Bochum / Thomas Grüninger Der ersatzgeschwächte 1. FC Heidenheim enttäuscht beim 0:1 in Bochum, darf aber lange hoffen, doch der Südkoreaner Lee trifft in der 78. Minute.

Personell ist derzeit irgendwie der Wurm drin bei den Heidenheimern. Zu den sechs Grippe-Ausfällen gesellte sich am Freitag kurzfristig auch noch Maximilian Thiel, der im Hotel das Bett hüten musste, statt seinem Team im Stadion zur Verfügung zu stehen. Das Personal des FCH dezimierte sich dann auf dem Spielfeld ein weiteres Mal, als Robert Andrich in der 63. Minute die gelb-rote Karte sah.

Die Heidenheimer boten zwar viel Kampf, konnten aber spielerisch nur ganz wenige Akzente setzen und befanden sich im zweiten Durchgang fast ausnahmslos im Rückwärtsgang.

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In Unterzahl fiel dann das goldene Tor für die vor allem in der zweiten Halbzeit klar feldüberlegenen Gastgeber durch den Südkoreaner Chung-Yong Lee in der 78. Minute. Damit bezog der FCH nach dem 1:2 gegen Regensburg seine zweite Niederlage hintereinander und dürfte nach nunmehr vier sieglosen Partien in Serie zumindest vorerst kein Kandidat mehr sein für Aufstiegsplätze.

Multhaup als Verteidiger

Gespannt wurde nach den vielen personellen Absagen die Heidenheimer Aufstellung erwartet. Frank Schmidt löste den Ausfall der beiden nominellen Rechtsverteidiger Marnon Busch und Robert Strauß, indem er Maurice Multhaup auf dieser Position agieren ließ.

Ansonsten setzte der Trainer in der Startelf auf zweitligaerprobte Kräfte, brachte später aber mit Gökalp Kilic und Jonas Brändle zwei Debütanten. Das Durchschnittsalter der Feldspieler, die auf der Heidenheimer Reservebank Platz genommen hatte, betrug gerade mal 20 Jahre.

Dennoch fanden die Heidenheimer ordentlich ins Spiel und hatten schon in der dritten Minute die erste Gelegenheit, in Führung zu gehen. Eine Hereingabe von Multhaup versuchte Robert Glatzel per Hackentrick zu verwerten, doch Bochums Schlussmann Manuel Riemann hatte aufgepasst.

Etwa eine halbe Stunde lang war Heidenheim die Mannschaft mit dem größeren Ballbesitz, konnte aber vor dem gegnerischen Tor kaum für weitere Gefahr sorgen. Die Bochumer hatten erst nach 20 Minuten ihre erste Chance, als Tom Weilandt aussichtsreich das Tor verfehlte.

Derselbe Spieler war es dann auch, der nach 33 Minuten mit einem Pfostenschuss Pech hatte – und spätestens ab diesem Zeitpunkt änderten sich die Vorzeichen.

Bochum war nun zunehmend tonangebend. Doch die größte Chance zum Führungstreffer vergaben die Heidenheimer, als Marc Schnatterer einen Freistoß direkt vors Tor zog und Denis Thomalla am glänzend reagierenden Riemann scheiterte.

Ähnlich ging es nach der Pause weiter. Die zuvor seit fünf Spielen sieglosen Bochumer agierten nun zunehmend druckvoller, doch erneut wäre den Heidenheimern fast die Führung gelungen. Diesmal hatte Robert Glatzel Pech, als er nach einem Konter und Zuspiel von Sebastian Griesbeck die Latte traf (49.).

Es sollte allerdings die einzige echte Möglichkeit im zweiten Durchgang bleiben. Es gab so gut wie keine Entlastung mehr für die FCH-Defensive. Zu einer Schlüsselszene wurde die gelb-rote Karte für Robert Andrich in der 63. Minute. Der bereits verwarnte Neuzugang leistete sich ein weiteres Foul – und musste vorzeitig vom Platz.

Unordnung in der Abwehr

Nun war klar, dass es für den FCH schwer werden sollte, die Schlussphase unbeschadet zu überstehen. Innerhalb einer Minute vergab Weilandt zwei gute Chancen. Doch acht Zeigerumdrehungen später war es dann passiert, und Bochum nutzte eine Unordnung in der Heidenheimer Abwehr.

Nach schnellem Bochumer Umschaltspiel sah Robert Tesche im Strafraum den freistehenden Lee, der dem ansonsten stark haltenden Kevin Müller keine Chance ließ. In der Nachspielzeit verpasste dann Simon Zoller mit einem Lupfer übers Heidenheimer Tor ein noch deutlicheres Ergebnis.

Unterm Strich war es ein verdienter Bochumer Sieg, wenngleich für den FCH durchaus etwas drin war. Am kommenden Freitag wartet auf die Heidenheimer erneut eine schwere Aufgabe gegen Union Berlin, das am Freitag den FC Ingolstadt mit 2:0 bezwang.

Frank Schmidt war enttäuscht von seinem Team. Und bekam für seine Offenheit Lob von Robin Dutt.

Robert Andrich war sich seiner Schuld bewusst, haderte aber auch ein wenig mit dem Schiedsrichter.