Heidenheim / Thomas Grüninger Der FCH schiebt mit dem 2:2 gegen den HSV die Tabellenfront enger zusammen. Für Schmidt wäre eine neue Zielsetzung aber „völliger Blödsinn“.

Zugegeben: Blitztabellen sind Muster ohne Wert. Aus Heidenheimer Sicht ist die Versuchung aber zu groß, ganz achtlos an einem historischen Moment vorbeizugehen. Für einige Minuten stand der 1. FC Heidenheim am Samstag tatsächlich auf Platz zwei – einem direkten Aufstiegsplatz in die Bundesliga. Weil die 2:1-Führung gegen den HSV aber am Ende egalisiert wurde und Union Berlin den Rückstand in Duisburg noch in einen Sieg verwandelte, bleibt der FCH als Tabellenvierter bei den Normalsterblichen. Zumindest vorerst.

Für Minuten in nie erklommenen Tabellenregionen

Der Heidenheimer Minuten-Ausflug in bislang nie erklommene Tabellenregionen zeigt auf, in welch schwindelerregenden Höhen der FCH momentan unterwegs ist. Dass der Rückstand auf den Zweitplatzierten nur zwei Punkte beträgt, kann nach dem 22. Spieltag kein Zufall mehr sein.

Ob es tatsächlich angesagt ist, von Höherem zu träumen oder ob man lieber nüchtern bleibt und sich am Ende auf Mittelmaß einstellt, liegt im Blickwinkel des Betrachters. Festzuhalten bleibt: Seit neun Pflichtspielen ist der FCH ungeschlagen, nach Paderborn die zweitbeste Rückrundenmannschaft – und die Großen beißen sich am Emporkömmling von der Ostalb weiter die Zähne aus.

Der HSV gehört beileibe nicht zur Zweitliga-Laufkundschaft, führt die Tabelle an, stellt die beste Auswärtsmannschaft. Diesen Giganten mit zweimaliger Führung an den Rand der Niederlage zu zwingen, nötigt Respekt ab. Von den anderen Großen der Liga (Köln, Berlin, St. Pauli) kehrte der FCH in der Vorrunde jeweils mit einem 1:1 zurück, ist also auf Augenhöhe und hat sie alle noch in der Voith-Arena zu Gast.

Mit dem SC Paderborn mogelte sich allerdings ein weiterer „Störenfried“ in den Dunstkreis der Klassenbesten. Mit dem Ex-Bundesligisten haben die Heidenheimer noch ein Hühnchen zu rupfen. Das 1:5 vor eigener Kulisse war die bislang höchste Saison-Niederlage – im Übrigen auch die einzige in den vergangenen 17 (!) Pflichtspielen.

Ausgerechnet Lasogga

Weiter vom „komfortablen Klassenerhalt“ zu reden, das traut sich angesichts dieser Superlative inzwischen auch Frank Schmidt nicht mehr. Der Heidenheimer Trainer bleibt aber seiner Linie treu, sprach am Samstag davon, dass es „völliger Blödsinn“ wäre, jetzt eine neue Zielsetzung vorzugeben: „Ich will nicht den Miesepeter spielen. Aber es ist trotz allem so, dass wir mit 38 Punkten als 1. FC Heidenheim keine großen Töne spucken sollten.“

Statt großer Töne liefern die Heidenheimer lieber große Taten. Am Samstag nahmen sie nach anfänglicher taktischer Zurückhaltung (auch der HSV scheute zunächst das Risiko) den Schlagabtausch mit dem prominenten Liga-Primus an. Dass ausgerechnet Pierre-Michel Lasogga, der im Hinspiel schon dreimal getroffen hatte, mit dem 2:2-Ausgleichstor noch in die FCH-Suppe spuckte, hörte sich nur im ersten Moment wie ein schlechter Witz an.

Am Thema Lasogga lässt sich vielmehr exemplarisch nachvollziehen, wie sich der FCH seit dem Vorrundenspiel im Volksparkstadion weiterentwickelte. Bis auf den Treffer hatte die Heidenheimer Defensivabteilung das Hinrunden-Schreckgespenst nämlich weitgehend abgemeldet.

Dass ihm dann aus dem Gewühl heraus doch noch ein Tor gelang, wollte Schmidt seiner Mannschaft nicht vorwerfen: „Wir haben uns davor mit allen Mann reingeschmissen. Aber so ist das halt mit einem Torjäger, der zieht den Ball irgendwie magisch an und lässt sich dann nicht zweimal bitten.“

Ob er froh sei, in dieser Saison nicht mehr gegen Lasogga spielen zu müssen, wurde Schmidt von einem Hamburger Journalisten gefragt. Im Gegenteil, gab der Heidenheimer Trainer zu Protokoll: „Das sind Herausforderungen. Aus solchen Begegnungen können meine Jungs viel mitnehmen.“ Im Übrigen, so Schmidt mit Augenzwinkern, gebe es ja durchaus die Option, dass sich der HSV und der FCH im DFB-Pokal nochmals begegnen.

Keine Enttäuschung aufkommen lassen

Schmidt war es abschließend wichtig, „dass wir jetzt nicht zu enttäuscht sind, weil wir gegen den HSV nur einen Punkt geholt haben“. Das Ergebnis sei ein Erfolg und auf jeden Fall auch verdient, was Kollege Hannes Wolf genauso sah. „Ich glaube, unsere Zuschauer haben viel Spaß mit der Mannschaft in dieser Saison“, sagte Schmidt.

Wohin dieser Spaß am Ende führt? „Keine Ahnung“, hielt sich der Trainer mit einer Prognose zurück: „Ich habe der Mannschaft einfach gesagt: Lasst uns so weitermachen. Wir werden versuchen, das Maximale herauszuholen.“ Am kommenden Freitag (18.30 Uhr) bei der SpVgg Greuther Fürth ist die nächste Gelegenheit dafür.