Heidenheim Norman Theuerkauf: „Mir ist eigentlich egal, wo ich spiele“

In dieser Saison bislang immer am Ball in der 2. Liga; Norman Theuerkauf
In dieser Saison bislang immer am Ball in der 2. Liga; Norman Theuerkauf © Foto: Archiv/Joachim Bozler
Heidenheim / Marc Hosinner 05.12.2018
Norman Theuerkauf steht am Samstag gegen den MSV Duisburg vor seinem 100. Einsatz für den FCH. Im bisherigen Verlauf der Saison ist er ein Dauerbrenner: Der 31-Jährige stand immer auf dem Platz.

Polyvalenz: Den meisten Menschen ist dieses Wort sicher kein gängiger Begriff. In Bezug auf Norman Theuerkauf ist es aber durchaus anwendbar. Es bedeutet soviel wie: breit gefächert einsetzbar.

Der FCH-Profi kommt in der 2.Liga nicht nur auf einer Position zum Einsatz. Trainer Frank Schmidt stellt ihn in der Innenverteidigung, auf der rechten Seite und im defensiven Mittelfeld auf. In allen 15 Spielen in dieser Saison hat er so keine Minute verpasst. Insgesamt bringt es der Defensiv-Allrounder auf 99 Einsätze im Dress der Heidenheimer und wird übermorgen (13 Uhr) im Heimspiel gegen den Meidericher SV die 100-Spiele-Marke knacken.

Herr Theuerkauf, 1350 Minuten. Sagt Ihnen das was?

Ja, das ist meine Spielzeit in dieser Saison.

Hätten Sie erwartet, dass Sie so viel spielen?

Ehrlich gesagt, nein. Da hätte ich nicht mit gerechnet. Es kann immer passieren, dass man kein gutes Spiel macht und ausgewechselt wird, oder dass der Trainer vor dem Spiel eine andere Entscheidung trifft, weil er sich für jeden einen anderen entscheidet.

Was haben Sie sich denn vor der Saison ausgerechnet? Schließlich kamen neue Spieler und der Konkurrenzkampf wurde neu entfacht.

Ich bin da ganz normal mit umgegangen. Dass ich spielen wollte, ist doch klar. Nachdem sich Timo Beermann in der Vorbereitung verletzt hatte, war ich auf dieser Position eine Alternative. Ich hab meine Sache dann ganz ordentlich gemacht und bin froh darüber, die Ligaspiele beststritten zu haben.

Wie schon in der vergangenen Saison haben kamen Sie auch in der jetzt laufenden Hinrunde nicht nur auf einer Position zum Einsatz. Bis auf Stürmer und Torwart war eigentlich alles dabei. Kommt Ihnen da ihre Erfahrung und Verlässlichkeit zugute?

Das denke ich schon. Das linke Mittelfeld ist nicht unbedingt meine Position, da haben wir andere, die offensiv besser sind. Ein-, zweimal ist das aber in Ordnung. Ich bin glücklich, dass ich spiele.

Das defensive Mittelfeld, also auf der „Sechs“, ist aber schon Ihre Lieblingsposition?

Mittlerweile ist mir das eigentlich egal, wo ich auflaufe. Ich möchte spielen. Ob das hinten, links, rechts oder im defensiven Mittelfeld ist, spielt keine große Rolle. Hauptsache die Mannschaft profitiert davon.

Es sind jetzt noch zwei Spiele in der Hinrunde. Wie lief's Ihrer Meinung nach für den FCH?

Ich finde schon, dass wir das ganz ordentlich bis gut gemacht haben. Zum Teil hätte es besser laufen können. In Berlin zum Beispiel hätten wir drei Punkte holen können, das gleiche gilt für Köln.

Warum läuft es denn bislang so gut? Liegt es allein daran, dass die Mannschaft versucht, Situationen spielerischer zu lösen als in der vergangenen Saison?

Das ist sicher ein Punkt. Wir wollten uns natürlich weiter entwickeln. Der Trainer hat Wert darauf gelegt, dass wir einen besseren Fußball spielen. Wir bauen jetzt zum Beispiel anders auf. Dass wir jetzt besser dastehen, liegt aber auch daran, dass wir besser verteidigen als im Jahr davor. Mit Ausnahme vom Paderborn-Spiel, das ein Rückschritt war, ist uns das gut gelungen. Es ist in der Regel schwer, gegen uns Tore zu schießen.

Es stehen auch Neuzugänge regelmäßig auf dem Platz. Haben die sich in den letzten Monaten zu Eckpfeilern entwickelt?

Jeder Neue, der kommt und seine Leistung abruft, tut der Mannschaft gut. Sie bringen auch spielerische Momente mit, die wir davor nicht hatten. Das hilft.

In manchen Medien ist zu lesen, dass der FCH an die ersten Plätze anklopft. Wie ordnet die Mannschaft das ein?

Das ist absoluter Quatsch. Wichtig ist, wieviele Punkte Abstand wir zu den unteren Rängen haben. Deswegen war der Sieg gegen Sandhausen so wichtig. Wir haben jetzt 13 Punkte mehr als Sandhausen. Und genauso wichtig wird ein Erfolg gegen Duisburg, weil wir auch den MSV damit auf einen beträchtlichen Abstand halten können. Ich wiederhole mich gern: So eine Saison wie die vergangene will bei uns keiner noch mal erleben. Wenn wir weiter gut spielen und oben landen, freuen wir uns natürlich. Erst mal geht's aber darum, die 40-Punkte-Marke zu knacken. Wir müssen deshalb weiter auch auswärts Punkte holen. Das ist uns bislang besser gelungen als in der vergangenen Runde. Jeder Heimsieg bringt dir nichts, wenn du auswärts mit leeren Händen zurück fährst.

Wie war es denn, beim HSV oder in Köln aufzulaufen?

Das ist natürlich schon ein Höhepunkt. Das Drumherum ist was ganz anderes, allein schon wegen der Zuschauerzahlen. Das muss man genießen und aufsaugen für später. Das gilt insbesondere für die jungen Spieler. Aber es geht auch gegen solche Gegner nur um drei Punkte.

Im letzten Heimspiel vor der Winterpause geht es gegen Duisburg. Einige Zuschauer haben sicher noch das 1:5 gegen Paderborn vor Augen. Was hat sich ihre Mannschaft für Samstag vorgenommen?

Eine kleine Wiedergutmachung war aus meiner Sicht schon der Sieg in Sandhausen. Klar wollen wir jetzt nach legen und vor heimischer Kulisse in der Voith-Arena den MSV Duisburg schlagen. So eine Leistung wie gegen Paderborn können und dürfen wir nicht noch mal anbieten.

Duisburg ist derzeit 15. und hat erst 13 Punkte. Es wird vielleicht auch Zuschauer geben, die einen lockeren Erfolg erwarten.

Locker? Das gibt es nicht in dieser Liga. Der MSV hat sich unter Trainer Torsten Lieberknecht stabilisiert und gepunktet. Die 0:4-Heimniederlage gegen Kiel am vergangenen Wochenende wird sie bestimmt anfixen, bei uns was mit zu nehmen. Wichtig für uns ist, wieder eine Leistung anzubieten, die uns berechtigt, um den Sieg mitzuspielen. Wir müssen uns ganz klar anders präsentieren wie gegen Paderborn.

Haben Sie zu ihrem Ex-Trainer Lieberknecht, mit dem Sie in Braunschweig in die Bundesliga aufgestiegen sind, noch Kontakt?

Nein, nur zu seinem Co-Trainer Darius Scholtysik. Mit dem schreibe ich ab und an.

Für Sie ist die Partie am Samstag der 100. Einsatz im Trikot des FCH. Wird das deswegen ein besonderes Spiel?

Das wusste ich gar nicht. Das ist auf jeden Fall eine schöne Marke. Arne Feick hatte ja kürzlich auch ein Jubiläum gefeiert.

Nachdem Sie ihren Vertrag vergangene Woche bis Sommer 2020 verlängert haben, kommen da sicherlich noch einige Spiele dazu. Und dann?

Ich bin dann 33 – mal schauen, wie der Körper dann noch mitmacht. Ich habe eine kleine Tochter und keine Lust, mit ihr quer durch Deutschland zu reisen, nur weil es woanders ein paar Euro mehr zu verdienen gibt. Für mich ist wichtig, eine Perspektive zu haben. Ich würde schon gern im Fußball bleiben und kann mir auch viel vorstellen. Was ich definitiv ausschließe ist, Spielerberater zu werden. Das ist nicht mein Geschäft. Dort werden nicht die Werte vertreten, die mir wichtig sind.

Könnten Sie sich dann auch ein Leben ohne Fußball vorstellen?

Nur sehr schwer.

Profi-Fußballer und

Fitness-Kaufmann

Der Weg zum Profi verlief beim heute 31-jährigen Norman Theuerkauf ziemlich klassisch: der in Nordhausen in der damaligen DDR geborene kam im Alter von zwölf Jahren aufs Fußball-Internat und lernte zunächst in Jena und dann in Bremen das Fußballspielen. „Für das große Ziel musste man vieles aufgeben, unterordnen und früh von zu Hause weg“, sagte er einst im Interview mit der HZ.

Seine ersten Schritte im Erwachsenenbereich machte Theuerkauf bei der zweiten Mannschaft von Werder Bremen. Über die Amateure von Eintracht Frankfurt kam er 2009 nach Braunschweig. Mit den Löwen feierte der Defensiv-Allrounder die Aufstiege in die 2. Liga und die Bundesliga. Neben dem Training auf dem Platz absolvierte er eine Ausbildung zum Sport- und Fitness-Kaufmann.

Seit Sommer 2015 schnürt er die Fußballschuhe für den FCH. Beim Heidenheimer Zweitligisten ist Theuerkauf mittlerweile stellvertretender Mannschaftskapitän. moh

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