Heidenheim FCH: „Kein Angsthasenfußball“ beim großen HSV

© Foto: Eibner
Heidenheim / Thomas Grüninger 14.09.2018
Dem großen HSV will der 1. FC Heidenheim am Samstag nicht mit zu großem Respekt begegnen. Trainer Frank Schmidt setzt auf Spieler, „die keinen Streifen in der Hose haben“.

Der kleine FCH beim großen HSV – und das Ganze vor über 40 000 Zuschauern: Auch wenn die Rollen zwischen Favorit und Außenseiter am Samstag im Hamburger Volksparkstadion (13 Uhr) klar verteilt sind – wie das Kaninchen vor der Schlange wollen sich die Heidenheimer nicht präsentieren. Mehrfach betonte Frank Schmidt gestern Vormittag vor der Abreise in die Hansestadt, dass er auf ein mutiges und selbstbewusstes Ensemble setzt.

„Wir werden dort keinen Angsthasenfußball spielen“, versprach er. „Verstecken verboten!“, laute die Devise. Seinen Spielern habe er jeden Tag gesagt, dass ihn so Themen wie „große Augen, großes Stadion oder wo kriege ich nach dem Spiel ein Trikot her“ nicht interessieren. Humorvoll trieb der Trainer seine Ansprüche dann noch auf die Spitze: „Vor dem Spiel geht's letztlich darum: Wer hat einen Streifen in der Hose und wer nicht?“

Große Namen

Auch wenn der HSV mit all seinen großen Namen sicher von Anfang an Druck machen und auf seine geballte Offensivpower setzen wird, so will der FCH dennoch auch forsch seine Chancen suchen. Die Hamburger haben nach der Auftaktpanne gegen Kiel (0:3) zuletzt zweimal 3:0 gewonnen, aber Schmidt blieb nicht verborgen, dass der HSV „in jedem Spiel auch Fehler machte“.

Es gehe darum, eine effektive Mischung zu finden zwischen einer taktisch guten Defensivarbeit und einem schnellen, mutigen Kombinationsspiel. Dass der einstige Bundesliga-Dino auch schon Schwächen bei gegnerischen Standards offenbarte, will man sich ebenfalls zunutze machen, sollte sich die Gelegenheit dazu bieten. In diesem Zusammenhang registrierte Schmidt erfreut, dass sein Kapitän Marc Schnatterer kürzlich im Training wieder demonstrierte, dass für den Freistoß-Spezialisten 50 Meter Torentfernung „keine „unüberwindbare Distanz darstellen“.

Die Heidenheimer Visiere scheinen also wieder gut eingestellt, nachdem es zuletzt beim 0:1 gegen Darmstadt nicht gelungen war, die vorhandenen Chancen zu nutzen. Da kam der starke Offensivauftritt beim 5:0 im Test gegen Drittligist Würzburg vor kurzem wie gerufen. „Das hilft uns im Blick auf Hamburg, wenn man weiß, wir haben viele Spieler, die aus vielen Positionen Tore machen können“, sieht der Trainer den Test als rundum gelungen an.

Was sagt die Statistik?

Statistisch gesehen haben die Heidenheimer gegen Mannschaften, die im Vorjahr noch in der Bundesliga spielten, allerdings nicht gerade eine Vorzeigebilanz aufzuweisen. Nur eines von zwölf solchen Duellen wurde gewonnen. Das freilich hatte es in sich: Vor ziemlich genau zwei Jahren siegte der FCH mit 2:1 beim VfB Stuttgart – vor über 52 000 Zuschauern.

War das eine ähnliche Situation? Schmidt scheut den Vergleich, weil sich die Verhältnisse von damals und heute verändert hätten: „Aber eines zeigt dieses Spiel in Stuttgart: Dass man an einem guten Tag auch große Gegner schlagen kann.“

Einen solchen großen Tag wird der FCH auch am Samstag brauchen. „Wenn wir eine Chance haben wollen, müssen wir viele Dinge sehr gut machen“, gibt sich Schmidt keinen Illusionen hin. Wie es geht, hat am ersten Spieltag Holstein Kiel demonstriert. Der 3:0-Sieg der „Störche“ könne seiner Mannschaft in mancherlei Hinsicht durchaus als Muster dienen, sagte der Trainer, schränkte aber zugleich ein, man dürfe das Spiel nicht überbewerten, weil am ersten Spieltag manche Dinge noch nicht richtig funktionieren.

Erfreuliches gibt es von der Personalfront. In der Länderspielpause konnten einige Blessuren auskuriert werden. Nur Linksverteidiger Arne Feick (doppelter Bänderriss am Sprunggelenk) ist aktuell noch verletzt. Auch Innenverteidiger Mathias Wittek trainiert seit dieser Woche wieder voll, stellt aber für Samstag laut Schmidt noch keine Option dar.

Debütiert der Südkoreaner Hee-Chen Hwang gegen den FCH?

Am Mittwochabend erst ist Hee-Chen Hwang in Hamburg eingetroffen, gegen den FCH will er sein Debüt geben. Ob es dazu kommt, ließ HSV-Trainer Christian Titz im Vorfeld allerdings offen.

Den 22-Jährige Hwang leihen die Hamburger vom österreichischen Meister RB Salzburg aus. Der Linksaußen war zuletzt mit der U 23 und der A-Nationalmannschaft Südkoreas vier Wochen auf Tour.

So oder so müssen sich die Heidenheimer auf einen offensivstarken Gegner einstellen. Neben dem bundesligaerfahrenen Mittelstürmer Pierre-Michel Lasogga wäre mit Khaled Narey, den zuletzt eine bakterielle Entzündung außer Gefecht setzte, eine weitere Offensivkraft nun wieder einsatzfähig.

Passen muss hingegen Mittelfeldspieler Lewis Holtby. Der Deutsch-Engländer verdrehte sich im Training das Knie.

Apropos Training: In Hamburg gab's in den vergangenen Tagen offenbar mehrere Einheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In Heidenheim war das nicht der Fall.

Dafür wurde auf dem Schlossberg ein vermeintlicher „Trainingsspion“ ausgemacht, der für den HSV Videos anfertigen wollte. „Wir haben ihn aber schnell entlarvt“, sagte Frank Schmidt. Der Beobachter musste ohne Anschauungsmaterial das Trainingsgelände verlassen.

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