Heidenheim FCH in Kaiserslautern ohne Schnatterer

Nicht über mögliche Rechenbeispiele reden, wie der vorzeitige Klassenerhalt zu schaffen wäre: Nach dieser Devise verfährt Frank Schmidt, der sich voll auf die sportliche Aufgabe in Kaiserslautern konzentrieren möchte.
Nicht über mögliche Rechenbeispiele reden, wie der vorzeitige Klassenerhalt zu schaffen wäre: Nach dieser Devise verfährt Frank Schmidt, der sich voll auf die sportliche Aufgabe in Kaiserslautern konzentrieren möchte. © Foto: Eibner
Heidenheim / Thomas Grüninger 04.05.2018
Mit einem Sieg bei Schlusslicht Kaiserslautern hätte der FCH am Sonntag (15.30 Uhr) definitiv den Zweitliga-Klassenerhalt sicher, doch Trainer Frank Schmidt scheut weiterhin Rechenspiele und Ergebnis-Spekulationen. Kapitän Marc Schnatterer muss erneut passen, ebenso Mathias Wittek (beide Muskelfaserriss).

Fußball, sagt Schmidt, sei keine Mathematik. Fußball habe in erster Linie mit Emotionen zu tun, und Emotionen würden sich sehr schlecht in eine Rechnung einbeziehen lassen. Als gelernter Bankkaufmann kenne er sich einigermaßen aus mit Exceltabellen, meinte der Trainer weiter. Aber es bringe doch nichts, sich mit so Fragen auseinanderzusetzen, „was passiert, wenn wir Unentschieden spielen und welche Ergebnisse wir dann noch brauchen.“

Dabei ist die Situation vor dem vorletzten Spieltag dieser Saison aus Heidenheimer Sicht letztlich ganz simpel: Der FCH muss am Sonntag in Kaiserslautern (Anpfiff um 15.30 Uhr) gewinnen, dann steht einer fünften Spielzeit in der zweithöchsten deutschen Liga nichts mehr im Wege.

Mit einem dreifachen Punktgewinn hätten die Heidenheimer neben Kaiserslautern auch Darmstadt (derzeit vier Punkte Rückstand) vor dem Saisonfinale definitiv hinter sich gelassen. Zwar könnte Fürth (derzeit 16.) – einen Sieg der „Kleeblätter“ am Sonntag gegen Duisburg und einen Erfolg am letzten Spieltag in Heidenheim mit entsprechendem Ergebnis vorausgesetzt – noch am FCH vorbeiziehen. Weil sich aber am Sonntag mit Aue und Dresden zwei schlechter postierte Teams gegenseitig die Punkte abnehmen müssen, würde einer dieser beiden Konkurrenten auf jeden Fall am Ende hinter Heidenheim stehen.

Ein Gegner mit Qualität

Dennoch: Zumindest nach außen spielt das für Schmidt und sein Team keine große Rolle. „Ich will Leistung sehen“, sagt der Trainer stattdessen und verweist zuallererst darauf, dass man erneut alles investieren müsse, um nach zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen auf Erfolgskurs zu bleiben. „Wir wissen genau, was wir in den letzten Wochen durchgemacht haben. Wir wissen, wie extrem eng diese Liga ist“, bekräftigt der 44-Jährige.

Dass der Traditionsklub aus der Pfalz, der vor 20 Jahren seinen letzten von insgesamt vier deutschen Meistertitel einfuhr, nach dem vorzeitigen Abstieg in die Drittklassigkeit die Zügel schleifen lässt, glaubt Schmidt nicht. Kaiserslautern werde „alles tun, um sich im vorerst letzten Zweitliga-Heimspiel gut zu präsentieren“, ist er überzeugt. Es sei ein Gegner, der Qualität habe, trotz des Abstiegs – und das sei Warnung genug.

Kein Spaziergang

„Von dem Gedanken, das wird ein Spaziergang für uns, sollte sich jeder schnell verabschieden“, sagte Schmidt: „Wir wiegen uns nicht in Sicherheit. Wir bereiten uns konzentriert und selbstbewusst, aber in keiner Form überheblich auf die Aufgabe vor. Auf uns warten intensive 90 Minuten plus X auf dem Betzenberg. Es wird schwer, zu gewinnen, aber wir wissen auch, dass wir dazu in der Lage sind.“

Zuversicht schöpfen die Heidenheimer nicht nur aus der Tatsache, dass sie sich mit sieben Punkten aus den vergangenen drei Spielen (bei insgesamt nur zwei Gegentoren) vom Abstiegs-Relegationsplatz auf Rang elf vorarbeiten konnten. Auch die Tatsache, dass es beim jüngsten 2:0 gegen Sandhausen erstmals in einem Heidenheimer Zweitliga-Spiel gelungen ist, Kapitän Marc Schnatterer über die kompletten 90 Minuten zu ersetzen, sollte Mut machen.

„Das hat die Mannschaft in Summe sehr gut gelöst“, machte Schmidt ein Kompliment. Auch morgen in Lautern fällt Schnatterer wieder aus – ebenso wie Mathias Wittek (beide Muskelfaserriss). Die anderen angeschlagenen Spieler mussten zwar zum Wochenbeginn teilweise noch geschont werden, stehen dem Trainer aber voraussichtlich wieder zur Verfügung.

Dovedan hat einen Lauf

Dass es dem einen oder anderen Akteur gelungen ist, gerade in den vergangenen kritischen Wochen effektiv in die Bresche zu springen, hat ohne Frage wesentlich zur Verbesserung der Situation im Abstiegskampf beigetragen. Allen voran ist hier sicher Niko Dovedan zu nennen. Der österreichische Neuzugang hat derzeit einen Lauf, traf in den vergangenen vier Partien insgesamt fünf Mal.

Dovedan habe inzwischen verinnerlicht, worauf es in der 2. Liga ankommt, freute sich Schmidt. „Er hat seine Chance genutzt und dies Woche für Woche bestätigt. Wenn er so weitermacht, ist er ein wichtiger Faktor für uns. Ich gehe nicht davon aus, dass er in irgendeiner Form nachlassen wird.“

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