Kaiserslautern Der FCH vergibt den ersten Matchball

Kaiserslautern / Edgar Deibert/Thomas Grüninger 06.05.2018
Nach der 0:1-Niederlage bei Absteiger 1. FC Kaiserslautern geht's im letzten Spiel am Sonntag gegen die SpVgg Greuther Fürth darum, den Sturz auf Platz 16 zu vermeiden.

Vor dem letzten Spieltag dieser verzwickten Saison müssen die Fans des 1. FC Heidenheim doch nochmals den Rechenschieber hervorholen. Der FCH hätte sich am Sonntag mit einem Sieg beim bereits abgestiegenen 1. FC Kaiserslautern endgültig in Sicherheit bringen können.

Doch statt des erhofften dreifachen Punktgewinns gab's nach guter Anfangsphase und schwacher zweiter Halbzeit mit dem Lauterer Siegtreffer durch Sebastian Andersson (68.) nur lange Gesichter im Lager der Heidenheimer.

„Es war eine völlig unnötige Niederlage“, kommentierte FCH-Trainer Frank Schmidt. „Wir hätten heute alles klarmachen können. Allerdings hat die Effektivität der letzten Wochen gefehlt.“ Bis zur 38. Minute habe sein Team das Spiel komplett dominiert und gar nichts zugelassen, versäumte es aber, in Führung zu gehen. In der zweiten Halbzeit sei die Partie ausgeglichen verlaufen.

Die Situation stellt sich nun so dar, dass die Heidenheimer zwar nicht mehr auf einen direkten Abstiegsplatz zurückfallen können, aber möglicherweise noch auf Rang 16. Um sicherzugehen, sollten die Schützlinge von Frank Schmidt gegen die SpVgg Greuther Fürth am Sonntag (15.30 Uhr) mindestens einen Punkt holen. Die Fürther, die sich gestern vom MSV Duisburg mit 2:2 trennten, fielen auf Rang 17 zurück und müssen nun ihrerseits in Heidenheim unbedingt gewinnen.

Da am letzten Spieltag mit Darmstadt und Aue noch zwei Mitkonkurrenten, die hinter dem FCH platziert sind, aufeinandertreffen, wird eines dieser beiden Teams auf jeden Fall am Ende schlechter als Heidenheim platziert sein. Also: Verliert der FCH am Sonntag gegen Fürth, dann könnte noch Platz 16 drohen. Das würde bedeuten, dass es in die Relegationsspiele gegen den Drittliga-Dritten Karlsruher SC geht.

Bei sommerlichen Temperaturen um 25 Grad begannen die Heidenheimer gestern im traditionsreichen Fritz-Walter-Stadion durchaus engagiert, hatten einige Chancen vor allem durch Maximilian Thiel und Nikola Dovedan. Gegen Ende der zweiten Halbzeit passten sich die Gäste aber zunehmend der harmlosen Vorstellung der Lauterer an. Folglich fiel das Niveau deutlich ab – und die gut 25 000 Besucher auf dem Betzenberg quittierten das Gesehene zur Pause mit einem Pfeifkonzert.

Die Missfallensbekundungen betrafen natürlich die Vorstellung des Pfälzer Traditionsklubs, der bis zum Seitenwechsel nicht ein einziges Mal für richtige Gefahr vor dem FCH-Tor hatte sorgen können. Die Pfiffe zeigten jedoch Wirkung. Denn mit Wiederbeginn präsentierte sich der vierfache deutsche Meister deutlich engagierter. Vor allem der eingewechselte Ghanaer Manfred Osei Kwadwo sorgte für tüchtig Wirbel.

Der FCH fand plötzlich nicht mehr richtig ins Spiel, gestattete den „Roten Teufeln“ zuviel Spielraum und musste nach wenigen Minuten richtig bangen, als Osawe vor Kevin Müller zum Schuss kam, den Heidenheimer Torhüter aber nicht überwinden konnte (49.). Plötzlich war ein Riss im Heidenheimer Spiel. Auch der Doppelwechsel mit den frischen Offensivkräften Robert Glatzel und Tim Skarke brachte nicht den erhofften Umschwung.

Skandinavische Co-Produktion

So fiel auch das Tor des Tages letztlich nicht mehr überraschend: FCK-Keeper Marius Müller leitete den Angriff ein, Vorbereitung und Abschluss waren eine skandinavische Co-Produktion. Der Däne Mads Albæk überwand mit einem Traumpass die aufgerückte FCH-Defensive, der Schwede Sebastian Andersson ließ sich nicht mehr stoppen und schob zum 1:0 ein. „Da machen wir in der Abwehr den Fehler, auf Abseits zu spielen. Das darf natürlich nicht passieren“, ärgerte sich Schmidt.

Die Heidenheimer versuchten, dem Spiel nochmals eine Wende zu geben, doch wirkten die Angriffsbemühungen eher verkrampft, es fehlte an zündenden Ideen, Zielstrebigkeit und sicherem Passspiel. Dennoch wäre fast noch der Ausgleich gelungen.

Glatzel ganz knapp im Abseits

In der 84. Minute donnerte der Ex-Lauterer Robert Glatzel per Direktschuss die Kugel nach Vorarbeit von Maximilian Thiel ins Netz. Der Jubel der Heidenheimer erfolgte jedoch zu früh: Glatzel stand – wenn auch minimal – im Abseits. In der Schlussphase gab es dann noch eine strittige Szene. Tim Skarke ging im Strafraum gegen Fechner zu Boden – und forderte Elfmeter. Es war schwer zu erkennen, ob der Lauterer den Ball auch tatsächlich traf. Die Pfeife von Schiedsrichter Martin Thomsen blieb jedenfalls stumm (88.).

Die letzte große Möglichkeit auf den Ausgleichstreffer hatte schließlich Denis Thomalla, als bereits die vierminütige Nachspielzeit lief. Er zirkelte einen Freistoß an der Lauterer Mauer vorbei. Torhüter Marius Müller konnte aber den gefährlichen Schuss noch entschärfen.

Damit ist die Entscheidung im Kampf um den Klassenerhalt nochmals vertagt. „Manchmal muss man Umwege gehen und den schweren Wege gehen“, sagte Schmidt am Ende und fügte hinzu: „Aber dazu sind wir bereit. So verrückt es sich anhört: Wir freuen uns auf das Spiel gegen Fürth, weil wir zu Hause alles klarmachen können.“

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