Heidenheim FCH zeigte sich nervenstark im Geduldsspiel gegen Bochum

Heidenheim / Edgar Deibert 01.10.2018
Der 1. FC Heidenheim ringt dank Kampf, Leidenschaft, spielerischen Ansätzen und durch Mithilfe des gegnerischen Torhüters den VfL Bochum mit 3:2 nieder.

Volksfeststimmung im Heidenheimer Stadion. Auch, weil das Heimspiel gegen den VfL Bochum aus Sicht der FCH-Fans einer Achterbahnfahrt glich. Die Gastgeber fingen stark an, um noch stärker nachzulassen. Die Aufholjagd ähnelte letztlich einem Drahtseilakt ohne Netz und doppelten Boden. Die Belohnung waren stehende Ovationen – und das lange vermisste Gefühl: Im „Wohnzimmer“ von Marc Schnatterer ist alles möglich.

Die Voraussetzungen: Beide Mannschaften standen vor dem letzten Spiel der „englischen Woche“ unter Druck. Nach einem Heimsieg gegen Fürth enttäuschte der FCH am Mittwoch bei der Niederlage in Regensburg. Die Bochumer holten bis zu ihrem Auftritt in Heidenheim sogar nur einen Punkt aus zwei Begegnungen.

Die Aufstellung

In Regensburg gab es beim FCH gleich sechs Wechsel – wohl des Guten zuviel. Gegen Bochum rotierte Heidenheims Trainer Frank Schmidt zurück. Im Vergleich zur Formation gegen Fürth waren es zwei Veränderungen, wobei Stammtorwart Kevin Müller die Nummer zwei, Vitus Eicher, ersetzte und der formstarke Robert Glatzel folgerichtig Patrick Schmidt verdrängte.

Beim VfL Bochum fiel kurzfristig Spielgestalter Sebastian Maier aus.

Das Zweikampfverhalten

Gegen Regensburg zeigte der FCH die schlechteste Saisonleistung – vor allem was das Defensivverhalten angeht. Gegen Bochum gefielen die Heidenheimer mit einer anderen Körpersprache, traten mutig und engagiert auf. Ballführende Gegenspieler wurden sofort attackiert, dabei gab es in der Regel eine Absicherung. So hatten die Gäste Probleme, in die Nähe des FCH-Strafraums zu gelangen und waren oft zu Rückpässen gezwungen.

Die spielerischen Elemente

Die zweite Auffälligkeit war das Heidenheimer Kombinationsspiel. Immer wieder gab es gelungene Passstaffetten über mehrere Stationen. Im Vergleich zum Spiel in Regensburg war es eine deutliche Verbesserung. Das wohl schönste Zusammenspiel führte zum 1:0.

Die Tore

Dieses Mal war alles dabei, von flüssigen Kombinationen, über Flanken bis Standards. Das Umschaltspiel beherrscht der FCH. Innenverteidiger Timo Beermann löste vor der ersten Führung eine Situation im eigenen Strafraum. Seinen langen Ball wiederum verarbeitete Robert Glatzel und bediente Nikola Dovedan. Der Österreicher lief allen Abwehrspielern davon und chippte den Ball über Bochums Keeper Manuel Riemann ins Tor (11. Minute).

Das zwischenzeitliche 2:2 resultierte aus einer schönen Flanke von Marnon Busch auf Glatzel, der per Kopf seinen sechsten Saisontreffer markierte (77.). Nach einem Foul an Dovedan kurz vor dem Bochumer Strafraum erzielte Marc Schnatterer sein siebtes Freistoßtor in der 2. Liga (84.). Es war zugleich der 40. Treffer des FCH-Kapitäns im Unterhaus. Begünstigt wurde das Tor allerdings durch einen Stellungsfehler des Gäste-Keepers, der die Torwartecke sträflich vernachlässigte.

Die Gegentore

In der Abwehr verliert der FCH weiterhin bisweilen die Übersicht. Vor dem Ausgleich ließ Maximilian Thiel bei einem langen Bochumer Ball auf der linken Abwehrseite Stefano Celozzi aus den Augen. Dieser flankte nach innen in den Rücken der Abwehr, Niklas Hinterseer hatte keine Mühe das 1:1 zu erzielen (21.). Es war der erst zweite Bochumer Torschuss.

Beim Führungstreffer der Gäste agierten gleich mehrere FCH-Spieler nicht zwingend genug. Nach einem langen Pass von Bochums Torwart Riemann kam Busch zu spät gegen Hinterseer, von dessen Oberschenkel der Ball Richtung Tor gelangte. Zwischen Patrick Mainka und Timo Beermann kam Tim Hoogland mit der Fußspitze gerade noch so an den Ball und spitzelte ihn so an FCH-Torhüter Kevin Müller vorbei (31.).

Das Manko

Nach der gelb-roten Karte gegen Bochums Anthony Losilla (34.) agierte der FCH in Überzahl, tat sich aber gegen vor allem in der zweiten Halbzeit diszipliniert und tief stehende Gäste äußerst schwer. Lange Zeit erinnerte die Partie an das Gastspiel in Darmstadt in der vergangenen Saison, in dem den Heidenheimern eine Überzahl ab der 17. Minute nur zu einem 1:1 reichte. Vor allem die Standards, eigentlich eine FCH-Stärke, sorgten – bis kurz vor Schluss – für kaum Gefahr.

Die Stärke

Obwohl ein Angriff nach dem anderen bis in die Schlussphase hinein verpuffte, ließ der FCH in keiner Phase des Spiels nach. Im Gegenteil, leidenschaftlich, engagiert – und fast schon trotzig – stemmte sich Heidenheim gegen die drohende Niederlage. Und zermürbte letztlich das Bochumer Bollwerk.

Die Schreckminute

Bei einem Bochumer Konter parierte FCH-Torhüter Müller sehenswert einen Schuss von Jan Gyamerah (75.), nur kurz drauf traf Celozzi den Pfosten des Heidenheimer Tors (76.).

Der Spieler des Spiels

Nikola Dovedan war omnipräsent. Als ständiger Antreiber, Torschütze und Vorbereiter des Siegtreffers. Der Österreicher hat sich zu einer wichtige Säule entwickelt.

Der Ausblick

Der FCH hat als Tabellenzwölfter nun elf Punkte, drei mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison. Am Sonntag geht's zu Union Berlin (13.30 Uhr).

Hier geht’s zu den Stimmen zum Spiel gegen Bochum.

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