Heidenheim / Thomas Grüninger In der Winterpause könnte das Personalkarussell unvorhergesehen nochmals in Schwung kommen, weil mit Kolja Pusch, Kevin Lankford und Oliver Steurer drei Spieler möglicherweise gehen.

Für Holger Sanwald gebe es im Moment eigentlich wenig Grund, während der Winterpause noch an personellen Stellschrauben des Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim zu drehen. Schließlich geht der FCH mit starken 30 Punkten ins neue Jahr – es ist die beste Bilanz nach 18 Spieltagen seit Zweitliga-Zugehörigkeit.

Zudem hat Sanwald mit den Vertragsverlängerungen von Trainer Frank Schmidt und Offensivspieler Nikola Dovedan (jeweils bis 2023) zwei ganz wichtige Hausaufgaben schon erledigt.

Das Karussell kommt unvorhergesehen in Schwung

Doch unvorhergesehen scheint nun das Personalkarussell doch nochmals in Schwung zu kommen. In Gang gebracht wurde es durch drei Spieler, die im bisherigen Saisonverlauf nur zu wenigen Einsätzen kamen und deshalb nicht abgeneigt wären, noch in diesem Winter den Verein zu wechseln. Konkret handelt es sich um Kolja Pusch, Kevin Lankford und Oliver Steurer.

Aus Sicht des FCH würde im Augenblick kein Handlungsbedarf bestehen, und es gebe ja aktuelle Beispiele, die zeigen, wie schnell es gehen kann, plötzlich wieder auf dem Rasen zu stehen, meinte Sanwald.

Denis Thomalla etwa stand anfangs dieser Saison lange Zeit nicht im Spieltagsaufgebot, dann aber nutzte er seine Chance und „zündete“ zuletzt in vier Spielen hintereinander als Torschütze.

Andererseits hat Sanwald aber auch Verständnis dafür, wenn sich Spieler mehr Einsatzzeiten wünschen und hier im Augenblick eher anderswo ihre Chance sehen. „Kolja Pusch hat uns signalisiert, dass er mit seiner augenblicklichen Rolle nicht ganz glücklich ist“, sagte der FCH-Vorstandsvorsitzende auf Anfrage.

Offensichtlich gibt es zwei Vereine, die Interesse haben, den 25-Jährigen, der bisher 2018/19 nur fünf Einsätze hatte, zu verpflichten. Auch die Möglichkeit einer Ausleihe steht im Raum.

Verhandlungen mit Ingolstadt

Ähnlich verhält es sich bei FCH-Eigengewächs Kevin Lankford. Der Vertrag des 20-Jährigen (sechs Saisoneinsätze) läuft im kommenden Sommer aus. Die Zeichen verdichten sich, dass er schon vorher seine Zelte in Heidenheim abbricht.

Ein dritter möglicher Abgang könnte Oliver Steurer sein. Der Ex-Dortmunder (drei Einsätze in dieser Saison) feiert demnächst seinen 24. Geburtstag und hat offenbar anderweitige Anfragen vorliegen.

Sollte es tatsächlich so kommen, dass alle drei Kandidaten demnächst den FCH verlassen, plant der Verein laut Sanwald zwar nicht, postwendend genauso viele Neuzugänge an Land zu ziehen. Gänzlich untätig wollen die Heidenheimer auf dem winterlichen Transfermarkt aber auch nicht bleiben.

Vor zwei Jahren, erinnert sich Sanwald, sei man als Tabellenvierter in die Rückrunde gestartet, hatte aber einen zu knappen Kader, was sich aufgrund mehrerer Verletzungen dann als Handicap erwies. Diese Erfahrung wolle man im kommenden halben Jahr nicht noch einmal machen.

Da trifft es sich gut, dass die seit Jahren angestrebte Rückkehr von Robert Leipertz (derzeit beim stark abstiegsbedrohten Ligakonkurrenten FC Ingolstadt) nun plötzlich wieder in greifbare Nähe gerückt ist. „Wir sind in guten Gesprächen“, ließ Sanwald durchblicken.

Der 25-jährige Leipertz, der zwischen 2014 und 2016 in 65 Ligaspielen für den FCH 18 Mal traf und 16 weitere Tore vorbereitete, konnte sich in Ingolstadt nie richtig durchsetzen. In dieser Saison stand er nur in den vergangenen drei Spielen unter Neu-Coach Jens Keller in der Startelf, zuvor war er gerade viermal in der Schlussphase eingewechselt worden.

„Leipi“ wäre auch 2016 gerne in Heidenheim geblieben, sein voriger Verein Schalke 04 machte jedoch damals von einer Vertragsoption Gebrauch und verkaufte ihn an Ingolstadt weiter. Der Offensivspieler, der in Heidenheim den Konkurrenzkampf auf der zweiten Flügelposition neben Marc Schnatterer nochmals neu anheizen würde, stand in den vergangenen Jahren immer wieder im Fokus des FCH. Bislang scheiterte aber eine Rückkehr auf den Schlossberg regelmäßig am Veto der Ingolstädter.

Jetzt aber scheint neue Bewegung in die Personalie gekommen zu sein. Leipertz hat beim Zweitliga-Schlusslicht Ingolstadt noch einen Vertrag bis 2020. Wenn die Ablösesumme stimmt, würde ihn der Verein wohl sofort ziehen lassen.

Ruhige Tage gibt es für Holger Sanwald also auch in dieser Winterpause nicht. Doch angesichts der augenblicklichen sportlichen Situation kann der Vorstandsvorsitzende ebenso selbstbewusst wie gelassen die Planungen angehen.

Urlaub ist für ihn in dieser Jahreszeit ohnehin nicht angesagt. „Ich bin da“, sagt der 51-Jährige – und ist selbst gespannt auf die weiteren Entwicklungen.