2. Liga Neuer Weg beim FCH: Fanbeirat wird gewählt

Engagierte Anhänger: Ende Juli wird beim FCH ein Fanbeirat gewählt, der eine beratende Funktion haben soll.
Engagierte Anhänger: Ende Juli wird beim FCH ein Fanbeirat gewählt, der eine beratende Funktion haben soll. © Foto: Joachim Bozler
Heidenheim / Edgar Deibert 08.07.2018
Der 1. FC Heidenheim möchte den regelmäßigen Austausch mit seinen Anhängern weiter verbessern. Ein Ende Juli auf dem offiziellen Fantreffen zum ersten Mal gewählter Fanbeirat soll dabei helfen.

Nicht nur aus sportlicher Sicht betrachtet liegt hinter dem 1. FC Heidenheim eine äußerst schwierige Spielzeit. Begleitet wurde der schwache Saisonstart von einer von der organisierten Fanszene offen geübten Kritik an der Vereinsführung. Erst Ende des vergangenen Jahres fanden Vereinsverantwortliche und Ultras eine Lösung und legten den Konflikt bei.

Es kann nicht weiter verwundern, dass angesichts dieser Erfahrung FCH-Vorstandsmitglied Florian Dreier betont, wie wichtig es sei, dass Verein und Fans miteinander sprechen und sich austauschen. An die Ereignisse des letzten Sommers anknüpfend, wolle der FCH den Dialog mit seinen Fans und der aktiven Fanszene weiter stärken.

Strauß/Conte entwickeln die Idee

In erster Linie hätten sich Fabian Strauß (Bereichsleiter Fanwesen, Mitglieder & Merchandising) und Fanbeauftragter Vincent Conte mit dem Thema Fanbeirat beschäftigt. „Wir haben das Rad aber nicht komplett neu erfunden“, sagt Conte. Als Grundlage diente der Klub-Fan-Dialog der Deutschen Fußballiga. Der FCH habe sich an Beispielen anderer Vereine orientiert. Dabei müsse man allerdings auf standortspezifische Abweichungen achten, fügt Strauß an.

Nach Wochen der Ausarbeitung habe der FCH die Idee im Winter an die aktive Fanszene herangetragen, sagt Dreier. Ab Januar habe es vier bis fünf Workshops gegeben, an denen Vertreter der Ultras und der offiziellen Fanclubs teilgenommen hätten. In diesen Sitzungen sei gemeinsam das Fundament für den Fanbeirat gelegt worden. Dabei seien alle aktiven Fangruppen, wie etwa die „Fanatico Boys“, vertreten gewesen. Schließlich wurde die Idee beim letzten offiziellen Fantreffen vorgestellt, sagt Dreier.

Alle Stadionbereiche abdecken

Beim nächsten Fantreffen am 26. Juli soll der neue Fanbeirat gewählt werden. Dessen Besetzung soll repräsentativ einen Querschnitt der Stadionbesucher darstellen. Das heißt, jeder Bereich der Voith-Arena soll durch einen oder mehrere Vertreter im Gremium vertreten werden. „Die Vertreter können die Stimmung aus dem jeweiligen Bereich aufnehmen und im Fanbeirat platzieren“, sagt FCH-Vorstandsmitglied Dreier. So könnten Anregungen zu allen möglichen Themen gegeben werden.

Der Dialog mit den Fans sei dabei nicht neu, betont Fabian Strauß. Beim FCH gebe es bereits traditionelle Fantreffen, die mindestens zweimal im Jahr stattfinden. „Hier werden Themen in großer Runde besprochen und diskutiert. Dazu gibt es viele unterschiedliche kleinere Runden mit den offiziellen Fanclubs oder Ultras.“ Neu sei aber die Form und die Zusammenstellung des Fanbeirats. Durch diesen solle die „unregelmäßige Regelmäßigkeit institutionalisiert werden“, erklärt Strauß.

Fanbeirat soll Dialog fördern

Der Fanbeirat soll in regelmäßigen Abständen, geplant sind alle zwei Monate, zusammenkommen, Themen rund um den Verein diskutieren und den Gremien des Vereins Vorschläge unterbreiten. Er habe somit primär eine beratende Funktion im Verein. Zudem könnten sich Fans so auch untereinander austauschen.

Die Frage, ob der Fanbeirat eine Art Zugeständnis an die organisierte Fanszene sei, beantwortet Strauß mit einem entschiedenen Nein. „Er ist einfach eine Verfestigung, Etablierung und Strukturierung des Dialogs. Nichts ist wichtiger, als regelmäßig im Gespräch zu bleiben“, so Strauß. Vorstandsmitglied Dreier hofft allerdings, dass durch den Fanbeirat etwaige Probleme möglichst früh erkannt werden können.

Schwierig sei zu beantworten, ob es mit einem Fanbeirat gar nicht erst zu dem offenen Konflikt zwischen Ultras und Vereinsspitze in der vergangenen Saison gekommen wäre. Dreier findet dies „spekulativ“, für Strauß ist darin „zu viel Konjunktiv“ enthalten. Der Austausch sei ja auch schon vorher immer gegeben gewesen, so Dreier. Allerdings erhoffe man sich, dass ein noch aktiverer Austausch zwischen Fans und Verein in der Zukunft weiterhelfen kann.

Bewerbung für den Fanbeirat bis 12. Juli – Aktion soll 5000 Euro einbringen

Der Konflikt zwischen Ultras und Vereinsspitze des FCH spitzte sich im April 2017 zu. Für ein Banner mit der Aufschrift „All cops are bastards“ (ACAB) sprach der Verein Hausverbote und Mitgliederausschlüsse gegen beteiligte Fans aus. Vom DFB gab's eine 5000-Euro-Geldstrafe.

Eine Eskalation gab es Mitte September, als die Ultras einen Fandialog in der Voith-Arena mit dem Ausspruch „Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt“ verließen. Ende Oktober ging die organisierte Fanszene allerdings auf die FCH-Verantwortlichen zu.

Die Hausverbote wurden in der Folge vom Verein zur Bewährung ausgesetzt und sind mittlerweile ausgelaufen. Die Mitgliederausschlüsse wurden zurückgenommen. Demnächst soll es eine gemeinsame Aktion von Verein und Ultras geben, bei der die 5000-Euro-Geldstrafe für das ACAB-Banner erwirtschaftet werden sollen.

Dem Fanbeirat angehören werden Vertreter der Ultras (4 Sitze), offiziellen Fan-Clubs (4), der Osttribüne (2), Südtribüne Sitzplatz (1 Sitz), Südtribüne Stehplatz (1), Westtribüne (1), Haupttribüne (1), des Business Clubs (1) und der Fans mit Handicap (1). Außerdem werden Mitarbeiter des Fanprojekts, die Fanbetreuung und der FCH-Vorstand dem Fanbeirat beiwohnen, aber nicht stimmberechtigt sein.

Bewerbungen nimmt der FCH bis 12. Juli an. Bewerben kann sich jedes FCH-Mitglied, das eine Dauerkarte besitzt und mindestens 18 Jahre alt ist.

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