Heidenheim Norman Theuerkauf: Allrounder des FCH im Interview

Entschlossener Blick, Ball unter Kontrolle, dynamischer Vormarsch:  FCH-Allzweckwaffe Norman Theuerkauf schaut der Partie am Sonntag in Kiel zuversichtlich entgegen.
Entschlossener Blick, Ball unter Kontrolle, dynamischer Vormarsch: FCH-Allzweckwaffe Norman Theuerkauf schaut der Partie am Sonntag in Kiel zuversichtlich entgegen. © Foto: Eibner
Heidenheim / Thomas Grüninger 10.08.2018
Der 31-Jährige Norman Theuerkauf spielt nach Bedarf Innen- oder Außenverteidiger oder Sechser, sah den Abstieg des Ex-Klubs Braunschweig kommen und weiß noch nicht, wie stark Gegner Kiel ist.

Oberliga, Regionalliga, 3. Liga, 2. Liga, Bundesliga: Norman Theuerkauf hat alles schon gespielt.

Außenverteidiger, Innenverteidiger, defensiver Mittelfeldspieler: Norman Theuerkauf hat auch das alles schon gespielt.

Der 31-Jährige Routinier gehört damit zu den erfahrensten und flexibelsten Spielern im Kader des Fußball-Zweitligisten 1.FC Heidenheim – und kennt folgerichtig die Mechanismen der Branche wie kaum ein anderer. Den überraschenden Abstieg seines Ex-Klubs Eintracht Braunschweig in die Drittklassigkeit hat er vergangene Saison kommen sehen.

„Ich habe immer gesagt: Pass auf, die steigen ab. Eintracht hat gar nicht damit gerechnet, da unten reinzurutschen. Als sie dann gemerkt haben, es wird eng, war es schon zu spät“, erinnert sich der Linksfuß an 2017/18.

Inzwischen ist 2018/19 – und nach dem ersten Spieltag lässt sich auch für Theuerkauf noch nicht viel sagen. Nur soviel: Der FCH will alles tun, um am Sonntag bei Holstein Kiel (15.30 Uhr) erstmals in der 2. Liga zu punkten.

Kurzer Rückblick auf das 1:1 gegen Bielefeld: Wie bewerten Sie den Saisonstart?

Ich finde, wir haben in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel gemacht, haben Bielefeld nur wenige gefährliche Aktionen gestattet. Das 1:0 war super herausgespielt. Beim 1:1 wissen wir selber, dass so eine Verkettung von Fehlern eigentlich nicht passieren sollte.

Können Sie die Verkettung der Fehler mal kurz schildern?

Erst klären wir nicht richtig, dann sind wir uns nicht einig, wer den Ball nimmt, dann hält Kevin Müller den Schuss, wehrt nach außen ab. Dann kann man natürlich sagen, man hätte die Flanke verhindern können. Dann stimmt die Zuordnung nicht, als Oli Steurer am zweiten Pfosten allein gegen zwei steht. Kurioserweise gab es ansonsten während des gesamten Spiele keine einzige Phase mehr, in der innerhalb von rund 30 Sekunden so viele Fehler passierten. Das ist manchmal nicht zu erklären.

Nun kennt man die Situation mit den schnellen Gegentoren vom FCH schon aus der vergangenen Saison. Ist das mittlerweile ein Kopfproblem?

Grundsätzlich gilt: Die ersten drei Minuten nach einem Tor sind die gefährlichsten – egal, auf welcher Seite. Vielleicht will man es danach besonders gut machen, vielleicht ist man nach einem Führungstor übermotiviert, vielleicht nervöser, weil man das Gegentor unbedingt vermeiden will. Ob das eine Kopfsache ist, weiß ich nicht.

Im Blick auf mehr Defensiv-Stabilität wollte Trainer Frank Schmidt eine möglichst eingespielte Abwehr mit wenigen personellen Wechseln. Doch nach den Ausfällen von Timo Beermann, Arne Feick und Mathias Wittek scheint das schon hinfällig.

Klar wäre es schön, wenn man vom ersten bis 34. Spieltag mit einer eingespielten Abwehr agieren könnte. Aber man kann es nicht ändern, wenn sich Spieler verletzen. Außerdem wird es im Verlauf einer Saison immer wieder Veränderungen geben, weil die Konkurrenzsituation da ist und sich andere in die Mannschaft spielen.

Sie gelten als Mann für alle Fälle, sind letzte Saison abwechselnd auf drei Positionen eingesetzt worden. Hätten Sie es nicht lieber, konstant eine Rolle zu spielen?

Das sind ja alles Positionen, die ich spielen kann. In der Jugend und anfangs der Aktivenzeit spielte ich linker Verteidiger, in Braunschweig wurde ich zum Sechser umgeschult und am Ende auch als Innenverteidiger eingesetzt. Wo der Trainer Bedarf sieht, da spiele ich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es auf der Welt jemanden gibt, der sagen würde, ich möchte nicht spielen, weil ich nicht auf meiner Lieblingsposition aufgestellt werde.

Aber fühlen Sie sich nicht manchmal als Notnagel, der immer nur da einspringen muss, wo es eben gerade brennt?

Nein, so fühle ich mich nicht. Ein Notnagel ist für mich jemand, der nur zum Zug kommt, wenn sich alle anderen verletzt haben und keiner sonst mehr zur Verfügung steht. Ich habe aber auch oft gespielt, als alle fit waren. Ich fühle mich eher als Allrounder, auf den man zurückgreifen kann, weil er zuverlässig ist.

Am Sonntag geht's nach Kiel. Gegen die Kieler wurden letztes Jahr beide Spiele verloren. Zunächst zum Hinspiel: Können Sie sich noch an das 3:5 erinnern?

Ich bekam nach 35 Minuten nach einem Freistoß den Ball gegen den Kopf, war benommen und musste ausgewechselt werden. Dann waren wir nach Matze Witteks roter Karte in Unterzahl, gingen trotzdem 3:2 in Führung und verloren noch 3:5. Kiel hatte letztes Jahr dieses Selbstverständnis, jedes Spiel zu gewinnen. Die hatten einfach einen Lauf.

Im Rückspiel war es dann nicht weniger kurios. Es gab ein vom Winde verwehtes 1:2 an der Kieler Förde.

Von den äußerlichen Bedingungen her war das eine Katastrophe. Gegen den Wind konntest du einfach nichts machen, auch Kiel kam ja nach der Pause nicht mehr gefährlich vor unser Tor. Der Unterschied bestand darin, dass Holstein Kiel mit Windunterstützung zwei Tore machte, wir nur eines.

Ist es zusätzliche Motivation, den Spieß nach den schlimmen Kiel-Erfahrungen aus der vergangenen Saison diesmal umzudrehen?

Ich persönlich fahre bestimmt nicht zu jedem Spiel und frage mich vorher, wie die letzten Partien gegen diesen Gegner gelaufen sind. Sonst müsste ich ja zum Beispiel auch vor dem Duell mit Regensburg sagen: O je, gegen die haben wir im letzten Jahr zweimal verloren. Nein, ich fahre nach Kiel – und ich bin sicher, das sehen alle in der Mannschaft so – um zu gewinnen. So ist es immer, wie der Gegner heißt, ist da egal.

Holstein Kiel hat zum Auftakt überraschend klar mit 3:0 beim Hamburger SV gewonnen. Werden die „Störche“ nach dem Scheitern in der Aufstiegsrelegation 2017/18 erneut vorne mitspielen?

Wenn man das Spiel beim HSV gesehen hat, dann muss man auch sagen: Die Hamburger hätten auch 2:0 oder 3:0 führen können, wenn sie ihre Chancen zu Beginn besser verwertet hätten. Kiel agierte stattdessen nach der Pause eiskalt, während der HSV in die Muster der letzten Saison verfiel. Aber was Kiel tatsächlich in dieser Saison schaffen kann, das weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht.

Einst zweifacher Torschütze gegen den 1. FC Heidenheim

Ein Kuriosum in Norman Theuerkaufs Karriere ist die Tatsache, dass er gegen den FCH mehr Punktspieltore erzielte (zwei) als für den FCH (eins). Mit Eintracht Braunschweig gewann er am letzten Drittliga-Spieltag 2010/11 glatt mit 4:0 gegen Heidenheim und steuerte zwei Treffer bei. Braunschweig stieg damals in die 2. Liga auf.

Sein einziges Tor für den FCH gelang ihm im Oktober 2015 am Bornheimer Hang in Frankfurt. Theuerkauf sorgte fürs 1:0 zum 4:0-Sieg des FCH beim FSV Frankfurt.

Insgesamt bestritt der 31-Jährige, der noch zu DDR-Zeiten in Nordhausen zur Welt kam, 83 Zweitligaspiele für Heidenheim. Die längste Zeit verbrachte er in Braunschweig, wo ihm zwei Aufstiege gelangen (2. Liga, Bundesliga).

Für die Eintracht bestritt er 175 Ligaspiele, 29 davon in der Bundesliga. Zuvor war er auch für Eintracht Frankfurt II und Werder Bremen II aktiv.

Sein aktueller Vertrag läuft bis 2019. Was danach kommt, ist unklar. „Ich fühle mich noch topfit und könnte mir vorstellen, noch zwei, drei Jahre weiterzuspielen“, sagt Theuerkauf.

Vor der aktuellen Spielzeit wurde Norman Theuerkauf von Frank Schmidt zu einem der stellvertretenden Mannschaftskapitäne bestimmt (der andere ist Sebastian Griesbeck).

Seine Freizeit werde momentan vor allem von seiner Tochter bestimmt, die ein knappes Jahr alt ist und in Heidenheim geboren wurde. Die Familie fühle sich in der Stadt an der Brenz wohl. „Ich bin froh, dass ich vor drei Jahren hier gelandet bin. Das hat meiner Persönlichkeit sehr gut getan“, sagt der FCH-Allrounder.

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