Heidenheim FCH-Spieler Maurice Multhaup ist endlich fit

Nach einem halben Jahr Aufbautraining jetzt voll im Rennen um einen Platz im FCH-Team: Maurice Multhaup (rechts, hier im Vorbereitungsspiel gegen Nersingen).
Nach einem halben Jahr Aufbautraining jetzt voll im Rennen um einen Platz im FCH-Team: Maurice Multhaup (rechts, hier im Vorbereitungsspiel gegen Nersingen). © Foto: Eibner
Heidenheim / Thomas Grüninger 02.08.2018
Als Maurice Multhaup vor einem halben Jahr zum 1. FC Heidenheim wechselte, musste er erst einmal ein Ausdauerdefizit aufarbeiten. Jetzt wähnt er sich „so fit wie noch nie“.

Auf den ersten Blick ist es eine seltsame Geschichte. Ein Fußballer, der immerhin schon fünf Mal in die Bundesliga reinschnuppern durfte, wechselt von einem Zweitligisten (Ingolstadt) zum anderen (Heidenheim). Doch statt eines nahtlosen Übergangs muss er beim neuen Klub erst einmal ein knapp halbjähriges Aufbautraining bestreiten, um athletische Defizite aufzuarbeiten.

Maurice Multhaup ist im vergangenen halben Jahr diesen ungewöhnlichen Weg gegangen. Bevor er im Winter für den nach Japan abgewanderten Ben Halloran nach Heidenheim geholt worden war, gehörte der 21-Jährige nur noch dem Regionalliga-Kader des FC Ingolstadt an. In der ersten Saisonhälfte 2017/18 brachte es Multhaup gerade noch auf sieben Punktspieleinsätze in der Viertklassigkeit.

Der Rausch des Höhenflugs, den er beim Bundesliga-Debüt ausgerechnet gegen Rekordmeister Bayern München erlebte („Etwas Schöneres kann man sich nicht vorstellen“), war verflogen. Ein in Jugendjahren hochgepriesenes Talent – 2015 mit Schalke 04 deutscher U-19-Meister – schien zu versauern.

Wirksamer Tapetenwechsel

„Ich brauchte einen Tapetenwechsel“, sagt der Mittelfeldspieler rückblickend. Innerhalb weniger Tage kam der Transfer vom FCI zum FCH zustande, doch an eine schnelle Fortsetzung der Profikarriere war auch auf dem Schlossberg nicht zu denken.

„Mir hat einfach die Spielpraxis gefehlt. Zwar war ich immer im Training mit den Profis, aber es gab eben ein Ausdauerdefizit“, beschreibt der schnelle Offensiv-Allrounder den Zustand zum Jahreswechsel 2017/18. Im Rahmen des üblichen Medizinchecks beim neuen Klub trat das Defizit durch einen Laktattest auch so zutage, dass es in Zahlen belegt war.

Der FCH und Multhaup verständigten sich darauf, dass es für den Neuzugang erst einmal darum gehen sollte, wieder auf Zweitliga-Niveau zu kommen. In Heidenheim seien die Ansprüche gerade im athletischen Bereich sehr hoch, da hier mehr als bei vielen anderen Vereinen auf läuferische Elemente Wert gelegt würde, sagt Multhaup.

Statt mit den Mitstreitern auf dem Rasen um einen Platz in der Mannschaft zu konkurrieren, ging es deshalb ab Januar zunächst einmal nach Ulm, wo unter Anleitung von Sportwissenschaftler Sebastian Schulz von der Sport- und Rehabilitationsmedizin des Universitätsklinikums Ulm individuell an fußballspezifischen Dingen wie Grundlagenausdauer oder Schnelligkeit gearbeitet wurde. Bis spätestens zur neuen Saison sollte Multhaup so weit sein, dass er in der 2. Liga voll angreifen kann und damit eine echte personelle Alternative für Trainer Frank Schmidt darstellt. Das Ziel wurde erreicht. Schon in den letzten drei Wochen der alten Saison nahm er in vollem Umfang am Mannschaftstraining teil. Und seit der Vorbereitung auf 2018/19 liefert sich Multhaup mit seinen Konkurrenten ein Rennen auf Augenhöhe.

Schnelligkeit vom Papa geerbt

Der gebürtige Bottroper kann seine Stärken jetzt wieder optimal zur Geltung bringen, allen voran seine Schnelligkeit. Die, so glaubt er, hat er wohl vom Vater geerbt, der einst ein herausragender 100-Meter-Läufer war, als 15-Jähriger „um die 11,2 Sekunden“ lief.

Nun ist der Jungprofi, der 2015 sein Abitur machte, ein gefühlter Heidenheimer Neuzugang – obwohl er ja schon seit Jahresbeginn 2018 dem FCH angehört. Die lange Aufbauarbeit hat sich für den 21-Jährigen gelohnt: „Ich sehe das jetzt sehr, sehr positiv. In sechs Wochen Vorbereitung habe ich keine Einheit verpasst und kam in jedem Testspiel zum Einsatz. Ich fühle mich definitiv so fit wie noch nie in meinem Leben.“

Obwohl Multhaup lange Zeit ab-seits der Mannschaft sein Pensum absolvierte, hat er sich beim FCH nie isoliert gefühlt. „Man hat es mir hier leicht gemacht. Es war alles sehr gut organisiert, es gab immer eine Super-Kommunikation“, gerät er diesbezüglich fast ins Schwärmen.

Konkurrenzkampf voll im Gang

Wie gut seine Chancen sind, vielleicht schon am Sonntag im ersten Saisonspiel gegen Arminia Bielefeld (15.30 Uhr) zum Aufgebot zu gehören, will er nicht beurteilen. Nur soviel: „Wir sind nach der langen Vorbereitung alle heiß, jeder gibt Vollgas.“

Vor allem die Positionen im offensiven Mittelfeld sind hart umkämpft. Sechs Kandidaten kommen für die Außenbahnen in Frage, wobei eine Seite bekanntlich fest an Kapitän Marc Schnatterer vergeben ist.

Multhaup sieht das Rennen um die Plätze als offen an. Seine Hauptposition war zuletzt die offensive Außenbahn, doch hat er auch schon im zentralen Mittelfeld gespielt. Zudem wären dem technisch starken Leichtgewicht auch ganz andere Aufgabenbereiche nicht fremd – sogar als rechter Verteidiger hat man ihn auf Schalke schon gesehen.

In jungen Jahren hat er auf jeden Fall bereits eine wichtige Erfahrung sammeln dürfen: „Im Fußball braucht man Geduld – vor allem in den Phasen, in denen es nicht nur bergauf geht. Wichtig ist es, trotzdem immer Gas zu geben.“

Der 21-Jährige wurde in Bottrop geboren und landete in Jugendjahren nach Stationen beim VfB Kirchhellen und der SG Wattenscheid im Talentschuppen von Schalke 04.

Mit der U 19 der Knappen wurde er 2015 auch deutscher Meister, sammelte zudem früh in der Uefa-Youth-League internationale Erfahrung.

Debüt gegen FC Bayern

2015 unterschrieb Multhaup einen Vertrag bis 2018 beim FC Ingolstadt. Am 12. Dezember 2015 debütierte er in der Bundesliga, als er bei der 0:2-Niederlage des FCI bei Bayern München in der 78. Minute eingewechselt wurde. Seit Januar 2018 steht er beim FCH unter Vertrag (bis 2020).

In der Jugend-Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes durchlief Multhaup mehrere Jahrgänge: Zweimal spielte er in der U-15-Nationalmannschaft, zweimal in der U 16 (1 Tor), 13-Mal in der U 17 (7 Tore) und einmal in der U 19.

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