Heidenheim / Thomas Grüninger Vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den FC St. Pauli sind Robert Glatzel und Denis Thomalla angeschlagen. Schmidt fordert wieder mehr Effektivität vor dem gegnerischen Tor.

Muss der 1. FC Heidenheim im richtungsweisenden Heimspiel gegen den FC St. Pauli am Ostersonntag (13.30 Uhr) auf zwei wichtige Angriffskräfte verzichten? Robert Glatzel, mit bislang zwölf Saisontreffern Heidenheims erfolgreichster Torschütze, meldete sich krank, war Dienstag und Mittwoch nicht im Training. „Es sind ja noch ein paar Tage bis zum Spiel. Ich hoffe schon, dass es nicht so dramatisch ist“, gab sich Schmidt verhalten optimistisch.

Auch Denis Thomalla (sechs Saisontore) musste in dieser Woche bei den Übungseinheiten passen. Der Stürmer war im jüngsten Auswärtsspiel vom Auer Filip Kusic übel attackiert worden. Thomalla erlitt zum Glück nur eine Platzwunde oberhalb des Sprungelenks, die genäht werden musste. Um eine Chance auf einen Einsatz zu bekommen, sollte er „wenigstens wieder gegen den Ball treten können“, sagte Schmidt. Dritter angeschlagener Akteur ist Torhüter Vitus Eicher, der mit Adduktorenproblemen zu tun hatte.

Chancen besser nutzen

Eines der Hauptthemen der zu Ende gehenden Trainingswoche beim FCH hatte ebenfalls mit der Abteilung Attacke zu tun. Es ging um die Effektivität vor dem gegnerischen Tor, die vor allem zuletzt in Aue nicht ganz optimal war. Im Erzgebirge versäumten es die Heidenheimer, eine Reihe guter Chancen zu verwerten, um nach der frühen Führung für klare Verhältnisse zu sorgen. Ein ähnliches Verhalten könnte sich gegen eine Mannschaft wie den FC St. Pauli schnell rächen.

Es habe eine „Botschaft an die Mannschaft“ gegeben, berichtete Schmidt. Thema: Möglichkeiten erarbeiten und sie dann auch entschlossen nutzen. Man wolle zum jetzigen Zeitpunkt nicht im entferntesten den Gedanken zulassen, dass sich solche Dinge in den letzten fünf Spielen von alleine wieder einstellen und es deshalb nicht mehr nötig sei, an sich zu arbeiten.

Über verschiedene Trainingsformen mit engen Räumen vor dem Tor ließ Schmidt deshalb Situationen kreieren, über die gewisse Automatismen beim Torabschluss entwickelt werden sollten. Das alles geschah auch vor dem Hintergrund, dass mit St. Pauli eine Mannschaft nach Heidenheim kommt, die unbedingt gewinnen muss, um sich die Chance auf den Bundesliga-Aufstieg zu erhalten.

„Wir wollen aber auch unbedingt unser Heimspiel gewinnen“, sagt Schmidt. Und so könne durchaus ein intensives Spiel erwartet werden mit viel Hin und Her. „Es steht viel auf dem Spiel. Das wird nicht langweilig“, sagt der Trainer und prognostiziert eine Partie „auf Augenhöhe“.

Trainerwechsel ohne Effekt

Ein Punkt trennt den Tabellensechsten FCH vom Siebten St. Pauli, der seine gute Perspektive mit zuletzt fünf sieglosen Spielen einbüßte (darunter jeweils 0:4-Niederlagen gegen den HSV und Sandhausen). Der vor kurzem vollzogene Trainerwechsel (Jos Luhukay für Markus Kauczinski) blieb in der Vorwoche noch ohne den gewünschten Effekt.

Beim 1:1 gegen Bielefeld wartete Luhukay mit personellen Überraschungen auf, verzichtete zunächst auf Routinier Marvin Knoll und gestattete in der Schlussphase dem erst 18-jährigen Talent Finn Ole Becker sein Zweitliga-Debüt. Auch künftig will der neue Trainer vor personellen Überraschungen nicht zurückschrecken, wie er Hamburger Medien wissen ließ.

Macht das die Aufgabe für den FCH schwerer? „Wir haben unsere Analyse so vorbereitet, dass wir auf jeden Spieler eingestellt sind“, lässt sich Schmidt nicht irritieren. Gegen Bielefeld habe St. Pauli in der ersten Halbzeit mit einem 4-4-2System gespielt, nach der Pause dann auf 4-1-4-1 umgestellt. „Wir haben alles gesehen und lassen uns was einfallen“, verspricht der Heidenheimer Coach. Auch der im Winter vom FCH nach Hamburg gewechselte Kevin Lankford kam gegen Bielefeld als Joker ab der 74. Minute noch zum Einsatz.

Für die Heidenheimer, die nur noch drei Punkte Rückstand auf den dritten Platz haben, könnten vor allem die nächsten beiden Spiele von entscheidender Bedeutung sein, wenn sie tatsächlich noch voll ins Aufstiegsrennen eingreifen wollen. Gegen St. Pauli und eine Woche später in Paderborn geht es jeweils gegen Kontrahenten, die sich ebenfalls noch Chancen ausrechnen dürfen, ganz oben mitzureden.

Keine direkte Zielsetzung

Für Schmidt gilt unterdessen unvermindert die Parole, grundsätzlich jedes Spiel gewinnen zu wollen. Einen „direkte Zielsetzung“ gebe es nicht. Am Sonntag könnte in der Voith-Arena aber möglicherweise ein neuer Rekord aufgestellt werden.

Mit aktuell 46 Punkten hat der FCH seinen bisherigen SaisonHöchstwert seit dem vergangenen Spieltag erreicht. Ein Punkt gegen die Fußballer aus dem Hamburger Vergnügungsviertel würde also schon reichen, um im fünften Jahr der Zweitliga-Zugehörigkeit in eine neue Dimension vorzustoßen.

Ist das Stadion am Sonntag erneut ausverkauft?

Bis Mittwoch hatte der FCH bereits 11 500 Karten fürs Heimspiel am Ostersonntag gegen den FC St. Pauli (13.30 Uhr) verkauft. „Die Sitzplätze sind vergriffen, Stehplatzkarten sind aber noch in allen Kategorien erhältlich“, sagte Pressesprecher Markus Gamm.

Es wäre das zweite Mal hintereinander, dass die Voith-Arena ausverkauft wäre. Schon im letzten Heimspiel gegen den Spitzenreiter 1. FC Köln war das Stadion mit 15 000 Besuchern bis auf den letzten Platz besetzt.

Die Partie gegen St. Pauli ist das drittletzte Heimspiel dieser Saison. Danach empfängt der FCH noch Sandhausen (4. Mai) und Ingolstadt (letztes Spiel am 19. Mai). Auswärts spielen die Heidenheimer noch in Paderborn (28.April) und in Duisburg (12. Mai). tog