Heidenheim FCH: Matchball auf dem Betzenberg?

Daumen hoch! Kevin Müller hofft, dass der FCH vielleicht schon am Sonntag in Kaiserslautern den Klassenerhalt fix macht.
Daumen hoch! Kevin Müller hofft, dass der FCH vielleicht schon am Sonntag in Kaiserslautern den Klassenerhalt fix macht. © Foto: Eibner
Heidenheim / Thomas Grüninger 03.05.2018
Für Kevin Müller, Torhüter des Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim, hat der Klassenerhalt oberste Priorität, aber der Torhüter hätte es auch gern, wenn seine Mannschaft am Ende nicht das Team mit den meisten Gegentoren bleibt.

Irgendwie steht Kevin Müller symbolisch für diesen extremen Saisonverlauf beim 1. FC Heidenheim. Der 27-jährige Torhüter ist der Spieler mit dem besten Noten-Durchschnitt im FCH-Kader (2,68 bei der HZ, 2,88 beim Fachmagazin Kicker) und steht damit auf Platz vier der Zweitliga-Toptorhüter. Andererseits kassierte der gebürtige Rostocker bei seinen bislang 29 Einsätzen schon 49 Gegentreffer und gehört dem Team mit den meisten Gegentoren an (54, gemeinsam mit Kaiserslautern und Duisburg). Wie er das alles bewertet und wie er zwei Spieltage vor Schluss die Chancen auf den Heidenheimer Klassenerhalt sieht, erläutert Müller im nachfolgenden Interview.

Wie groß ist die Erleichterung nach dem Sieg gegen Sandhausen?

Es ist extrem wichtig, dass wir uns jetzt in eine Position gebracht haben, in der wir es selbst in der Hand haben, den Klassenerhalt zu sichern. Die Liga ist so verrückt – da kannst du dich auf nichts verlassen. Wir haben es uns erarbeitet, dass wir am Sonntag in Kaiserslautern ein Matchball-Spiel haben.

Ruhe bewahrt im kritischen Moment

Vor wenigen Wochen, als der FCH nach vier Niederlagen in Serie auf Platz 16 stand, sah es noch ziemlich schlecht aus. Worauf ist die Trendwende zurückzuführen?

Wir sind als Mannschaft, als Verein, nie nervös geworden, auch in schwierigen Situationen. Es ist extrem wichtig, dass von den entscheidenden Persönlichkeiten im Verein die richtigen Zeichen kommen, sonst wird man komplett verunsichert. Am Ende hat es sich bewährt, dass wir alle unsere Arbeit konsequent durchgezogen haben, auch als es nicht so gut lief.

Am Sonntag geht's nun nach Kaiserslautern, einer Mannschaft, die bereits abgestiegen ist. Wie ist der Gegner zu erwarten?

Als erstes müssen wir mit wahnsinnig viel Demut an die Sache herangehen. Kaiserslautern ist ein großer Traditionsverein, der erstmals in die 3. Liga absteigen muss. Nichtsdestotrotz wird uns der Gegner nichts schenken. Die wollen sich auch mit zwei richtig guten Spielen verabschieden. Das alles aber hat uns nicht zu interessieren, wir müssen auf uns selbst schauen: Wenn wir in den letzten beiden Spielen unsere Hausaufgaben erledigen, können die anderen machen, was sie wollen.

Was Kaiserslautern und Heidenheim verbindet, sind jeweils 54 Gegentore. Erklären Sie doch mal als Torhüter, woran es beim FCH lag?

Dieser extreme Umschwung von einer sehr guten Defensive im vergangenen Jahr zur Situation in dieser Saison ist natürlich nicht gut. Das ist allen klar. Aber es zeigt auch: Bloß weil es im Vorjahr geklappt hat, heißt das nicht, dass es im neuen Jahr genauso gut funktioniert. Wir haben daran gearbeitet, die Zahl der Gegentore zu drücken. Dass man das nicht komplett hinkriegt, ist klar. Aber in den letzten beiden Spiele waren wir konstanter, bekamen insgesamt nur noch ein Gegentor. Und man hat gesehen, dass das der Schlüssel zum Erfolg ist.

Was bedeutet es speziell für Sie als Torhüter, wenn man über weite Strecken der Saison die Nummer eins einer Mannschaft war, die als „Schießbude der Liga“ betitelt wurde?

Klar, für mich als Torhüter ist die Statistik mit den Gegentoren die wichtigste. Man muss da allerdings genau analysieren: An wievielen Gegentoren war man selbst beteiligt, wieviele Treffer entstanden durch Elfmeter oder Standards? Und so weiter. So eine Bilanz kann auch ein Extra-Motivationsschub sein. Oberstes Ziel ist und bleibt der Klassenerhalt. Daneben wollen wir am Ende nicht die Mannschaft sein, die diesen unrühmlichen letzten Platz bei der Zahl der Gegentore einnimmt. Natürlich tut es weh, wenn man am Ende mit dem Makel als schlechteste Abwehr der Liga dasteht. Das trifft mich auch persönlich.

Notenbester beim FCH

Nun sind Sie zugleich aber auch der FCH-Spieler, der im Schnitt die besten Noten erhielt. Wie kommen Sie mit diesem Widerspruch klar?

Wir müssen als Mannschaft funktionieren und haben es über die ganze Saison gesehen defensiv nicht gut gemacht. Da zähle ich auch dazu. Bewertungen von außerhalb sind in diesem Fall nicht so wichtig. Wichtig ist, was man intern spricht und dass man an den richtigen Rädchen dreht.

Inwiefern ist das gelungen?

In den letzten drei Spielen haben wir sieben Punkte geholt und nur zwei Gegentore bekommen. Auch an dieser Bilanz sind alle beteiligt. Gegen Sandhausen haben wir in den letzten 20, 30 Minuten kein schönes Spiel gemacht, aber wir waren effektiv. Das hat uns vorwärtsgebracht. Ich finde diesen Turnaround in den letzten Spielen schon beachtlich. Nehmen wir nur das Spiel bei Union Berlin: Wir gehen in Führung, kassieren dann den Ausgleich. Aber wir fallen nicht um. Auch gegen Düsseldorf sind wir nicht eingeknickt. Das war ein Schritt nach vorn, ein extrem wichtiger, der den Druck auf einen selbst mindert. In dieser Liga werden Fehler zu 90 Prozent bestraft.

Könnten Sie sich vorstellen, auch in der 3. Liga noch beim FCH zu spielen?

Ja, natürlich. Ich habe einen laufenden Vertrag bis 2020. Aber darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken. Die ganze Konzentration gilt den letzten beiden Saisonspielen, in denen wir den Klassenerhalt perfekt machen wollen.

Beim 1:0-Heimsieg gegen Bochum wurde Kevin Müller von den Fans gefeiert

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