Jeddeloh FCH gegen Jeddeloh: Einer spielte schon in der Thai-League

Jeddelohs Kapitän Kevin Samide (rechts) spielte einst gemeinsam mit Timo Beermann beim VfL Osnabrück.
Jeddelohs Kapitän Kevin Samide (rechts) spielte einst gemeinsam mit Timo Beermann beim VfL Osnabrück. © Foto: Volkhard Patten
Jeddeloh / Thomas Grüninger 16.08.2018
Dorfklub Jeddeloh träumt am Sonntag (15.30 Uhr) vom Coup gegen den FCH – und blickt etwas neidisch auf den Rivalen Drochtersen/Assel.

Zumindest an Selbstbewusstsein scheint bei den Menschen im niedersächsischen Ammerland kein Mangel zu herrschen. „Jeddeloh - das ist ja fast jedem ein Begriff. Aber was ist Heidenheim?“, fragte vor kurzem die in Oldenburg erscheinende „Nordwest-Zeitung“ und stellte anschließend Stadt und Verein des kommenden Pokalgegners aus dem tiefen Süden vor.

Unter anderem war auch zu lesen, dass Heidenheim im Vergleich zu Jeddeloh riesig sei. Während sich das 1353 Einwohner zählende Jeddeloh II (es gibt auch noch Jeddeloh I mit 1025 Einwohnern) mit der Gesamtgemeinde Edewecht eine Postleitzahl teilen müsse, verfüge Heidenheim schon über deren drei. Na, wenn das mal nicht am Ende den Ausschlag gibt . . .

Spielverderberin Rojinski

Freilich hätte es der SSV Jeddeloh II bezüglich des Gegners gerne noch größer gehabt. Der niedersächsische DFB-Pokal-Novize träumte von einem namhaften Bundesligisten. Doch dann kam Palina Rojinski. Die TV-Moderatorin fungierte am 8. Juni in der ARD als Glücksfee und griff dabei gleich zweimal total daneben – zumindest aus Jeddeloher Blickwinkel.

Erst loste sie dem Rivalen SpVgg Drochtersen/Assel, der Jeddeloh im niedersächsischen Pokalfinale gleich mit 5:1 deklassiert hatte, das Traumlos Bayern München zu. Dann setzte Palina Rojinski ihren Job damit fort, dem SSV Jeddeloh den 1. FC Heidenheim als Gegner zu servieren, „das zweitschlechteste Los nach Sandhausen, das möglich war“, wie Teammanager Gerhard Meyer jammerte.

In einer Kneipe in Jeddeloh II, das im Gegensatz zu Jeddeloh I einen Sportklub hat, gab's in diesem Moment statt des erhofften Jubels erst einmal Ernüchterung. Spieler und Fans hatten sich beim Bier zum Public Viewing getroffen und wollten gemeinsam auf einen Kracher-Gegner anstoßen. Pustekuchen!

Dass Heidenheim im Oldenburger Land ein noch weitgehend unbeschriebenes Blatt ist, muss nicht weiter verwundern. Als bekanntestes Gesicht des Zweitligisten aus der Stadt mit den drei Postleitzahlen wurde – wie könnte es anders sein – Dauerbrenner Marc Schnatterer ausgemacht. Ansonsten musste man sich erst einmal ein Bild machen vom Gegner. Zum Beispiel bei dessen jüngstem Gastspiel in Kiel. Gleich vier Jeddeloh-Experten hatten sich zur gegnerischen Spionage an der Ostsee angesagt.

Nach der ersten Enttäuschung wegen des ausgebliebenen Bundesliga-Loses machte dann aber doch verhaltener Optimismus die Runde in der sogenannten Moorkolonie Jeddeloh. „Wir glauben an unsere Chance. Ein bisschen träumen darf man ja wohl“, sagte Trainer Key Riebau. Der frühere Innenverteidiger ist mit 28 Jahren übrigens der jüngste aller DFB-Pokal-Trainer in Runde eins.

Mittelfeldspieler Bastian Schaffer tröstete sich mit dem „tollen Gefühl, dass wir uns überhaupt die erste Runde im DFB-Pokal erarbeiteten“. Letztlich räumte er aber auch ein: „Wir hatten uns ein anderes Los erhofft.“

Vielleicht sieht das Kapitän Kevin Samide ein bisschen anders. Er ist der einzige Akteur, für den es eine persönliche Verbindung zu den Heidenheimern gibt. Mit FCH-Innenverteidiger Timo Beermann trug er in gemeinsamen Drittliga-Zeiten das Trikot des VfL Osnabrück. Beide haben zurzeit aber auch gemeinsam, dass sie sich mit Verletzungen herumplagen müssen: Beermann mit Adduktorenproblemen, Samide mit einer Oberschenkelzerrung.

Spieler mit Zweitliga-Erfahrung

Erfahrenster Akteur bei Jeddeloh ist der inzwischen 34-jährige Björn Lindemann. Auf seiner sportlichen Visitenkarte stehen 24 Zweitliga-Spiele, 80 Drittliga-Spiele und – 105 Spiele in der ersten thailändischen Liga. Dort kickte er ab 2012 für mehrere Klubs, ehe er seine internationale Karriere 2017 mit dem Transfer von Sisaket FC zum 1. FC Germania Egestorf/Langreder beendete.

Im Angriff müssen die Heidenheimer auf Nils Laabs aufpassen. Der Mittelstürmer war vergangene Saison immerhin mit 16 Treffern drittbester Torschütze des Nord-Regionalligisten.

Etwas pikiert war man in Jeddeloh darüber, dass die Partie aus Sicherheitsgründen nicht in der heimischen 53acht-Arena ausgetragen werden darf, sondern im Oldenburger Marschwegstadion über den Rasen gehen muss. Es wird mit 5000 Zuschauern gerechnet.

Von der Kreisliga bis in die Regionalliga

Vor 15 Jahren spielte der SSV Jeddeloh II noch in der Kreisliga Weser/Ems. Der Aufschwung in die aktuell vierthöchste Liga hängt vor allem mit Rolf Bley zusammen. Der Fleischwarenfabrikant engagiert sich sowohl finanziell als auch ideell.

Der SSV Jeddeloh war 2012 in die Oberliga Niedersachsen aufgestiegen. 2017 gelang dann der Sprung in die Regionalliga, die der 700 Mitglieder umfassende Klub in seiner Premierensaison auf Platz sieben abschloss.

Aktuell nimmt der SSV Jeddeloh nach vier Spieltagen Rang 14 in der 18 Klubs umfassenden Tabelle ein, holte bislang fünf Punkte. Die Pokal-Generalprobe gegen den Aufsteiger Lupo Martini Wolfsburg endete am Wochenende mit einem 1:1-Unentschieden.

Das alles klingt nicht gerade nach Paradestart. Allerdings hatte Jeddeloh gleich zu Saisonbeginn schwere Kaliber gegen sich – unter anderem Vorjahresmeister SC Weiche-Flensburg 08.

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