2. Liga FCH: Hochs und Tiefs im Wechselspiel

Zum Greifen nah war am Mittwochabend der erste Heidenheimer Zweitliga-Sieg gegen Holstein Kiel. FCH-Trainer Frank Schmidt konnte am Ende aber auch mit dem 2:2 gut leben.
Zum Greifen nah war am Mittwochabend der erste Heidenheimer Zweitliga-Sieg gegen Holstein Kiel. FCH-Trainer Frank Schmidt konnte am Ende aber auch mit dem 2:2 gut leben. © Foto: Eibner/Sascha Walther
Heidenheim / Thomas Grüninger 01.02.2019
Mit dem 2:2 gegen Holstein Kiel kann FCH-Trainer Frank Schmidt am Ende gut leben. Doch am Samstag gegen Dynamo Dresden sollen „ein paar Dinge“ besser gemacht werden.

Zweitliga-Spiele gegen Kiel sind irgendwie immer was Besonderes. Im vergangenen Jahr gab's in der Voith-Arena einen Tag der offenen Tore (3:5), und dann im stürmischen Rückspiel an der Ostsee drei Treffer (1:2), die jeweils das Team erzielte, das gerade Rückenwind hatte.

Bei Kühlschrank-Temperaturen erlebten die Zuschauer am Mittwochabend ein Spiel, dessen Verlauf sich liest wie ein launiger Wetterbericht. Erst ein Heidenheimer Tief mit schnellem Gegentor, dann eine Hoch-Phase mit attraktiven Kontertreffern, schließlich eine 45-minütige Angriffsflaute mit spätem Einschlag. Die ungewöhnliche Drei-Phasen-Partie spiegelte sich auch in den Reaktionen von Trainern und Spielern wider. Hochs und Tiefs folgten sich mit gegenseitiger Wechselwirkung.

Phase eins: die ersten sechs Minuten. Während der Kieler Kollege Tim Walter entzückt war („Besser kann man nicht ins Spiel kommen“), sah Frank Schmidt das Unheil bereits in den Anfangssekunden nahen: „Schon nach dem Anstoß hatten wir uns verzettelt.“ Die Torschützen Robert Glatzel (8 Saisontreffer) und Denis Thomalla (6) nahmen hinterher kein Blatt vor den Mund: „Die ersten Minuten haben wir verpennt.“ Quittung: das 0:1 nach nur vier Minuten.

Phase zwei: 7. bis 45. Minute. Auf einmal läuft es in die andere Richtung. „Astrein gekontert“, habe seine Mannschaft, hat jetzt plötzlich Frank Schmidt Grund zum Schwärmen und verteilt seinem Team „ein Riesenkompliment“. Nun ist's der Kieler Kollege Tim Walter, der mit seinen Schützlingen hadert: „In dieser Phase haben wir den Sieg eigentlich schon hergeschenkt.“

Phase drei: die zweite Halbzeit. Kiel gibt Gas, der FCH beschränkt sich aufs Verteidigen, kommt lange Zeit kaum aus der eigenen Hälfte. Vorbei das flotte Konterspiel vor dem Halbzeitpfiff. „Wir standen kompakt, haben nicht viel zugelassen. Aber die Entlastung nach vorn hat gefehlt“, sagt Robert Glatzel.

Warum stand der FCH plötzlich so tief? Lag's an der Kieler Stärke oder am eigenen Unvermögen? „Von beidem etwas“, glaubt Glatzel. „Es war unheimlich schwer für uns, gegen dieses Aufbau- und Übergangsspiel ins Pressing zu kommen“, urteilt Frank Schmidt. Dennis Thomalla umschreibt es so: „Kiel spielt unheimlich variabel. Da wechseln die Innenverteidiger auf die Sechser-Position.“ Und irgendwie fehlt in diesem Moment einer wie Sebastian Griesbeck, der dem Gegner ungern das Mittelfeld freiwillig überlässt.

„Von hinten wurden nur noch lange Bälle geschlagen. Kevin Müller hatte keine Anspielstation mehr. Im Endeffekt hat man gemerkt, es wird von Aktion zu Aktion gefährlicher für uns“, meinte Denis Thomalla. Das Ende vom Lied: Ausgerechnet ein Eigentor.

„Wenn dann noch ein Tor fällt und man schießt es selber, ist das natürlich bitter“, sagt Frank Schmidt. Dem Unglücksraben Timo Beermann konnte unterdessen keiner einen Vorwurf machen.

Bewertung des Spiels: eine Frage der Perspektive. Alles andere als ein Punktgewinn wäre für seine Mannschaft „sehr, sehr unverdient“ gewesen, sagt Tim Walter. „Wenn man diese Abwehrschlacht nach Hause bringt, hat man auch den Sieg verdient gehabt“, sagt Frank Schmidt, der aber auch hinzufügt: „Wir können mit diesem 2:2 leben.“

Ein paar Dinge, so der Heidenheimer Trainer, habe seine Mannschaft „nicht so optimal“ gelöst: „Vor allem im Spiel gegen den Ball. Aber das können wir in ein paar Tagen schon wieder besser machen.“ Am morgigen Samstag (13 Uhr) gegen Dynamo Dresden ist die nächste Gelegenheit.

Zuschauerzahl erstmals in dieser Zweitliga-Saison nur vierstellig

Erstmals in dieser Zweitliga-Spielzeit lag am Mittwoch die Zuschauerzahl bei einem FCH-Heimspiel nur im vierstelligen Bereich. 9000 Besucher waren nach offiziellen Angaben beim 2:2 gegen Kiel in der Voith-Arena.

Sportliche Gründe dürften kaum den Ausschlag für die vergleichsweise bescheidene Kulisse gegeben haben, schließlich spielte der punktgleiche Tabellensechste gegen den Fünften - wenn man so will also ein echtes Verfolgerduell.

Die späte Anstoßzeit (20.30 Uhr) und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt hielten sicher manche Zuschauer davon ab, in die Voith-Arena zu gehen. Die Strapazen einer weiten Anreise aus Kiel nahmen zudem nur wenige gegnerische Fans auf sich. Der Gästeblock war allenfalls halb gefüllt.

Dass Abendspiele im Winter selten Kassenschlager sind, ist indessen keine überraschend neue Erfahrung. Den mit Abstand schlechtesten Stadionbesuch bei einem Pflichtspiel dieser Saison hatten die Heidenheimer im DFB-Pokalspiel Ende Oktober gegen Sandhausen. 4300 Zuschauer kamen damals. Spielbeginn war um 20.45 Uhr.

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