Heidenheim Wie Frank Schmidt seine Mannschaft „extrem fit“ machen will

Heidenheim / Thomas Grüninger 21.06.2018
Mit der sportmedizinischen Untersuchung begann am Mittwoch die Saisonvorbereitung beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim. Frank Schmidt hat hohe Ansprüche an die konditionelle Verfassung seiner Spieler – und erweitert sein Trainerteam.

Um acht Uhr war am Mittwochfrüh die Sommerpause für die Spieler des Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim unwiderruflich zu Ende. Nach einer kurzen Begrüßung mit Vorstellung der neuen Spieler und Trainer richtete Chefcoach Frank Schmidt schnell den Fokus auf das, was seine Akteure in den kommenden sechs Wochen erwartet, ehe am Wochenende vom 3. bis 4. August der Anpfiff zur fünften Heidenheimer Zweitliga-Saison ertönt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum FCH-Neustart.

Wer fehlte am ersten Tag?

Keiner. Alle 27 Spieler des aktuellen Kaders fanden sich zur sportmedizinischen Untersuchung ein. Nach einer Leistungsdiagnostik am heutigen Donnerstag und einem Belastungs-EKG am Freitag startet die Mannschaft am Samstag um 7.30 Uhr ins erste Trainingslager nach Geinberg (Oberösterreich).

Kamen alle fit zurück?

Nicht ganz. Kolja Pusch bekam vor zwei Wochen sämtliche Weisheitszähne gezogen und konnte sein individuelles Trainingsprogramm ein paar Tage lang nur eingeschränkt absolvieren. Nikola Dovedan war zwischendurch krank, will aber nächste Woche wieder voll einsteigen.

Wie steht's um die Neuen?

Nur Patrick Schmidt muss noch kürzertreten. Der Torjäger (19 Treffer für Regionalligist 1. FC Saarbrücken) erlitt im Relegationsspiel mit seinem Ex-Klub einen Rückschlag am lädierten Außenband des Knies. Für ihn steht vorerst noch Individualtraining auf dem Programm. Wie lange, muss sich zeigen. Frank Schmidt: „Der Saisonstart ist aber nicht in Gefahr.“

Was erwartet die Spieler in den nächsten Tagen?

In Geinberg steht vor allem die Arbeit im konditionellen Bereich im Mittelpunkt. Drei bis vier Einheiten am Tag sind geplant, die erste schon um sieben Uhr, noch vor dem Frühstück.

Was ist der Schwerpunkt in der ersten Vorbereitungsphase?

„Wir haben den Anspruch, konditionell zu den Topteams der Liga zu gehören“, sagt der Trainer. Intensiv hat Schmidt gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Holger Sanwald die zurückliegende Saison analysiert. Eine Erkenntnis: Zuviele Gegentore habe man in der Schluss-Viertelstunde bekommen.

Wie reagiert der Trainer darauf?

„Wir wollen extrem fit in die Saison gehen“, lautet Schmidts Vorgabe. Die stattliche Zahl von 56 Gegentreffern in der vergangenen Saison habe „nicht nur mit mannschaftstaktischem oder individuellem Verhalten, sondern auch mit der körperlichen Verfassung zu tun“, ist er überzeugt.

Wer über eine gute konditionelle Ausstattung verfüge, agiere auch konzentrierter, produziere weniger Fehler und habe dadurch mehr Selbstvertrauen. Man wolle deshalb wieder verstärkt daran arbeiten, „im Grundlagenbereich eine Top-Basis aufzubauen.“

Was ändert sich im Funktionsteam?

Bernhard Raab wird Schmidts neuer Co-Trainer, der bisherige Schmidt-Assistent Christian Gmünder wechselt dafür ins Hartmann-Nachwuchsleistungszentrum. Als zweiter Co-Trainer mit Schwerpunkt Analyse fungiert künftig Dieter Jarosch (bisher vor allem im Scouting tätig), der vor kurzem die A-Lizenz erwarb. Er soll nicht nur gegnerische Teams analysieren, sondern auch die Spiele der eigenen Mannschaft. Zudem ist er mit zuständig für ein Talente-Training, bei dem künftig aufstrebende junge Spieler und Profis, die Defizite aufarbeiten müssen, zusammenkommen.

Jarosch wird auch mit Spielern trainieren, die nicht zum jeweiligen Spieltags-Aufgebot gehören und deshalb auch nicht zum Auswärtsspiel mitreisen. Bernhard Raab unterstützt Schmidt bei der inhaltlichen Trainingsarbeit. Da er im Nachwuchsleistungszentrum einige Jahre mit Jugendlichen zusammenarbeitete, schätzt Schmidt auch dessen „ausgeprägte Sozialkompetenz.“

Was sagt der Trainer zur neuen Kaderzusammenstellung?

„Wir wollten die Mannschaft verjüngen, wollte frisches Blut, Spieler, die extremen Hunger haben auf den Fußball, den wir hier spielen“, sagt Schmidt. Man sei zum jetzigen Zeitpunkt so aufgestellt, wie es geplant war. Sollten sich in der Vorbereitungsphase neue Entwicklungen im Personalbereich ergeben, habe man noch Zeit, zu reagieren. „Ab jetzt hat es jeder Spieler selbst in der Hand, zu zeigen, was er aus seiner Situation machen kann. Wir werden das in den kommenden Wochen genau beobachten.“

Wie wichtig ist der Teamgeist?

„Für Egoismus ist hier kein Platz“, stellt Schmidt unmissverständlich klar. Er erwarte von jedem Spieler, dass er die Mannschaft bedingungslos unterstützt – egal ob er gerade spielt oder nicht. Aus unterschiedlichen Gründen habe es in der vergangenen Saison diese hundertprozentige Einheit nicht in jeder Phase gegeben. In diesem Punkt hinterfrage er sich auch als Trainer kritisch. Am neuen Teamgeist werde man arbeiten: „Das kommt nicht automatisch.“

Bleibt Marc Schnatterer Kapitän?

Diese Entscheidung werde fallen, nachdem er sich mit Schnatterer besprochen habe. „Es wäre aber eine große Überraschung, wenn es nicht so käme“, sagt Schmidt. Die Frage nach den weiteren teaminternen Hierarchien (stellvertretende Kapitäne, Besetzung des Spielerrats) soll gegen Ende der Vorbereitung beantwortet werden. Noch weiß Schmidt nicht, ob er diese Personalien selbst bestimmen wird oder ob er die Mannschaft wählen lässt. Auch in diesem Bereich könnte es eine Veränderung geben: „Ich will weg von Selbstverständlichkeiten“, sagt er.

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