Heidenheim FCH: Ohne Verhoek und Beermann gegen Düsseldorf

Die Richtung ist klar: Trainer Frank Schmidt und seine Mannschaft wollen gegen Fortuna Düsseldorf gewinnen.
Die Richtung ist klar: Trainer Frank Schmidt und seine Mannschaft wollen gegen Fortuna Düsseldorf gewinnen. © Foto: Eibner
Heidenheim / Thomas Grüninger 13.04.2018
Vor dem Spiel gegen den Tabellenführer Fortuna Düsseldorf (Sonntag, 13.30 Uhr) arbeitet der FCH an seinen eigenen Fehlern.

Frank Schmidt bediente sich Begriffen aus der Computersprache, um seine Devise vor dem Heimspiel des 1. FC Heidenheim am morgigen Sonntag gegen Fortuna Düsseldorf (13.30 Uhr) bildhaft zu umschreiben. „Wir haben den ganzen Müll gedanklich weggeworfen und die Festplatte bereinigt“, sagte der Trainer gestern.

Man kann's auch anders ausdrücken: Die individuellen Fehler, die den FCH mit vier Niederlagen und sechs sieglosen Spielen in Folge auf den Abstiegs-Relegationsplatz bugsierten, sollen nicht länger im Fokus stehen, die morgige Aufgabe gegen den Zweitliga-Spitzenreiter möge stattdessen als neue Chance begriffen werden, das Feld von hinten aufzurollen. „Wir wollen uns nicht so sehr mit dem belasten, was schiefgehen kann, sondern auf das schauen, was wir erreichen können“, sagte Schmidt.

Individuelle Patzer im Defensivverhalten: Wie ein roter Faden zog sich dieses Manko durch die jüngsten Auftritte der Heidenheimer. Zuletzt in Nürnberg genügten drei Aussetzer, um sich selbst der Früchte einer – vor allem in der zweiten Halbzeit – respektablen Leistung zu berauben. Man müsse die Patzer dringend abstellen, sagte Schmidt.

Viele Einzelgespräche geführt

Aber wie geht das? Kann man trainieren, keine Fehler zu machen? Am meisten lässt sich da wohl in persönlichen Gesprächen zwischen Trainer und Spielern erzielen. Die gab es laut Schmidt in dieser Woche auch häufiger als sonst. Seine Erkenntnis: Die Spieler seien nicht von Selbstzweifeln geplagt, „sind motiviert, haben Biss und die Gier, sich da rauszuhauen.“

Statt immer wieder zurückzuschauen und zu lange in der Fehleranalyse zu verharren, gelte es jetzt, den Blick nach vorne zu richten – auf die nächste Aufgabe. Die ist nicht eben einfach, denn immerhin kreuzt Zweitliga-Tabellenführer Fortuna Düsseldorf in der Voith-Arena auf. „Es wird schwer, sie zu schlagen“, macht sich Schmidt nichts vor, „aber es ist nicht unmöglich.“

Jeder könne sich vorstellen, „wie wichtig ein Erfolgserlebnis für uns ist“, betonte der FCH-Trainer und gewann dem Aspekt, dass es gegen den Liga-Primus geht, positive Seiten ab.

Gerade gegen den Tabellenführer würde ein dreifacher Punktgewinn nochmals Kräfte freisetzen, um die derzeitigen Stimmungsschwankungen in eine positive Richtung zu drehen. Ein Erfolgserlebnis würde, so ist Schmidt überzeugt, zudem den Glauben aller Beteiligten, vor allem auch im Umfeld, an den direkten Klassenerhalt stärken.

Die Düsseldorfer sind nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge selbst etwas in Zugzwang geraten, wenngleich sie nach wie vor mit sieben Punkten vor dem Aufstiegs-Relegationsplatz stehen. Personelle Probleme haben die Fußballer vom Niederrhein derzeit vor allem in der Innenverteidigung, wo mit dem gesperrten Kaan Ayhan und dem verletzten André Hoffmann die beiden Stabilisatoren fehlen. Daneben wird wohl auch Kapitän Oliver Fink morgen in Heidenheim passen müssen.

Respekt hat Schmidt vor dem „beeindruckenden Umschaltspiel über Außen“, das die Fortunen aufziehen können. Sie seien dabei im Abschluss keineswegs allein von Torjäger Rouwen Hennings (elf Saisontreffer) abhängig: „Düsseldorf kann aus vielen Positionen Tore machen.“

Beim FCH hat sich die personelle Situation wieder etwas entspannt, nachdem zum Wochenbeginn gleich fünf Stammkräfte mit dem Training pausieren mussten. „Höchstwahrscheinlich“ wird Schmidt morgen auf Timo Beermann verzichten müssen, der Probleme mit der Bauchmuskulatur und dem Schambein beklagt und in dieser Woche keine Übungseinheit absolvieren konnte.

Auf „maximal 50:50“ bezifferte der Trainer die Einsatzmöglichkeit von Stürmer John Verhoek, der nach wie vor Beschwerden am Oberschenkel hat. Der Niederländer, mit neun Treffern bislang erfolgreichster Heidenheimer Torschütze, hat erst am Donnerstag mit individuellem Training beginnen können.

Ebenfalls noch ein Fragezeichen angebracht ist hinter Sebastian Griesbeck. Er stieg Mitte dieser Woche wieder ins Mannschaftstraining ein. Es müsse sich kurzfristig zeigen, ob „Griese“ wieder eine Option sei, sagte Schmidt. Nicht gefährdet sind dagegen die Einsatzmöglichkeiten von Marc Schnatterer und Maxi Thiel, die nach dem Nürnberg-Spiel ebenfalls angeschlagen waren.

Obwohl Schmidt durch Beermanns Ausfall in der sensiblen Abwehr-Viererkette erneut zum Umstellen gezwungen ist, nennt er als Ziel, für die letzten fünf Punktspiele dieser Saison „eine Formation zu finden, die regelmäßig zur Verfügung steht“.

Schmidts Forderung, die Fehlerquote deutlich zu senken, soll gleichwohl nicht dazu führen, dass die Spieler ängstlich agieren. Man dürfe Fehler machen, aber sie sollten aus Leidenschaft entstehen, nicht aus Furcht oder gar Bequemlichkeit, betonte der Trainer. Würden sie passieren, sei es wichtig, zusammenzustehen, um sie gegenseitig auszubügeln.

Körpersprache ist wichtig

Der Heidenheimer Coach erwartet von seinen Schützlingen, dass sie ihren Siegeswillen von Beginn an auch durch ihre Körpersprache signalisieren. Dann, so Schmidt, könne es zur erhofften Initialzündung kommen.

„Ich bin überzeugt, dass wir in einem vollen Stadion, bei einer tollen Atmosphäre, in einem heißen Spiel drei Punkte holen können“, gab sich der Trainer abschließend zuversichtlich.

In der Tat hat die morgige Partie gute Chancen, zu den bestbesuchten Heimspielen dieser Saison zu zählen. Im Vorverkauf seien bereits 11 000 Karten abgesetzt worden, hieß es von Seiten des FCH.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel