Heidenheim VfL Bochum ist am Freitag zu Gast in Heidenheim

Skeptischer Blick: Robin Dutt soll den VfL Bochum ans rettende Ufer führen. Er ist der fünfte VfL-Trainer dieser Saison.
Skeptischer Blick: Robin Dutt soll den VfL Bochum ans rettende Ufer führen. Er ist der fünfte VfL-Trainer dieser Saison. © Foto: Eibner
Heidenheim / Thomas Grüninger 14.02.2018
Der VfL Bochum, am Freitag zu Gast in Heidenheim, liefert mit seinem vierten Trainerwechsel nur den jüngsten Beleg für eine turbulente Saison – auf der Bank und auf dem Rasen.

Die Nachricht hat so richtig in die Faschingszeit gepasst: Robin Dutt ist neuer Trainer beim VfL Bochum. Es war das närrische Highlight westfälischer Chaostage, nachdem zuvor Sportchef Hochstätter und Trainer Rasiejewski hatten gehen müssen. Rasiejewski war Coach Nummer vier beim VfL, Dutt ist die Nummer fünf. Nach 22 Spieltagen tauscht der Revierklub zum wiederholten Mal sein Personal – nie zuvor wurde die Reißleine an der Castroper Straße dermaßen strapaziert.

Am Freitag (18.30 Uhr) wird Dutt, dessen Vater aus Indien und dessen Mutter aus dem Hochschwarzwald stammt, in Heidenheim erstmals auf der VfL-Bank sitzen. Zwar haben die Bochumer unter Interimstrainer Heiko Butscher zuletzt 2:1 gegen Darmstadt gewonnen, doch eine Dauerlösung konnte das nicht sein, weil Butscher die notwendige Fußballlehrer-Lizenz fehlt. Robin Dutt hingegen, der es als aktiver Fußballer nur bis in die Verbandsliga schaffte, schloss als Lehrgangsbester 2005 die Prüfung zum Fußball-Lehrer mit Note 1,4 ab.

Doch auf die Trainerbank wollte er sich eigentlich gar nicht mehr setzen, nachdem er 2014 bei Werder Bremen hatte gehen müssen. Als der „Weser-Kurier“ ihn damals fragte, ob es einen Trainer Dutt nicht mehr geben werde, antwortete er: „Davon gehe ich schwer aus. Momentan ist das unvorstellbar.“

Schon elf Entlassungen

Aber nichts ist in dieser Saison für die 2. Liga wohl unpassender als das Wort „unvorstellbar“. Klammert man kurzfristige Interimslösungen aus, dann gab es in dieser Spielzeit schon elf Trainer-Entlassungen. Außergewöhnlich dabei ist vor allem auch die kurze Aufenthaltsdauer einiger Kommandogeber auf der begehrten Trainerbank, die im bisherigen Saisonverlauf mehr denn je zum Schleudersitz wurde.

Thomas Letsch zum Beispiel hatte bei Erzgebirge Aue nur einen Monat und 14 Tage das Sagen. Das reichte neben der Saisonvorbereitung gerade mal zu zwei kompletten Liga-Spielen und einer Partie im DFB-Pokal.

Letsch befand sich in guter Gesellschaft: Maik Walpurgis (Ingolstadt) flog nach drei Spielen, Janos Radoki (Fürth, einst „Co“ in Heidenheim) nach vier. Und es geht sogar noch schneller. Schon bevor die Saison losging, fiel dem VfL Bochum ein, dass der niederländische Exzentriker Gertjan Verbeek doch nicht der Richtige ist.

So verrückt wie auf den Trainerbänken geht's aber auch auf den Spielfeldern zu. Aus hochgehandelten Favoriten wie Bochum, Braunschweig oder St. Pauli wurden Abstiegskandidaten, mit Darmstadt steht aktuell sogar ein Bundesliga-Absteiger auf einer Position, die auf direktem Weg in die Drittklassigkeit führt.

Dafür befinden sich unter den ersten sechs Mannschaften alle drei Aufsteiger – Holstein Kiel nimmt sogar den Aufstiegs-Relegationsplatz ein, auf den aber auch der MSV Duisburg mit zwei Punkten Rückstand und Jahn Regensburg (drei Punkte Rückstand) im Augenblick berechtigte Ansprüche stellen dürfen.

Fortuna verliert – FCK gewinnt

Trotz zwei Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze zieht Fortuna Düsseldorf keineswegs souverän seine Kreise wie die jüngste 1:3-Niederlage bei Union Berlin unterstreicht. Und trotz sattem Rückstand zum rettenden Ufer gibt sich Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern noch nicht auf, wie der jüngste 3:1-Sieg gegen Kiel beweist.

Zu rechnen ist in dieser Saison grundsätzlich mit allem: Das wird auch an der Situation des 1. FC Heidenheim deutlich. Hätte der FCH am vergangenen Samstag Regensburg geschlagen, dann läge er jetzt nur noch vier Punkte hinter dem Aufstiegs-Relegationsplatz. Verliert er am Freitagabend sein Heimspiel gegen Bochum, dann könnte sich der Vorsprung vor dem Abstiegs-Relegationsplatz im Extremfall wieder auf drei Punkte reduzieren.

Es ist ein Tanz auf der Rasierklinge – und bei weitem nicht nur die Heidenheimer schweben dabei zwischen zwei Welten. Im Vorjahr durfte der FCH jedenfalls gelassener sein. Nach 22 Spieltagen stand er damals mit 33 Punkten auf Rang sechs, war vom Spitzenreiter VfB Stuttgart (47 Punkte) genauso weit entfernt wie heute als Tabellen-neunter von Liga-Primus Düsseldorf (jeweils 14 Punkte).

Allerdings: Ebenso stattliche 14 Punkte trennten die Heidenheimer damals vom Abstiegs-Relegationsplatz, aktuell sind es nur sechs. Wenn die Saison 2017/18 jetzt ins letzte Drittel einbiegt, dann scheint in dieser Liga nichts beständiger als die Unbeständigkeit. Das gilt sowohl auf den Trainerbänken als auch auf dem grünen Rasen.

Nur eins kann mit Sicherheit gesagt werden: Am Aschermittwoch ist noch gar nichts vorbei.