegen wären die Heidenheimer bis Saisonende dick im Rennen, bei zwei Niederlagen stünde wohl nur noch die Frage im Raum, ob und wie der FCH seine bisherige Zweitliga-Bestmarke verbessert.

46 Punkte stehen aktuell zu Buche. Im fünften Jahr der Zugehörigkeit zum deutschen Fußball-Unterhaus hatten die Heidenheimer nie mehr Zähler auf dem Konto. Zweimal (2015 und 2017) schlossen sie die Runde mit jeweils 46 Punkten ab. Ein neuer Rekord wäre also bei fünf noch ausstehenden Spielen nur dann nicht fällig, wenn der FCH sämtliche Partien verliert.

Davon aber muss angesichts des bisherigen Saisonverlaufs niemand ernsthaft ausgehen. „Wir haben gezeigt, dass wir wieder auf dem richtigen Weg sind. Unsere größte Durststrecke in dieser Saison bestand aus einer Phase von vier Spielen mit zwei Unentschieden und zwei Niederlagen“, gibt Schmidt zu erkennen, dass man alles andere als gewillt ist, die gute Spielzeit auf der Zielgeraden noch trüben zu lassen.

Das Spiel in Aue hat gezeigt, dass die Mannschaft ihr Ziel auch erreichen kann, wenn Kreativkräfte wie Marc Schnatterer und Nikola Dovedan nicht zur Startelf gehören. „Wir hatten in der Woche zuvor drei intensive Spiele in Magdeburg, bei Bayern München und gegen den 1. FC Köln. Deshalb wollte ich Marc und Niko eine Pause geben“, sagte Schmidt.

Manko: Chancenverwertung

Die Rechnung ging auf, obwohl Schnatterer und Dovedan nach ihrer Einwechselung in Aue nicht mehr dafür sorgen konnten, dass vorzeitig alles klargemacht wurde. Chancen zum 0:2 waren allerdings da.

Und so blieb am Ende die fehlende Effektivität eines der wenigen wesentlichen Dinge, die der Trainer an seinem Team zu kritisieren hatte: „Wir hätten uns früher belohnen müssen.“

Wenig Verständnis für hässliches Foul an Thomalla

Wenig Verständnis hatte FCH-Trainer Frank Schmidt für das Foul an Denis Thomalla (81.), das die rote Karte für Filip Kusic zur Folge hatte: „So darf man nicht reingehen. Auf diese Weise kann man Karrieren beenden. Das war übertrieben und rücksichtslos.“

Letztlich habe Thomalla Glück gehabt, dass er bei dieser Attacke nicht ernsthaft verletzt wurde, es musste lediglich eine Schnittwunde genäht werden. Der Heidenheimer konnte aber bis zum Schluss weitermachen, obwohl er aufgrund seiner Behandlungspause gar nicht mitbekommen hatte, dass sein Kontrahent die rote Karte sah.

Auch Norman Theuerkauf bekam die Auer Härte schmerzhaft zu spüren. In einem Duell mit dem Ex-Heidenheimer Philipp Riese zog er sich einen Pferdekuss am Oberschenkel zu und musste sich nach knapp einer halben Stunde auswechseln lassen. „Es war das, was wir erwartet hatten“, zeigte sich Schmidt über die Härte der Gastgeber wenig überrascht. tog