Heidenheim Die schwarze Null steht beim 1. FC Heidenheim

Heidenheim / Edgar Deibert 30.11.2018
Bei seiner seiner 12. Mitgliederversammlung präsentierte der 1. FC Heidenheim eine solide Bilanz. Die Stadion-Übernahme ist fürs erste Halbjahr 2019 geplant.

Harmonischer hätte die 12. Mitgliederversammlung des 1. FC Heidenheim wohl nur verlaufen können, wenn die 341 Gäste im Hartmann-Kommunikationszentrum beim Einspielen der Vereins-Hymne spontan mitgesungen hätten. Was sich Holger Sanwald wohlgemerkt auch tatsächlich wünscht: „Vielleicht sind wir ja einmal so weit, dass wir unsere Hymne alle mitsingen können. Aber das ist womöglich noch ein paar Tage hin, bis uns das gelingt“, so der Vorstandsvorsitzende.

Finanzielle Situation: Beim Thema Finanzen kann sich Sanwald dagegen auf ein eingespieltes Team verlassen. Erneut erwirtschaftete der FCH ein positives Ergebnis, auch wenn der Vorstandsvorsitzende im Hinblick auf die knapp 7 000 Euro Gewinn nicht umhin kam, den Zusatz „gerade so“ nachzuschieben.

Allerdings gibt es viele Profi-Fußballvereine – sowohl national, als auch international –, die enorme Schulden haben. So hatte FCH-Ligakonkurrent Arminia Bielefeld über 22 Millionen angehäuft und profitierte Anfang des Jahres letztlich von der Unterstützung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen sowie der Stadt Bielefeld.

Sanwald verwies auch auf die erneuten Investitionen, dieses Mal in den neuen – und damit fünften – Trainingsplatz oberhalb der Voith-Arena, der insgesamt knapp 3 Millionen Euro gekostet hat. Am Bau beteiligte sich die Stadt Heidenheim letztlich mit 1,2 Millionen Euro, den Rest finanzierte der Verein selbst.

Und obwohl die Mitarbeiterzahl im Gesamtverein von 186 auf 183 leicht zurückging, stieg der Personalaufwand (verglichen werden die beiden Spielzeiten 2017/18 und 2016/17). Sanwald begründete diesen mit Prämienzahlungen an die Spieler für den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Finanziell negativ habe sich auch die Neuansetzung des Heimspiels gegen Aue ausgewirkt (Starkregen). Sanwald bezifferte die Mehrkosten (Sicherheitsdienst, Catering) auf knapp 100 000 Euro.

Steigerung beim Umsatz: In diesem Bereich legte der FCH von knapp 22 auf knapp 26,5 Millionen zu – ein neuer Rekordwert. Darin enthalten ist allerdings auch der öffentliche Zuschuss für den neuen Trainingsplatz. Zudem profitierte der FCH eben vom Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals, in der Saison 2016/17 war dagegen bereits nach der 2. Runde Schluss. Allerdings betrage der durchschnittliche Umsatz der Zweitligisten knapp 35,3 Millionen Euro, gab Sanwald zu bedenken.

Der FCH wolle sich wirtschaftlich stabil halten und sich stetig weiterentwickeln, so der Vorstandsvorsitzende weiter. Dabei wiederholte er die Maxime: „Bloß kein Harakiri“. Der Heidenheimer Zweitligist wolle wirtschaftlich nur das anstreben, was er sich finanziell auch leisten könne. „Wir wollen machbares, nichts verrücktes“, so Sanwald.

Politik trifft Sport: Dies werden die anwesenden Volksvertreter sicherlich gerne gehört haben. Denn welchen Stellenwert des FCH in der Region einnimmt, zeigte einmal mehr, welche Ehrengäste dessen Einladung gefolgt sind. So etwa der neue SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch, der Landtagsabgeordnete Heiner Merz (AfD), Heidenheims Oberbürgermeister Bernhard Ilg, der zugleich Ehrenmitglied beim FCH ist, Rudi Neidlein (SPD-Fraktionsvorsitzender im Heidenheimer Gemeinderat), Uli Grath (Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler), Christa Miola (Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen) und Norbert Fandrich (Die Linke). Petra Saretz als neue CDU-Fraktionsvorsitzende ist zugleich Bereichsleiterin Organisation beim FCH.

Infrastrukturelle Ziele: Auch bei seiner weiteren Entwicklung wird der FCH auf die Rückendeckung seitens der Politik setzen müssen. Vorstandsvorsitzender Sanwald platzierte bei den Gemeinderäten vorsichtig, welche Vision der Fußball-Zweitligist auf Sicht von etwa fünf bis fünfzehn Jahren hat. So wurde im Zusammenhang mit dem Stadionkauf vom Verein und der Stadt gemeinsam vor knapp einem dreiviertel Jahr eine Machbarkeitsstudie für die Entwicklungsmöglichkeiten für die Voith-Arena in Auftrag gegeben. Im Dezember soll es laut Sanwald eine finale Besprechung geben.

Soviel verriet der Vorstandsvorsitzende aber dann doch: Grundsätzlich sei ein weiterer Stadionausbau möglich. Laut Sanwald sei die größte Hürde, die man dafür nehmen müsste, das Thema Verkehr. In diesem Bereich seien Anpassungen notwendig. „Von der Rolltreppe hoch auf den Schlossberg über einen Ausbau der Shuttle-Busse“, merkte Sanwald an, dass es noch keine konkreten Vorschläge dafür gebe.

Weitere perspektivische Wünsche seien ein Jugendinternat in der Nähe der Voith-Arena und eine Sporthalle. „Idealerweise brauchen wir auch weitere Trainingsplätze, damit auch unsere Jugend weiter wachsen kann“, so Sanwald, der auch ein Parkhaus auf dem Schlossberg als Teil der Vision – ohne eine zeitliche Vorgabe – umriss.

W-Lan für Stadionbesucher: Noch in diesem Jahr soll aber das Thema Digitalisierung der Voith-Arena in Angriff genommen werden. Es sei nicht zeitgemäß und auch ein großes Ärgernis, dass man im Stadion keinen richtigen Empfang habe, erklärte Sanwald. Um W-Lan anbieten zu können, werden die beiden Kommunikationsanbieter „Deutsche Telekom“ und „Vodafone“ zwei Mobilfunkantennen installieren – und zwar auf deren eigene Kosten, wie der FCH-Vorstandsvorsitzende betonte. Die „Telekom“ beginne damit nach dem letzten Heimspiel des Jahres gegen den MSV Duisburg (8. Dezember).

Übernahme der Voith-Arena: Für 2 Millionen Euro will der FCH bekanntlich das Stadion von der Stadt erwerben, was Oberbürgermeister Ilg als „epochale Entscheidung“ bezeichnete. Im Kaufpreis enthalten sind auch die fünf Trainingsplätze oberhalb des Stadions, insgesamt handelt es sich um knapp 100 000 Quadratmeter an Boden. Eine Übernahme im ersten Halbjahr 2019 sei dabei das Ziel, erklärte Sanwald. Die Kosten werde der Verein durch die Aufnahme von Fremdkapital stemmen müssen, so der FCH-Vorsitzende weiter.

Kassenbericht und Bilanz des FCH für die Saison 17/18 (Angaben in Euro)

Umsatz 26 468 073 (in Klammern Vergleich zur Saison 2016/17: 22 020 137)

Gewinn 7478 (35 875)

Spielbetrieb 10 50 165 (10 213 159)

Mediale Verwertungsrechte 9 714 016 (6 800 233)

Transfererlöse 150 692 (346 999)

Handel 391 731 (506 358)

Sonstige betriebliche Erträge 5 706 469 (4 153 388)

Personalaufwand 12 010 994 (11 118 091)

Abschreibungen 1 955 335 (2 155 472)

Sonstige betriebliche Aufwendungen 11 297 263 (8 460 294)

Finanzergebnis 695 917 (624 364)

Steuern 501 086 (-373 959)

Gesamt 26 460 595 (21 984 262)

Lohn und Gehälter 6 488 042 (5 737 161)

Lohnsteuer 3 133 736 (3 347 092)

Sozialversicherungsbeiträge 1 377 020 (1 325 135)

VGB-Beiträge 730 689 (708 703)

Kirchensteuer 281 507

Sponsoren 490 (490)

Umsatz Vermarktung 9 300 000 (stabil zur Vorsaison)

Durchschnittliche Zuschauerzahl bei Heimspielen 10 500 (11 500)

Mitglieder 2600 (stabil)

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