Heidenheim Trainerjahrgang 2011: Außer Frank Schmidt hält sich keiner lange

Gemeinsam als Trainer groß geworden: Tayfun Korkut, Michael Wiesinger, Thomas Schneider, Roger Schmidt, Markus Gisdol, Markus Weinzierl, Frank Schmidt und Sascha Lewandowski (von links). Während sich einige in der Bundesliga gegenseitig ablösten (zuletzt folgte Weinzierl in Stuttgart auf Korkut), fällt Frank Schmidt vor allem für seine Vereinstreue zum 1. FC Heidenheim auf.
Gemeinsam als Trainer groß geworden: Tayfun Korkut, Michael Wiesinger, Thomas Schneider, Roger Schmidt, Markus Gisdol, Markus Weinzierl, Frank Schmidt und Sascha Lewandowski (von links). Während sich einige in der Bundesliga gegenseitig ablösten (zuletzt folgte Weinzierl in Stuttgart auf Korkut), fällt Frank Schmidt vor allem für seine Vereinstreue zum 1. FC Heidenheim auf. © Foto: stock.adobe.com/Eibner-Pressefoto/Montage: Arthur Penk
Heidenheim / Thomas Grüninger 13.10.2018
Sieben Kollegen, die mit Frank Schmidt einst die Fußballlehrer-Lizenz an der Kölner Sporthochschule erwarben, schafften den schnellen Sprung in die Bundesliga – bislang konnte sich aber keiner lange behaupten.

Irgendwie war es schon ein seltsamer Zufall, was in dieser Woche passierte. Eingebettet in die Trainerentlassung (Tayfun Korkut) und Neuverpflichtung (Markus Weinzierl) beim VfB Stuttgart gab der 1. FC Heidenheim die Vertragsverlängerung mit Frank Schmidt bis 2023 bekannt.

Was diese drei Namen verbindet? Nun, alle drei absolvierten an der Sporthochschule Köln – genauer gesagt: an der Hennes-Weisweiler-Akademie – im Jahr 2011 ihre Fußballlehrer-Lizenz. Wie übrigens auch Markus Gisdol, Thomas Schneider, Michael Wiesinger, Roger Schmidt und der 2016 verstorbene Sascha Lewandowski.

Bis auf Frank Schmidt durften sich alle genannten Absolventen dieses vielfach als „goldener Jahrgang“ bezeichneten Lehrgangs schon in der Bundesliga versuchen. Lange halten konnte sich aber bislang keiner. Aktuell ist nun Weinzierl als Einziger (wieder) Bundesligist, beerbte kurioserweise seinen einstigen Kölner Schulkameraden Tayfun Korkut.

Erstklassige Karussellfahrten

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass einer aus der Klasse von 2011 einen Nebensitzer bei einem Bundesligisten ablöste. 2014 durfte sich Roger Schmidt in Leverkusen auf die Trainerbank setzen, auf der zuvor Sascha Lewandowski saß. Die Studienkollegen von einst geben sich bisweilen die Klinke in die Hand, wenn im Oberhaus die Kommadobrücken neu zu besetzen sind.

Nur einer macht da nicht mit: Frank Schmidt. FCH-Trainer seit 2007 – und laut Vertrag noch bis 2023. Mindestens. Das sind Ewigkeiten im Profifußball, wo das Business des Heuerns und Feuerns zum Tagesgeschäft gehört wie Siege und Niederlagen. Während also Schmidt bei seinem Stammverein sicher im Sattel sitzt, rotieren die anderen aus der Klasse 2011 fleißig auf dem Markt der tausend Möglichkeiten – immer in Gefahr, vom unbarmherzigen Misserfolgssog verschluckt zu werden.

Der Neue beim VfB Stuttgart, Markus Weinzierl, war 2010/11 sogar Nebensitzer Schmidts in Köln. Beide coachten neben dem Studium Drittligisten: Schmidt den FCH, Weinzierl Jahn Regensburg. Sie saßen zum Wochenbeginn in Köln nebeneinander und trafen dann in der Liga als Gegner aufeinander. Erst Duett, dann Duell. Weinzierl mogelte sich im Finish der Saison 2011/12 sogar noch an Schmidts FCH vorbei, durfte in die Relegation und kam gegen den Karlsruher SC ein bisschen zum Zweitliga-Aufstieg wie die Jungfrau zum Kind.

Einer ist jetzt in China

Dann lockte Bundesligist Augsburg, und nach ein paar Jahren lockte Schalke. Aber Königsblau wurde irgendwie nicht Weinzierls Lieblingsfarbe. Jetzt darf er es beim VfB Stuttgart mit Rot-Weiß probieren. Tabellarisch kann es am Cannstatter Wasen im Augenblick ja nur aufwärts gehen.

Anderen Karrieren derer von Klasse 2011 fehlt noch so ein vorläufiges Happy End. Markus Gisdol war in Hoffenheim und beim HSV, Thomas Schneider beim VfB Stuttgart und bei der Nationalmannschaft, Michael Wiesinger beim 1. FC Nürnberg und zuletzt beim KFC Uerdingen, Tayfun Korkut Co-Trainer der türkischen Nationalmannschaft, in Hannover, Kaiserslautern, Leverkusen und Stuttgart, Sascha Lewandowski in Leverkusen und bei Union Berlin, Roger Schmidt in Leverkusen.

Viele waren, aber nur zwei sind – erstklassig: Neben Weinzierl noch Roger Schmidt. Beim chinesischen Klub Beijing Guoan. Große weite Welt statt große Bundesliga-Karriere. Und Frank Schmidt? Bleibt in Heidenheim.

Aber in Heidenheim zu bleiben, heißt nicht automatisch, zweitklassig zu bleiben. Die Modalitäten von Schmidts neuem Vertrag (gilt nur für 1. und 2. Liga) beinhalten jedenfalls ausdrücklich auch die Variante der Erstklassigkeit.

„Warum sollten wir nicht mal nah rankommen an den Erstliga-Aufstieg oder ihn sogar schaffen? Es gibt dafür Beispiele kleinerer Vereine. Wir verwalten hier nicht, wir wollen immer etwas erreichen“, ließ der Heidenheimer Dauerbrenner erst jüngst die Leser der „Augsburger Allgemeinen“ erfahren.

DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth hat erzählt, dass Frank Schmidt in Köln immer in der ersten Reihe gesessen sei. Vielleicht kennt er deshalb auch den Weg von der ersten Reihe in die erste Liga. Irgendwie scheint dieser fernab jenes Trampolins zu verlaufen, auf dem sich die Klassenkameraden von 2011 so gerne verhüpfen.

2. Liga: Schon vier Klubs zogen die Reißleine

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